Tipps erfolgreiche Therapeutensuche (Seite 5/7)

Anlaufstellen für die Suche eines Therapieplatzes

Um den Betroffenen schneller zu helfen, wurde 2017 die Psychotherapie-Richtlinie reformiert. Dadurch stieg die Zahl der Menschen mit Kontakt zu Psychotherapeut*innen allein von 2016 bis 2018 um 12 Prozent.

Häufig fühlen sich Menschen, die eine Therapie beginnen möchten, jedoch ratlos, weil sie nicht wissen, wie und wo sie professionelle Hilfe finden können. So antworteten beispielsweise 25,8 Prozent der Menschen, die im Rahmen der Studie des Barmer Arztreports 2020 befragt wurden, dass sie nicht wüssten, wie sie einen Therapieplatz suchen könnten.

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie eine Psychotherapie beginnen sollten oder wenn Ihnen das Ihr Arzt oder Ihre Ärztin rät, dann warten Sie nicht zu lange und werden Sie selbst aktiv.

Falls Sie gesetzlich versichert sind, beachten Sie bitte vorab, dass Sie zunächst immer eine Diagnose über das Vorliegen einer psychischen Störung mit Krankheitswert benötigen, um mit einer kassenfinanzierten Psychotherapie beginnen zu können. Eine solche Diagnose bekommen Sie im Rahmen der sogenannten psychotherapeutischen Sprechstunde. Diese psychotherapeutische Sprechstunde müssen alle approbierten psychologischen Psychotherapeut*innen mit einem Kassensitz anbieten.

Tipp: Für diesen allerersten Schritt können gesetzlich Versicherte sehr pragmatisch vorgehen und den nächsten freien Termin für die psychotherapeutische Sprechstunde bei einem oder einer beliebigen Psychotherapeut*in annehmen.

Es ist viel eher die Ausnahme als die Regel, dass man bei der Therapeutin, bei dem Therapeuten, welche*r die Diagnose gestellt hat, auch die Psychotherapie selbst durchführen kann.

Sobald bei Ihnen tatsächlich eine psychische Störung mit Krankheitswert diagnostiziert und somit ein Behandlungsbedarf festgestellt worden ist, können Sie mit der eigentlichen Psychotherapieplatz-Suche beginnen.

Privat Krankenversicherte und Selbstzahler*innen müssen sich nicht an dieses Prozedere halten.

In allen Phasen der Therapieplatz-Suche können Sie sich an folgende Anlaufstellen wenden

Suche über das Psychotherapeuten-Suchportal www.therapie.de

Das Portal bietet eine Psychotherapeutensuche nach Postleitzahl und Ortsname an. Mit der Hilfe von Suchfiltern  können Sie erste und wenig spezifische Suchergebnisse immer weiter verfeinern. Beispiele für solche Kriterien sind, auf welche Erkrankungen die Therapeutin oder der Therapeut spezialisiert ist, welche Ausbildung sie oder er gemacht hat, welche Therapieverfahren sie oder er anwendet.

Unter dem Filterbereich „Abrechnung“ können Sie auch gezielt nach Therapeut*innen suchen, die Therapie für gesetzlich Versicherte, privat Versicherte oder Selbstzahler anbieten.

Als gesetzlich Versicherter wählen Sie hier zunächst am besten den Filter "GKV: Kassenzulassung" aus. Wenn Sie nicht fündig werden sollten, können Sie noch die approbierten Therapeut*innen, die per Kostenerstattung mit den GKven abrechnen können,  hinzunehmen, indem Sie den Abrechnungs-Filter umstellen auf "GKV: Kostenerstattung".

Die so gefundenen Psychotherapeut*innen können Sie telefonisch oder per E-Mail kontaktieren.

Anruf in einer psychotherapeutischen Praxis

Sie können grundsätzlich direkt mit einer Psychotherapeutin, einem Psychotherapeuten, die oder den man Ihnen empfohlen hat oder deren oder dessen Webseite Sie im Internet angesprochen hat, Kontakt aufnehmen.

