Alles Wissenswerte zu Psychotherapie (Seite 12/15)

Beratung und Psychotherapie

Abgrenzung psychologische Beratung und Psychotherapie

Bei Beratung handelt es sich in der Regel um ein persönliches Gespräch mit dem Ziel, Klienten bei der Lösung eines bestimmten Problems professionell zu unterstützen. Inzwischen finden auch Beratungsgespräche am Telefon oder online statt ebenso per E-Mail.

Psychologische und psychosoziale Berater unterstützen Menschen, wenn sie aktuelle Probleme lösen müssen, unter einer akuten Krise leiden oder bestimmte Fähigkeiten erlernen wollen, um insgesamt besser durchs Leben zu kommen.

Es gibt Berater und Beratungsstellen, die sich auf bestimmte Arbeitsfelder spezialisiert haben, zum Beispiel auf Paar- und Erziehungsberatung oder Drogen- und Suchtberatung. Die Bandbreite der Beratungsangebote ist sehr weit und kann beinahe jeden Lebensbereich abdecken: Mit Lebensberatung, Coaching, verschiedenen Therapien wie Soziotherapie, bei der psychisch Kranke dabei unterstützt werden, sich selbst wieder besser in das Leben einzugliedern, Seelsorge oder psychologischer Beratung unterstützen Berater ihre Klienten, Antworten auf persönliche Lebensfragen zu finden oder Fertigkeiten zu entwickeln, besser am Leben teilnehmen zu können. Eine Abgrenzung zur Psychotherapie ist dabei nicht immer eindeutig möglich, weder hinsichtlich der Themen, die bearbeitet werden, noch der Methoden, die der Berater einsetzt.

Im Unterschied zu einer Psychotherapie dürfen bei Beratungsangeboten jedoch keine psychischen Störungen mit Krankheitswert behandelt werden, es dürfen nicht einmal Diagnosen gestellt werden. Psychische Störungen werden nur unterstützend begleitet, beispielsweise in Form von Soziotherapie. Berater arbeiten also grundsätzlich nicht psychotherapeutisch beziehungsweise dürfen es auch nicht.

Deshalb werden die Kosten für eine Beratung weder von den gesetzlichen noch von den privaten Krankenkassen übernommen. Je nachdem in welchem Lebensbereich man sich beraten lässt, kann man die Kosten dafür aber unter Umständen steuerlich geltend machen. Behörden, zum Beispiel die Arbeitsagentur, verordnen manchmal auch psychosoziale Beratung. In diesen Fällen übernimmt die Behörde die Beratungskosten.

Was ist psychologische Beratung?

Wenn ein Klient einen besseren Umgang mit meist konkreten Konflikten oder Lebensthemen erlernen möchte, kann ihm eine psychologische Beratung dabei helfen, um beispielsweise zu lernen, sich besser abgrenzen oder behaupten zu können.
So kann ein Klient etwa lernen, nicht mehr so schnell einem Vorschlag zuzustimmen, wenn er das gar nicht möchte, indem ihm vom Berater Techniken vermittelt werden, eine Verzögerung zwischen Reiz (Anfrage) und Reaktion (Zusage) herzustellen. Der Berater benutzt dafür Coaching-Methoden oder auch Interventionstechniken aus therapeutischen Schulen wie Verhaltenstherapie oder Systemischer Therapie, auch wenn der Klient nicht psychotherapeutisch behandelt wird.

Was ist psychosoziale Beratung?

Man unterscheidet psychologische und psychosoziale Berater, wobei die Grenzen zwischen diesen beiden Berufsfeldern sehr fließend sein können.
Psychosoziale Beratung ist gegenüber der Psychotherapie leichter abgrenzbar als es die Psychologische Beratung ist. Von psychosozialer Beratung spricht man meist, wenn es darum geht, einen Klienten in für ihn herausfordernden Lebenssituationen so zu unterstützen, dass er kompetenter damit umgehen kann. So leisten psychosoziale Berater beispielsweise Klienten bei psychischen Krankheiten oder belastenden Diagnosen wie Krebs fachkundige Unterstützung. Psychosoziale Berater arbeiten in privaten Praxen, aber auch in den unterschiedlichsten Institutionen, zum Beispiel im Jugendamt, im Strafvollzug oder auch in Kliniken.

Welche Qualifikation haben Berater?

In Deutschland gibt es sehr viele unterschiedliche Beratungsangebote. Die psychologische und psychosoziale Beratung bedient sich vieler verschiedener psychologischer Methoden. In beiden Fällen ist der Ausbildungsweg gesetzlich nicht geregelt. Es existiert eine große Bandbreite an Anbietern, wobei die Qualität der Ausbildung sehr unterschiedlich ist. Außerdem gibt es auch staatlich zertifizierte Lehrgänge als Psychologischer Berater oder Personal Coach, die der Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung (AZWV) entsprechen.

Etliche Berater haben ein Universitätsstudium der Psychologie, Sozialarbeit oder auch Theologie abgeschlossen.

Einen Hinweis auf die fachliche Qualifikation des Beraters können die Berufsbezeichnungen „Diplom-Psychologe“, „Dipl.-Psych.“, „Psychologe M.Sc.“ (Master of Science) geben. Denn diese Bezeichnungen sind gesetzlich geschützt und dürfen nur verwendet werden, wenn jemand ein Studium in Psychologie abgeschlossen hat.

Häufig sind auch Diplom-Pädagogen, Diplom-Sozialpädagogen oder Diplom-Sozialarbeiter auf dem Gebiet der psychologischen Beratung tätig. Diese haben ein sozialwissenschaftliches Studium abgeschlossen, bei dem psychologische Fachkenntnisse jedoch weniger umfassend vermittelt wurden.

Seit einiger Zeit gibt es auch die Abschlüsse „Master in Psychosoziale Beratung und Therapie in der Sozialen Arbeit“. Dieses Masterstudium kann man in Deutschland an fünf Universitäten absolvieren, Voraussetzung ist ein Bachelorabschluss in Sozialpädagogik, Pflegewissenschaft, Psychologie oder in einem ähnlichen sozialwissenschaftlichen Studiengang. Es ist auch möglich, dieses Studium, als Fernstudium oder in einer Kombination aus Fern-und Präsenzstudium nebenberuflich absolvieren.

Mitgliedschaft in Berufsverband als Orientierungshilfe

Eine Mitgliedschaft in einem Berufsverband kann Aufschluss darüber geben, dass der Berater sich einem bestimmten Berufsethos verpflichtet und regelmäßig an Weiterbildungen teilnimmt. Zertifikate, die von solchen Berufsverbänden vergeben werden, geben einen Hinweis darauf, dass bei einer Aus- beziehungsweise Weiterbildung bestimmte Qualitätsstandards, zum Beispiel Inhalte und Dauer der Ausbildung, Teilnahmevoraussetzungen oder Abschlussmodalitäten erfüllt wurden. Diese können jedoch je nach Verband oder Ausbildungsinstitut variieren.