Forschungsgutachten zur Psychotherapie-Ausbildung

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

13.10.2011Von Dr. Christine Amrhein

Die wichtigsten Ergebnisse des Forschungsgutachtens 2009 des Gesundheitsministeriums

Das Gutachten des BMG gibt zum ersten Mal darüber Aufschluss, wie die Ausbildung für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten von den Beteiligten bewertet wird – und verrät auch, wo Möglichkeiten zur Verbesserung bestehen

Wenn jemand sich zu einer Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten – oder zum Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten – entschließt, hat er oder sie sich das meist gut überlegt. Die Ausbildung lässt sich nicht einfach „so nebenbei“ machen – im Gegenteil, sie ist mit großem zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden. Dennoch streben nach wie vor viele Studienabgänger in Psychologie, Pädagogik und verwandten Fächern eine solche Ausbildung an. So geben etwa 60 Prozent der Psychologiestudenten an, durch ihr Studium anderen Menschen helfen zu wollen, 40 bis 50 Prozent arbeiten später tatsächlich im klinisch-psychologischen Bereich. Viele von ihnen entscheiden sich für eine Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten – häufig mit der Erwartung, dadurch ihre Berufschancen zu verbessern und einen Beruf mit relativ gesichertem Einkommen auszuüben.

Seit Anfang 1999 ist die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten und zum Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten durch das Psychotherapeutengesetz bundesweit einheitlich geregelt. Nun hat sich ein Forschungsgutachten des Bundesministeriums für Gesundheit zum ersten Mal damit beschäftigt, wie die aktuelle Ausbildungssituation von den verschiedenen Beteiligten – wie Ausbildungsteilnehmern oder Lehrkräften – bewertet wird. Ziel dabei war auch, Schwachstellen und Kritikpunkte der momentanen Ausbildung aufzudecken und daraus Verbesserungsmöglichkeiten für die Zukunft abzuleiten.

Methoden des Forschungsgutachtens

Für das Gutachten wurden die Erfahrungen der Ausbildungsstätten, der Ausbildungsteilnehmer und der Lehrenden mithilfe von Fragebögen erfasst. Darin sollten die Befragten die Rahmenbedingung der Ausbildung wie Zeitdauer und Kosten, vor allem aber die Qualität der einzelnen Ausbildungsbausteine beurteilen. Diese umfassen die Theorieausbildung, die praktische Tätigkeit, die praktische Ausbildung, die Selbsterfahrung und die staatliche Abschlussprüfung. Mit „praktischer Tätigkeit“ sind dabei die vorgeschriebenen 1200 Stunden in einer psychiatrischen Einrichtung sowie die 600 Stunden in einer psychosomatischen oder psychotherapeutischen Einrichtung gemeint, „praktische Ausbildung“ bezeichnet dagegen die Durchführung eigener Therapiestunden unter Supervision.

An der Untersuchung nahmen insgesamt 290 Institutsleiter, 3223 derzeitige und 666 ehemalige Ausbildungsteilnehmer und 480 Studierende als mögliche zukünftige Ausbildungsteilnehmer teil. Weiterhin wurden 2196 Lehrkräfte befragt, die am Theorieunterricht, an der Supervision, an der Selbsterfahrung oder an der Prüfung beteiligt waren. Darüber hinaus wurden an 89 Lehrpraxen und 183 Kliniken Befragungen durchgeführt. Schließlich wurden auch 125 Experten von Psychotherapeutenkammern, Ärztekammern und psychotherapeutischen Fachverbänden zu ihren Erfahrungen mit dem Psychotherapeutengesetz befragt. Die Untersuchung fand von Juni bis Oktober 2008 statt.