Wenn Sie gesetzlich krankenversichert sind und eine Diagnose benötigen, fragen Sie nach der psychotherapeutischen Sprechstunde.

Falls bei Ihnen bereits eine Diagnose gestellt worden ist, können Sie, wenn sie oder er über einen freien Platz verfügt, zunächst einen Termin für die probatorischen Sitzungen vereinbaren.

Privat Krankenversicherte erkundigen sich am besten, ob der Therapeut oder die Therapeutin auch mit Ihrer Versicherung abrechnet.

Als Selbstzahler sollten Sie vorher die Höhe des Honorars vereinbaren.

Falls Sie am Telefon niemand erreichen, hinterlassen Sie am besten eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter, die meisten Therapeut*innen rufen zurück.

Lassen Sie sich nötigenfalls auf eine Warteliste setzen, und am besten bei mehreren Therapeut*innen gleichzeitig, damit Sie schneller einen Platz bekommen.

Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV)

Wenn Sie gesetzlich krankenversichert sind, können Sie seit 2017 die Terminservicestellen nutzen, um zeitnah einen Termin bei einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten wahrnehmen zu können. Rufen Sie bei einer Terminservicestelle an oder nehmen Sie über das Internet unter dem Suchwort „Termin-Servicestelle Psychotherapie plus Ihr Bundesland oder der Ort“, in dem Sie leben, Kontakt auf.

Die Terminservicestellen müssen Ihnen innerhalb einer Woche nach Ihrer Anfrage einen Termin in einer psychotherapeutischen Praxis nennen, der innerhalb von 4 Wochen nach der Anfrage stattfinden muss. Die Praxis darf dabei bis zu 30 Minuten von ihrem Wohnort entfernt liegen. Falls Sie den angebotenen Termin nicht wahrnehmen können, muss Ihnen die Terminservicestelle einmalig einen weiteren Termin anbieten.  

Die Terminservicestellen sind seit Januar 2020 bundesweit unter der Telefonnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116117 erreichbar.

Die eigene Hausärztin, den eigenen Hausarzt fragen

Meist kennt sie oder er Psychotherapeut*innen in der näheren Umgebung und kann Ihnen eine Liste mit Adressen mitgeben oder Sie vielleicht sogar sofort an eine Therapeutin, einen Therapeuten vermitteln.

Fragen Sie bei einer psychosozialen Beratungsstelle an

Das sind zum Beispiel Familien-, Erziehungs-, Lebens- oder Suchtberatungsstellen, Beratungsstellen für Kinder und Jugendliche oder für chronisch kranke Menschen. Sie bieten zwar selbst keine Psychotherapie an, sie können Sie jedoch über die verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten informieren, Adressen mitgeben oder Sie an eine passende Einrichtung vermitteln.

Landespsychotherapeutenkammern, Ärztekammern oder die Kassenärztliche Vereinigungen der Bundesländer oder die Deutsche Psychotherapeuten-Vereinigung (DPtV)

Sie bieten auf ihren Webseiten eine Psychotherapeut*innensuche nach Postleitzahlen an. Auch hier gibt es teilweise die Möglichkeit, nach Abrechnungsarten (gesetzlich versichert, privat versichert oder Selbstzahler) zu suchen.

Bei den Landespsychotherapeutenkammern können Sie nach approbierten psychologischen Psychotherapeut*innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen, bei den Ärztekammern nach ärztlichen Psychotherapeut*innen suchen.
Auf dieser Webseite erreichen Sie die jeweilige Kammer, indem Sie auf das Bundesland klicken, in dem Sie leben: https://www.bptk.de/bptk/landeskammern/
Unter dem Navigationspunkt Psychotherapeuten-Suche finden Sie eine Liste mit
Psychotherapeut*innen in Ihrer näheren Umgebung.

