Diagnose Demenz

Häufig ein Schock für Betroffene und Angehörige

31.08.2016Von Dr. Cristine Amrhein

Für viele ältere Menschen und ihre Angehörigen ist es ein Schock: Die Diagnose einer Demenz zu erfahren. Denn sie verändert das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen massiv. Eine Demenz schreitet meist schleichend voran und nimmt den Betroffenen nach und nach ihre Erinnerungen - und im späten Stadium auch ihre Selbständigkeit und ihre Persönlichkeit.

Es ist wichtig, eine Demenz möglichst frühzeitig zu erkennen. Dann besteht die Möglichkeit, noch etwas zu tun, um die Erkrankung aufzuhalten. Gleichzeitig können sich die Betroffenen so über ihre Erkrankung informieren, die Symptome richtig einordnen, noch bewusst Entscheidungen treffen und Angelegenheiten in ihrem Leben regeln. Wichtig ist, trotz der Diagnose "Demenz" so lange wie möglich aktiv zu bleiben: Man sollte Dinge tun, die einem Freude bereiten und bewusst soziale Kontakte pflegen - denn das trägt dazu bei, die geistige Leistungsfähigkeit aufrecht zu erhalten.

Für die Familienmitglieder ist es günstig, sich umfassend über die Erkrankung, einen geeigneten Umgang mit dem Betroffenen und die verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten zu informieren, um den Demenzkranken so gut wie möglich begleiten und unterstützen zu können.

Was versteht man unter einer Demenz?

Eine Demenz ist die Folge einer Erkrankung des Gehirns. Sie führt vor allem zu Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, aber auch vieler anderer geistiger (kognitiver) Fähigkeiten wie Denken, Orientierungsvermögen, Sprachfähigkeiten, Lernfähigkeit oder Urteilsvermögen. Das Bewusstsein ist dabei jedoch nicht beeinträchtigt. Gleichzeitig treten Störungen im Bereich der Gefühle, der Motivation und der sozialen Fähigkeiten auf. So kann es sein, dass die Betroffenen aggressiv reagieren, teilnahmslos sind, zwischen Euphorie und Niedergeschlagenheit wechseln oder sehr unruhig und angespannt sind. Die Symptome schreiten mit der Zeit immer weiter fort. Nach der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) müssen sie mindestens sechs Monate lang bestanden haben, um die Diagnose einer Demenz zu stellen.

Es gibt verschiedene Formen der Demenz, die sich in ihren Symptomen und ihrem Verlauf unterscheiden können. Nur in einigen Fällen liegt den Symptomen eine körperliche Ursache zugrunde, die behandelt werden kann, so dass dann auch die Demenz wieder zurückgeht.

Wie häufig und in welchem Alter kommen Demenzen vor?

Demenzen gehören zu den häufigsten Erkrankungen im höheren Lebensalter. Zur Zeit sind in Deutschland etwa sechs Prozent der Bevölkerung über 65 Jahren von einer Demenz betroffen. Dabei steigt das Risiko, dement zu werden, mit zunehmendem Alter immer mehr an. So sind bei den 65- bis 69-Jährigen etwa 1 Prozent von einer Demenz betroffen, bei den 70- bis 74-Jährigen etwa 3 Prozent und bei den 75- bis 79-Jährigen 6 Prozent. Bei den 80- bis 84-Jährigen leiden bereits 13 Prozent, bei den 85- bis 89-Jährigen 24 Prozent und bei den über 90-Jährigen 35 Prozent an einer Demenz.

Wie verläuft die Erkrankung?

Bei den meisten Demenzformen schreiten die Beeinträchtigungen mit der Zeit langsam, aber stetig fort. Zu Beginn treten meist Störungen der Merkfähigkeit und des Kurzzeitgedächtnisses auf. Oft sind nimmt auch die Müdigkeit deutlich zu. Mit der Zeit lässt das Langzeitgedächtnis immer mehr nach, so dass die Betroffenen Erinnerungen an ihr Leben, aber auch frühere Kenntnisse und Fähigkeiten verlieren. Dazu kommen im Lauf der Zeit Beeinträchtigungen in vielen anderen kognitiven Bereichen, wie Wortfindungs- oder Orientierungsstörungen. Außerdem haben die Betroffenen Schwierigkeiten, alltägliche Handlungen (wie kochen, sich anziehen) zu verrichten.

Zudem verändert sich auch die Persönlichkeit. Im fortgeschrittenen Stadium erkennen die Betroffenen selbst ihre Angehörigen nicht mehr. Oft ist in einem späten Stadium der Demenz auch der Tag-Nacht-Rhythmus gestört, so dass die Patienten oft nachts wach und aktiv sind.

Mit der Zeit lassen auch die körperlichen Fähigkeiten immer mehr nach, und es kommt zu neurologischen Störungen wie Gangstörungen, Inkontinenz und Schluckstörungen. Im Endstadium der Demenz sind die Patienten bettlägerig und auf ständige Pflege angewiesen.

Patienten mit einer Alzheimer-Demenz sterben im Durchschnitt zehn Jahre, nachdem die Diagnose gestellt wurde. Die Lebensdauer mit einer Demenz kann jedoch individuell sehr unterschiedlich sein.