Erfahrungsberichte 'Therapie hat mir geholfen' (Seite 3/11)

„Ich akzeptiere mich mehr“

Erfahrungsbericht von Britta, 46 Jahre, aus der Region Frankfurt am Main, Art der Therapie: Verhaltenstherapie

therapie.de: Was waren die Gründe dafür, eine Therapie zu beginnen? Wie haben Sie den Weg in die Therapie gefunden?

Der Grund für meine Therapie war ein Burnout. Bei meinen Job als Schreibkraft in einer Anwaltskanzlei ist eine Kollegin in Rente gegangen. Dadurch ist viel mehr Arbeit an mir hängen geblieben. Zudem habe ich monatelang unter starkem Mobbing gelitten. Ich habe Migräne bekommen, war sehr reizbar und habe unter Schlafstörungen gelitten. Irgendwann ging es einfach nicht mehr – und nach achtzehn Jahren habe ich meinen Job verloren.

Zum Hintergrund möchte ich sagen, dass ich bei meinen Großeltern aufgewachsen bin, von denen ich in der Kindheit sehr verwöhnt wurde. Dadurch war ich anders als andere Kinder – ich habe zum Beispiel nicht gelernt, mich mit anderen auseinanderzusetzen. Stattdessen habe ich bei Konflikten immer geschwiegen, nie Kritik geübt oder meine Meinung gesagt, wenn mich etwas stört. Außerdem war ich sehr empfindlich gegenüber Kritik. 

Ich wurde zunächst zwei Wochen in einer psychiatrischen und zehn Wochen in einer psychosomatischen Klinik behandelt. Anschließend habe ich mir mithilfe einer Therapeutenliste selbst eine ambulante Therapie gesucht. Ich hatte mit drei Therapeuten Kontakt und habe mich dann für meine jetzige Therapeutin entschieden.

therapie.de: Welche Art von Therapie haben Sie gemacht? Wie lange hat die Therapie gedauert und wie oft fanden die Termine statt?

Mit der ambulanten Therapie – einer Verhaltenstherapie – habe ich im Dezember 2012 begonnen. Die Termine fanden anfangs einmal pro Woche statt, später hatte ich alle zwei, drei Wochen einen Termin. Gerade wurde die Therapie in Absprache mit der Therapeutin noch einmal verlängert. 

therapie.de: Wie sah der Ablauf der Therapie aus? Was wurde dort gemacht?

Ein Schwerpunkt in der Therapie war das Stressmanagement. Hier ging es zum Beispiel darum, dass ich Dinge langsamer angehe und manches an meinem Verhalten ändere, um so weniger Stress zu erleben. Außerdem haben wir geübt, wie ich Konflikte besser lösen kann – zum Beispiel, indem ich Probleme tatsächlich anspreche, aber auf eine angemessene Art.

Außerdem haben wir Übungen gemacht, die mir geholfen haben, vieles gelassener zu sehen. Das waren zum Beispiel Achtsamkeitsübungen. Dabei habe ich gelernt, mich ganz auf eine Sache zu konzentrieren, und nicht gleichzeitig an hundert andere Dinge zu denken, die ich auch noch tun sollte.

therapie.de: Auf welche Art hat die Therapie Ihnen geholfen? Was haben Sie als besonders hilfreich erlebt?

Durch die Therapie habe ich vor allem gelernt, Frustrationen besser auszuhalten und zu akzeptieren, dass nicht immer alles optimal sein kann. Mir ist klar geworden, dass andere Leute ganz ähnliche Probleme haben, zum Beispiel im Job oder in ihrer Beziehung. Früher habe ich mich eher als Opfer gesehen, mich selbst bemitleidet oder gejammert – jetzt sehe ich Schwierigkeiten eher als Tatsachen, die ich akzeptieren und mit denen ich eben so gut wie möglich umgehen muss.

Zum Beispiel sind die Migräne und die Schlafstörungen immer noch da – aber ich kann gelassener damit umgehen. Das ist eben ein Teil meines Lebens, und ich habe gelernt, so gut wie möglich damit zurecht zu kommen.

Gleichzeitig hat mir die Therapie geholfen, mehr auf meine Gefühle zu achten – zum  Beispiel zu beobachten, was Kritik mit mir macht. Dadurch kann ich auch besser auf solche Situationen reagieren.

Insgesamt ist es mir gelungen, mich selbst viel mehr zu akzeptieren. Früher habe ich zum Beispiel oft gedacht: „Ich kann nichts. Ich bin dumm.“ Inzwischen habe ich gelernt, dass auch ich als Person etwas zähle und wert bin. Dadurch fühle ich mich viel selbständiger.