Die Kassenärztlichen Vereinigungen listen ausschließlich Psychotherapeut*innen, die über eine Kassenzulassung verfügen. Sie finden dort also keine Psychotherapeut*innen, die eine Privatpraxis führen.
Klicken Sie unter dem Link: https://www.kbv.de/html/432.php auf das Bundesland, in dem Sie wohnen und geben Sie in die Suchfunktion Psychotherapie ein.
Wenn Sie zum Beispiel Bayern eingeben, bekommen Sie unter diesem Stichwort unterschiedliche Ergebnisse, darunter auch das der Koordinationsstelle Psychotherapie mit Telefonnummer und den Zeiten der Erreichbarkeit.

Erkundigen Sie sich bei Ihrer eigenen Krankenkasse

Sie verfügt meist über ein Verzeichnis der ärztlichen und psychologischen Psychotherapeut*innen, die mit Ihrer Kasse abrechnen dürfen. Viele Krankenkassen bieten auf ihren Webseiten auch Informationen über Psychotherapie und ermöglichen eine Ärzt*innen- oder Psychotherapeut*innensuche nach Postleitzahlen.

Anfrage bei Ausbildungsinstituten für Psychotherapie

Manche Ausbildungsinstitute für Psychotherapie bieten die Möglichkeit, eine Psychotherapie im Institut sowohl bei erfahrenen  als auch  bei Psychotherapeut*innen,die noch in Ausbildung sind-  zu machen. Die angehenden  Therapeut*innen haben ihre Psychotherapieausbildung zwar noch nicht abgeschlossen, sind aber schon in einem fortgeschrittenen Stadium ihrer Ausbildung und werden von erfahrenen Behandlern supervidiert, das bedeutet betreut und beraten. Dadurch haben auch diese Therapien eine hohe Qualität. Ein Vorteil ist, dass Sie auf diese Weise schneller einen Therapieplatz bekommen als bei anderen Psychotherapeut*innen. Listen mit Ausbildungsinstituten sind auf den Webseiten der Landespsychotherapeutenkammern zu finden.

Anfrage bei einer psychotherapeutischen Ambulanz

Eine Psychotherapie kann, wenn Sie gesetzlich versichert sind, auch in einer psychotherapeutischen Ambulanz an einer Hochschule oder in einem Krankenhaus durchgeführt werden.
In diesem Fall werden die Kosten, genau wie bei einem niedergelassenen Therapeuten, von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Viele Ambulanzen behandeln auch privat Versicherte und Selbstzahler oder können Ihnen Adressen von kooperierenden Ambulanzen nennen. Am besten fragen Sie direkt bei der jeweiligen Ambulanz nach.
Ambulanzen an Hochschulen sind meist einem Institut oder einer Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Psychosomatik und Psychotherapie oder Psychiatrie und Psychotherapie angeschlossen. Sie können direkt bei der Ambulanz anrufen und einen Termin vereinbaren.

Sozialpsychiatrische Zentren oder sozialpsychiatrische Dienste

Bei chronischen psychischen Erkrankungen fragen Sie am besten dort an. Sie sind bei den Gesundheitsämtern angesiedelt und beraten und unterstützen Menschen mit akuten oder chronischen psychischen Erkrankungen.
Die Mitarbeiter*innen arbeiten meist selbst nicht psychotherapeutisch, können aber sehr wohl feststellen, ob eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung vorliegt. Sie begleiten Menschen, die gerade in psychotherapeutischer Behandlung sind oder nach einem Klinikaufenthalt und unterstützen sie zum Beispiel bei der Tagesgestaltung oder bei Rehabilitationsmaßnahmen.
Sie finden die Links des jeweiligen Dienstes im Internet, indem Sie sozialpsychiatrischer Dienst und Ihren Wohnort, in größeren Städten Ihren Stadtteil eingeben.