Diagnose Burnout-Syndrom

Gefährdungspotenziel, Alarmsignale und Symptome

23.04.2008Von Ulrike Propach

Über zehn Jahre war Christoph E. bereits als Erzieher in einer Wohngemeinschaft mit neun Jugendlichen tätig. Zu Hause warteten seine Frau und die zwei Kinder, wenn er am Wochenende oder auch an Weihnachten Dienst hatte. Er bezeichnet seine Arbeit zum einen durch die emotionale Nähe zu den Jugendlichen als "Stress pur", zum anderen bedeutet diese Arbeit aber auch 365 Tage im Jahr rund um die Uhr zur Verfügung zu stehen. Durch die unterschiedlichen Wechseldienste waren seine Tagesabläufe immer total zerpflückt, die beruflichen Verpflichtungen nicht gerade familienfreundlich. Das war ja über Jahre so - und schien ja lange auch gut zu gehen. "Der Ausdruck Workaholic trifft es schon", resümiert er. "Es ist doch toll, wenn man aus der Bevölkerung zu hören bekommt: Mensch, Du machst einen Job, den könnte ich nicht leisten."  Christoph E. hat dann aber selbst gemerkt, dass die Arbeit ihn fest im Griff hatte.

"Es traf mich aus heiterem Himmel, ohne Vorwarnung. Man weiß mit dem Gefühl gar nichts anzufangen, hat keine Ahnung, woher das plötzlich kommt, dass man total unausgeglichen ist. Ich war nicht mehr fähig, zur Arbeit zu gehen", berichtet Christoph E. von dem Tag, an dem erkannte, dass mit ihm etwas nicht mehr stimmte. "Ich habe mich an den freien Tagen einfach nicht mehr erholt. Plötzlich reichten weder ein Wochenende noch zwei Wochen Ferien dazu aus." 

Wer ist Burn-Out gefährdet?

Von der Arbeit, Haushalt, familiären Verpflichtungen oder auch Freizeitaktivitäten erschöpft ist jeder einmal. Kaum jemand, der nicht mal feststellen muss, dass er ein selbst gestecktes Ziel nicht erreicht oder mit der eigenen erbrachten Leistung nicht so zufrieden ist wie sonst. Auch die Angst, vielleicht bei einer Sache zu versagen, ist kaum jemandem fremd. Ab und an plagen bei der Fülle an Verpflichtungen Jeden Schuldgefühle, einer Seite oder eine Sache eventuell nicht gerecht geworden zu sein.

Arbeitsumfang, Vielfalt der Aufgaben und Leistungsdruck nehmen in der heutigen Gesellschaft im beruflichen wie auch privaten Bereich stetig zu. Neben diesen erhöhten Leistungsanforderungen begünstigen auch persönliche Aspekte einen Burnout. Besonders gefährdet sind Menschen mit ausgeprägtem Perfektionismus, Helfersyndrom und krankhaftem Ehrgeiz. Ausgebrannt sein können nicht nur Manager, sondern auch Schüler, Studenten, Hausfrauen, Mütter, Arbeitslose oder Rentner. Umso wichtiger wird es für jeden, sich der Gefahr Burnout bewusst zu sein.

Alarmsignale und Symptome des Burnout-Syndroms

Das Burnout-Syndrom macht sich in verschiedenen Stadien anhand unterschiedlichster Symptome bemerkbar und tritt dabei in vielfältigen Varianten und sehr individuellem Maße auf.

Im Anfangsstadium besteht eher grundlegend ein diffuses Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung ist. Das kann einhergehen mit gelegentlicher grundloser Angst und beginnenden körperlichen Beschwerden.

Erste konkrete Anzeichen einer drohenden oder beginnenden Burnout-Symptomatik können vermehrter Einsatz, nahezu pausenloses Arbeiten, der subjektive Eindruck der eigenen Unentbehrlichkeit, das Gefühl eigentlich nie mehr richtig Zeit für sich zu haben, also die zunehmende Verleugnung der eigenen Bedürfnisse und die  Beschränkung zwischenmenschlicher Kontakte sein.

Im fortgeschrittenen Stadium kommen Gefühle wie Ärger, Unzufriedenheit, Gereiztheit oder auch das Gefühl ausgenutzt oder betrogen zu werden hinzu. Die körperlichen Symptome nehmen zu. Burnout-Patienten klagen dabei über unterschiedlichste Beschwerden wie Mattheit und Erschöpfung, Ruhelosigkeit, Niedergeschlagenheit, Depression und Ängste, aber auch Schlafstörungen, sexuelle Probleme, Kopf- und Rückenschmerzen, Tinnitus, Herzrasen, Magenkrämpfe und andere körperliche Gebrechen.

Bei weiterem Fortschreiten der Symptomatik treten zunehmend Gefühle von Sinnlosigkeit, Versagen, Misstrauen auf. Die Patienten sind sehr schnell erschöpft, mechanisieren ihre Leben so weit wie möglich, ziehen sich zurück und fallen in Apathie.

Beschwerden, Schmerzen oder ein geschwächtes Immunsystem können viele Ursachen haben - jedem geht es ab und an mal nicht so gut. Sich krank zu fühlen, sollte nicht zum Dauerzustand werden. Wann gesteht man sich dann ein, dass die Grenze der Belastbarkeit überschritten ist, man selbst zu hohe Erwartungen in eigene Leistungen setzt und nicht alle gesteckten Ziele erreichen kann?

Überprüfen Sie, ob Sie selbst gefährdet sind. Seien Sie dabei ehrlich mit sich!