Persönlichkeitsmerkmale als störende Belastung (Seite 3/16)

Kategorien, Cluster und Häufigkeit

Kategorisierung nach ICD-10 und DSM

In den beiden bekanntesten Klassifikationssystemen für psychische Krankheiten, der „Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD-10) und dem „Diagnostischen und statistischen Handbuch psychischer Störungen“ (DSM) werden die Persönlichkeitsstörungen in ähnliche Kategorien unterteilt. Auch die Kriterien für die einzelnen Störungsbilder sind häufig ähnlich.

Im Folgenden wird zunächst auf die Klassifikation der Persönlichkeitsstörungen im DSM eingegangen, anschließend werden die Unterschiede in der ICD-10 beschrieben.

Einteilung der Persönlichkeitsstörungen in Cluster

In beiden Klassifikationssystemen werden die Persönlichkeitsstörungen in drei Cluster eingeteilt: Cluster A bezeichnet dabei Persönlichkeitsstörungen mit „sonderbaren und exzentrischen Verhaltensweisen“, Cluster B Persönlichkeitsstörungen mit „dramatischem, emotionalem und launenhaften Verhalten“ und Cluster C Persönlichkeitsstörungen mit „ängstlichem und vermeidendem Verhalten“.

Zum Cluster A gehören im DSM die paranoide, die schizoide und die schizotypische Persönlichkeitsstörung, zum Cluster B die antisoziale, die Borderline-, die histrionische und die narzisstische Persönlichkeitsstörung, und zum Cluster C die selbstunsichere, die dependente und die zwanghafte Persönlichkeitsstörung. Eine Sonderstellung nimmt die passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung ein: Diese Diagnose ist bisher umstritten und wird nur selten gestellt. Im DSM kommt sie nicht vor, in der ICD-10 wird sie unter „sonstige Persönlichkeitsstörungen“ aufgelistet, aber nicht näher charakterisiert.

Häufigkeit von Persönlichkeitsstörungen

Die Häufigkeit von Persönlichkeitsstörungen genau zu erfassen, ist schwierig. Die meisten Betroffenen beginnen von sich aus keine Behandlung, und die Störung wird in vielen Fällen gar nicht erkannt. Deshalb gibt es auch relativ wenige Studien zu diesem Thema. Es wird aber geschätzt, dass fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung in ihrem Leben an einer Persönlichkeitsstörung erkranken. Manche Persönlichkeitsstörungen kommen dabei häufiger bei Männern, andere häufiger bei Frauen und einige bei Männern und Frauen gleich häufig vor. 

Allerdings werden bei Patienten, die an psychiatrischen Erkrankungen leiden, deutlich häufiger Persönlichkeitsstörungen beobachtet, nämlich bei 30 bis 50 Prozent. Am häufigsten sind sie von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung betroffen, gefolgt von der selbstunsicheren, histrionischen und dependenten Persönlichkeitsstörung.

Umgekehrt leiden Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung oft an anderen psychischen Problemen und Erkrankungen – und auch an weiteren Persönlichkeitsstörungen. So kommt es bei etwa 16 Prozent zu einem Missbrauch von Alkohol und bei fünf Prozent zum Missbrauch von Drogen. Auch Angststörungen, Depressionen, Essstörungen und psychosomatische Erkrankungen werden häufig beobachtet.

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