Mir ist klar geworden, dass mich nicht jeder mögen muss – und ich es auch nicht jedem Recht machen muss. Deshalb schaffe ich es immer öfter, zu sagen, wenn mir etwas nicht passt, oder auch mal „nein“ zu sagen. Mir ist jetzt klar, dass es immer mal wieder Konflikte mit anderen geben wird. Aber das sehe ich nicht mehr so sehr als Bedrohung, sondern als normalen Teil des Lebens.

therapie.de: Wie war Ihr Verhältnis zur Therapeutin? Was war charakteristisch am Verhalten der Therapeutin?

Meine Therapeutin ist schon ein bisschen älter und hat sehr viel Erfahrung. Und das Tolle an ihr ist, dass sie so menschlich ist. Die Chemie zwischen uns hat von Anfang an gestimmt. Sie kann die Dinge gut auf den Punkt bringen – und hakt durchaus auch mal nach, wenn es darauf ankommt. Sie stellt Anforderungen und fordert mich zu konkreten Aktivitäten auf – gleichzeitig ist sie aber immer aufmunternd und macht mir Mut.

therapie.de: Was war bei Ihnen selbst (bei Ihren Einstellungen, Ihrem Verhalten) wichtig für die Therapie?

Ganz wichtig war und ist es für mich, selbst an den Dingen zu arbeiten. Ich habe gemerkt, dass es nichts bringt, in die Therapiestunde zu kommen und zu denken:  „Die Therapeutin wird die Probleme jetzt ‚wegzaubern‘“. Nur, wenn ich selbst daran arbeite und die Bereitschaft habe, etwas zu verändern, wird sich auch etwas ändern. Das heißt für mich auch, bestimmte Übungen oder Strategien immer wieder anzuwenden, damit ich die Veränderungen auf Dauer beibehalten kann.

therapie.de: Gab es auch mal schwierige Situationen während der Therapie?

Schwierigkeiten mit der Therapeutin gab es bisher nie. Allerdings gab es während der Therapie schon auch Phasen, in denen es mir ziemlich schlecht ging. Zum Beispiel haben wir immer wieder Dinge aus der Vergangenheit aufgearbeitet – das hat schon an mir gezehrt. Aber die Therapeutin hat mir erklärt, dass es in der Therapie eben auch mal schlechtere Phasen geben kann – so war ich zumindest darauf vorbereitet.

therapie.de: Was hat sich inzwischen alles verbessert? Was möchten Sie noch weiter verbessern?

Früher hatte ich vor vielen Dingen Angst – und habe deshalb vieles nicht gemacht. Ich hatte zum Beispiel immer Angst vor meinen Chefs und habe gedacht, ich würde meinen Job zu verlieren, wenn ich mal etwas Kritisches sage. Das ist inzwischen nicht mehr so.

Inzwischen habe ich auch eine neue Arbeitsstelle mit 30 Stunden pro Woche gefunden – das ist genau richtig für mich. Dort sage ich schon mal etwas, wenn zum Beispiel die Abläufe nicht so geschickt organisiert sind und ich zu bestimmten Zeiten alles auf einmal machen soll.

Mein großer Wunsch ist es, auch langfristig gesehen stabil zu sein. Ich möchte das Leben nicht mehr als Bedrohung sehen, sondern in der Lage sein, die Dinge selbst anzupacken und selbst nach Lösungen zu suchen. Dabei bin ich aber schon einen ganzen Schritt weiter gekommen.

therapie.de: Was tun Sie jetzt, damit es Ihnen weiterhin gut bzw. besser geht?

Wie schon erwähnt, gehe ich weiterhin zu meiner Therapeutin und arbeite auch zwischen den Stunden an den Dingen, die wir in der Therapie besprochen haben.

Außerdem gehe ich inzwischen zwei bis drei Mal pro Woche joggen – das hilft mir, den Kopf frei zu bekommen und vieles klarer zu sehen. Ich treffe mich regelmäßig mit Freunden, was mir gut tut – aber im Gegensatz zu früher kann ich inzwischen auch gut allein sein und mich mir selbst beschäftigen. Dann höre ich zum Beispiel Musik oder mache irgendetwas Aktives. Im Gegensatz lasse ich mich nicht mehr von meinen Gefühlen überrollen – sondern nehme sie einfach an und akzeptiere sie wie sie sind.

Interview: Dr. Christine Amrhein