„Therapie hat mir geholfen“

Psychotherapie ist oft ein großer, aber entscheidender Schritt

14.04.2014Von Dr. Christine Amrhein

„Depression: Die neue Volkskrankheit“, „Panikstörung: Wenn Angst das Leben beherrscht“, „Alkohol macht Menschen krank“ - wird auch im Bereich der psychischen Erkrankungen alles immer schlimmer?

Zunehmend berichten Medien über psychische Erkrankungen und steigende Betroffenenzahlen. Eine Berichterstattung über die guten Erfolgsaussichten oder über erfolgreiche Absolventen einer Psychotherapie findet quasi nicht statt. Mit der hier vorgelegten losen Reihe von Interviews mit Menschen, die sich mit psychischen Problemen erfolgreich haben behandeln lassen, möchte therapie.de zögernde Betroffene ermutigen, diesen Schritt mit entscheidender Wirkung ebenfalls zu gehen.   Direkt zu den Interviews.

Für viele ist der Nutzen einer Psychotherapie groß – auch nach langem Zögern noch

Eine nicht repräsentative Online-Umfrage der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2011 mit knapp 4000 Teilnehmern hat untersucht, wie viele Menschen mit seelischen Problemen eine Psychotherapie beginnen – und welche Erfahrungen sie mit der Therapie gemacht haben. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Vielen hat die Therapie gut oder sehr gut geholfen. Ihr seelisches Leiden hat erheblich abgenommen und ihre Schwierigkeiten im Alltag sind geringer geworden.

Trotz häufig mehrjährigen Zögerns suchten drei Viertel der Befragten irgendwann professionelle Hilfe für ihre Probleme. Die Varianz war groß: Ein knappes Drittel entschied sich innerhalb des ersten Jahres für eine Psychotherapie, ein Fünftel wartete damit länger als 10 Jahre. Als Gründe für das lange Abwarten wurde häufig genannt, dass die Probleme nicht schwer genug gewesen seien oder dass man alleine mit ihnen fertig werden wollte. Die große Mehrheit berichtete, eine ambulante Psychotherapie gemacht zu haben.

Zu Beginn der Therapie hatten etwas mehr als drei Viertel der Befragten „große“ oder „sehr große“ seelische Probleme. Nach Abschluss der Therapie gaben dagegen 57 Prozent an, dass ihre seelischen Belastungen jetzt „gering“ bis „sehr gering“ seien. 29 Prozent berichteten noch über „mäßige“ seelische Belastungen.

Die Psychotherapie trug dazu bei, die bisherigen Probleme zu lindern und das positive Erleben zu erhöhen. So berichteten gut zwei Drittel der Umfrageteilnehmer am Ende der Therapie über mehr Lebensfreude, 63 Prozent über ein besseres Selbstwertgefühl und 61 Prozent über einen besseren Umgang mit alltäglichem Stress. Viele gaben außerdem an, dass die Einschränkungen im Alltag, im Beruf, in der Familie und in der Freizeit durch die Therapie deutlich abgenommen hätten.

Erfahrungsberichte

Entscheidend für den Therapieerfolg: ein gutes Verhältnis zum Therapeuten und aktive Mitarbeit

Für viele Betroffene ist eine ambulante Psychotherapie eine sinnvolle und hilfreiche Lösung. Um die Erfolgschancen einer solchen Behandlung zu erhöhen, ist es wichtig,

  • sich seinen Therapeuten oder seine Therapeutin gut auszusuchen.
  • sich vor Beginn der Therapie über verschiedene Behandlungseinrichtungen und die Angebote verschiedener Therapeuten zu informieren.
  • sich am Anfang der Therapie beim Therapeuten zu erkundigen, wie viel Erfahrungen er mit dem konkreten Problem hat, wie er vorgehen und ob er bestimmte Methoden verwenden wird.
  • sich durch motivierte und aktive Mitarbeit einzubringen: Eine Reihe von Studien hat gezeigt, dass dies wichtige Faktoren für den Psychotherapie-Erfolg sind.

Vor allem aber sollte man auf sein „Bauchgefühl“ hören: Findet man den Therapeuten oder die Therapeutin sympathisch? Fühlt man sich bei ihm oder ihr wohl? Wenn ja, stehen die Chancen für eine gute Zusammenarbeit und eine erfolgreiche Behandlung gut. Denn eine gute Beziehung zwischen Patient und Therapeut ist wichtig, um in der Therapie Veränderungen erreichen zu können. Die meisten Befragten waren mit dem Verhalten ihres Behandlers „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“ und berichteten, dass er sich unterstützend und beruhigend verhalten habe, offen für Fragen und Kritik und gründlich bei der Problemlösung gewesen sei.

Was wird eigentlich in der Therapie gemacht?

Die Befragten berichteten von folgenden Inhalten und Schwerpunkten ihrer Psychotherapie:

  • „Zuhören und Reden“ (98 Prozent)
  • Hausaufgaben zwischen den Sitzungen (41 Prozent).
  • Einnahme von Medikamenten (33Prozent)
  • Entspannungstechniken (31 Prozent)
  • Verhaltenstraining (29 Prozent)
  • Seltener genannt wurden Maßnahmen wie Atemübungen, Rollenspiele oder Hypnose

Gibt es „Nebenwirkungen“?

Zu einer Therapie gehören neben Erfolgen und positiven Veränderungen auch sehr häufig, i.d.R. vorübergehende, unerwünschte Effekte. So berichtete ein Teil der Befragten auch von solchen „Nebenwirkungen“: 46 Prozent gaben an, dass die Beschäftigung mit unangenehmen Themen zeitweise zu mehr Belastungen geführt habe. 39 Prozent berichteten, dass in der Therapie neue Probleme aufgetreten seien, und 25 Prozent hatten während der Therapie Angst in schwierigen Situationen erlebt.

Dennoch führten die meisten die Therapie erfolgreich zu Ende: 80 Prozent der Befragten blieben bis zum Abschluss in der Therapie, nur 20 Prozent brachen die Behandlung vorzeitig ab. Dabei gaben 45 Prozent der Abbrecher an, dass Ihnen die Therapie keine Besserung gebracht habe.


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