Alles Wissenswerte zu Psychotherapie (Seite 6/15)

Was bezahlt die Krankenkasse?

"Krankheitwert" und bezahlte Behandlungsmethoden

Krankenkassen übernehmen die gesamten Behandlungskosten, sofern es sich um eine psychische Störung mit "Krankheitswert" handelt. Dazu gehören u.a.:

  • Angststörungen
  • Depressionen
  • Essstörungen
  • Persönlichkeitsstörungen
  • psychosomatische Störungen
  • Süchte
  • Verhaltensstörungen
  • Zwangsstörungen

Ob eine solche psychische Störung vorliegt, kann durch einen kassenzugelassenen Psychologischen Psychotherapeuten oder einen Arzt festgestellt werden. Seit Einführung der neuen Psychotherapie-Richtlinie muss diese Diagnose bei gesetzlich Versicherten verpflichtend in der psychotherapeutischen Sprechstunde erfolgen. Dabei stellt der Psychotherapeut zunächst eine Verdachtsdiagnose.

Leistungen wie Erziehungs-, Ehe- oder Lebensberatung werden von den Krankenkassen nicht übernommen. Da die Grenzen hier oft unklar sind und häufig eines das andere bedingt ( z.B. Schwierigkeiten in der Ehe, die zur Depressivität eines Partners führen) empfiehlt sich generell die Überprüfung, ob eine psychische Störung vorliegt.

Welche Verfahren bezahlt die Krankenkasse?

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen nur Behandlungen nach den derzeit anerkannten "Richtlinienverfahren". Nur diese gelten als „wissenschaftlich anerkannt“ und „wirtschaftlich“. Dazu gehören im Moment:

Die aufgezählten Verfahren werden nur von den Gesetzlichen bezahlt, wenn die Behandlung von einem ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeuten mit Approbation durchgeführt wird.

Zwar gelten auch die psychotherapeutischen Verfahren der Systemischen Therapie und der Gesprächstherapie für Erwachsene in Deutschland als wissenschaftlich anerkannt – allerdings sind sie bisher noch nicht als „erstattungsfähig“ eingestuft worden und können daher nicht mit den Gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden. Viele Private Krankenkassen übernehmen auch die Kosten dieser Verfahren.

In welchen Fällen wird eine Gruppen-Psychotherapie bezahlt?

Bei zahlreichen psychischen Erkrankungen kann eine Gruppentherapie häufig  genauso hilfreich wie eine Einzeltherapie sein. Sie soll daher bei der Auswahl der geeigneten Behandlungsform verstärkt berücksichtigt werden.

Der Therapeut soll bei jedem Patienten entscheiden, ob für ihn eine Einzeltherapie, eine Gruppentherapie oder eine Kombination aus Einzel- und Gruppentherapie am geeignetsten ist und dies auch mit dem Patienten besprechen und abstimmen.

Die Einsatzbereiche der Gruppentherapie sind u.a. Angststörungen, Depressionen, Burn-Out-Syndrom, Trauma-Störungen, Suchterkrankungen, Zwangsstörungen, Essstörungen, psychosomatischen Erkrankungen und Schmerzstörungen.

Gleichzeitige Teilnahme an Einzel- und Gruppentherapie möglich

Nimmt ein Patient sowohl an einer Einzel- als auch an einer Gruppentherapie teil, können beide von verschiedenen Therapeuten durchführt werden. In diesem Fall müssen beide Therapeuten einen Gesamtbehandlungsplan erstellen. Wenn der Patient zustimmt, müssen sie sich zudem während der Therapie regelmäßig über den Therapieverlauf austauschen.

Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Gruppentherapie, wenn der die Gruppe leitende Psychotherapeut eine Kassenzulassung für Psychotherapie und eine Zusatzausbildung in Gruppentherapie hat.

Was ist für Psychotherapeuten wichtig?

Will ein Therapeut bei einer Kurzzeittherapie die Behandlung von einer Einzel- zu einer Gruppentherapie ändern, muss er dies in Zukunft nur noch der Krankenkasse anzeigen. Bei einer Langzeittherapie muss für diese Änderung weiterhin ein Antrag geschrieben werden, der von einem Gutachter genehmigt werden muss.

Wann wird eine Rückfall-Vorbeugung (Rezidiv-Prophylaxe) übernommen?

Nach Abschluss einer Langzeittherapie kann mittlerweile eine Rückfall-Prophylaxe durchgeführt werden. Dadurch soll der Erfolg der Therapie gesichert und einem Rückfall vorgebeugt werden. Diese Stunden können bis zu zwei Jahre nach Abschluss der Langzeittherapie durchgeführt werden. 

Zu beachten ist, dass für die Rückfall-Prophylaxe die noch verbleibenden Therapiestunden einer Langzeittherapie genutzt werden. Das bedeutet, dass die zu Beginn der Therapie bewilligten Stunden entweder für die reguläre Therapie oder für die Rückfall-Prophylaxe genutzt werden müssen.

Bei einer Behandlungsdauer zwischen 40 und 59 Stunden können maximal 8 Stunden, bei einer Behandlungsdauer von 60 oder mehr Stunden maximal 16 Stunden für die Rückfall-Prophylaxe genutzt werden. 

Was ist für Psychotherapeuten wichtig?

Der Therapeut muss bereits im Antrag für die Langzeittherapie angeben, ob eine Rückfall-Prophylaxe durchgeführt werden soll und wie viele Stunden dafür vorgesehen sind. Weiterhin muss er das Ende der regulären Therapie (an die sich die Rückfall-Prophylaxe anschließt) der Krankenkasse melden.