Angehörige psychisch Kranker (Seite 5/11)

Konkrete Tipps für den Umgang mit psychisch Kranken in der Familie

Angehörige haben einen großen Einfluss auf die Handhabung der Krankheit

Die Berücksichtigung folgender Tipps kann dazu beitragen, den psychisch Erkrankten möglichst gut zu unterstützen, mit ihm und in der Familie entspannt zusammenzuleben und Stress und Auseinandersetzungen zu vermeiden:

  • Seien Sie einfühlsam und verständnisvoll. Es ist hilfreich, dem psychisch Erkrankten gut zuzuhören und ihm Zeit zu geben, seine Probleme und seine Sicht der Dinge zu erklären. Zeigen Sie Interesse an seiner Sichtweise und versuchen Sie, Verständnis für ihn und seine Probleme aufzubringen. Vermeiden Sie es dagegen, ihm gute Ratschläge zu geben.
  • Fördern Sie kleine Schritte in Richtung Gesundheit und Rückkehr zu einem normalen Leben. Ermutigen Sie den Betroffenen dazu, aber drängen oder überfordern Sie ihn nicht. Vermitteln Sie ihm Zuversicht und Hoffnung. Loben Sie ihn bei Fortschritten oder bei dem Versuch, etwas zu verändern - selbst wenn es nicht sofort gelingt - und freuen Sie sich gemeinsam daran.
  • Umsorgen Sie den Betroffenen nicht zu viel und lassen Sie ihm so viel Selbständigkeit wie möglich. Lassen Sie ihn zugleich wissen, dass Sie für ihn da sind, wenn er Unterstützung braucht.
  • Machen Sie sich bewusst, dass eine Besserung und Stabilisierung einer psychischen Erkrankung Zeit braucht, und dass es immer wieder zu Rückschlägen kommen kann. Haben Sie deshalb Geduld, auch mit sich selbst und setzen Sie sich und Ihren Angehörigen nicht zu stark unter Druck.
  • Sorgen Sie für gemeinsame positive Aktivitäten wie Freizeitaktivitäten und Ausflüge. Erwarten Sie aber von Ihrem psychisch erkrankten Angehörigen auch nicht zu viel – vor allem in und nach akuten Krankheitsphasen. Lassen Sie ihm Zeit und vermeiden Sie es, ihn zu überfordern oder zu stark zu stimulieren.
  • Fördern Sie einen regelmäßigen Lebensrhythmus mit regelmäßigem und ausreichendem Schlaf, regelmäßigen Mahlzeiten und einer ausgewogenen Ernährung, ausreichend Bewegung und geregelten Zeiten für Arbeit und Freizeit.
  • Treffen Sie zusammen mit dem Betroffenen Absprachen und finden Sie gemeinsam Regeln für das Zusammenleben in der Familie und für den Umgang mit der Erkrankung, zum Beispiel, was zu tun ist, wenn sich die Erkrankung wieder verschlechtert.
  • Wenn Sie von Ihrem psychisch kranken Familienmitglied etwas erreichen möchten, überlegen Sie vorher, wie Sie am besten vorgehen können. Sagen Sie ihm klar und sachlich, was Sie möchten und drücken Sie eigene Wünsche als Ich-Botschaft aus. Vermeiden Sie es, ärgerlich zu werden oder Druck auszuüben, denn das bewirkt oft das Gegenteil. Setzen Sie aber auch klare Grenzen. Sagen Sie dem Betroffenen klar und in ruhigem Ton, welches Verhalten nicht akzeptabel ist.
  • Denken Sie daran, dass auch jemand, der sehr krank ist, gesunde Anteile bewahrt hat. Fragen Sie sich, wie der gesunde Teil des Angehörigen reagieren würde und wie der kranke Teil. Helfen Sie dem Betroffenen, die gesunden Anteile zu stärken.
  • Machen Sie sich bewusst, dass es nicht notwendig ist, dass Sie oder der Erkrankte allein mit der Erkrankung klar kommen und alle Probleme allein lösen. Das ist oft gar nicht möglich und dafür gibt es professionelle Unterstützungsangebote. Motivieren Sie den Betroffenen deshalb, rechtzeitig professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
  • Informieren Sie sich gut über die Medikamente, die Ihr Angehöriger erhält, ihre Wirkungen und mögliche Nebenwirkungen. Nehmen Sie eine gut überlegte Haltung gegenüber Medikamenten ein. In vielen Fällen sind Medikamente notwendig und helfen, die Symptome deutlich zu verringern. In manchen Fällen ist auch eine Einnahme über einen längeren Zeitraum sinnvoll. Sie können Ihren Angehörigen bei der Einnahme der Medikamente unterstützen und ihn zum Beispiel an die Einnahme erinnern.

Wie können Angehörige damit umgehen, wenn erneut Symptome auftreten?

In einigen Fällen können sich die Symptome einer psychischen Erkrankung wieder verschlechtern oder es können erneut Symptome auftreten. Um einer Verschlechterung oder einem Rückfall in eine neue Krankheitsphase so gut wie möglich vorzubeugen, kann Folgendes hilfreich sein:

  • Erstellen Sie gemeinsam mit Ihrem psychisch erkrankten Angehörigen eine Liste mit Frühwarnzeichen der Erkrankung, auf die Sie gemeinsam achten können. So können Sie rechtzeitig erkennen, dass sich möglicherweise eine neue Krankheitsphase anbahnt.
  • Treffen Sie mit Ihrem Angehörigen klare Vereinbarungen, welche Konsequenzen bestimmte Krankheitsanzeichen oder Verhaltensweisen haben, also wie der Betroffene oder die Familie darauf reagieren sollen.
  • Unterstützen Sie Ihren Angehörigen, in einem solchen Fall einen Termin bei seinem Arzt oder Psychotherapeuten auszumachen oder vereinbaren Sie einen gemeinsamen Termin.

Wenn Ihr Angehöriger Sie nicht in die Behandlung einbeziehen möchte

Manchmal kann es sein, dass ein psychisch kranker Angehöriger nicht möchte, dass andere Familienmitglieder über seine Erkrankung oder seine Behandlungen Bescheid wissen oder nicht möchte, dass sie in die Behandlung einbezogen werden. Tatsächlich gilt bei volljährigen Patienten eine Schweigepflicht, so dass Ärzte und Psychotherapeuten anderen Menschen, auch nahestehenden Angehörigen, ohne ausdrückliche Zustimmung des Patienten keine Auskunft über dessen Befinden und Behandlung geben dürfen.

Möglicherweise ist es in manchen Fällen auch sinnvoll, dass ein Patient vorübergehend keinen oder wenig Kontakt zu seinen Angehörigen hat. Als Angehöriger können Sie in diesem Fall mit jemandem vom Behandlungsteam sprechen, der Ihnen erklären kann, warum der Betroffene gerade keinen Kontakt möchte.

Außerdem ist es nach wie vor möglich, mit dem behandelnden Psychotherapeuten oder Arzt des Angehörigen in Kontakt zu treten. Zum Beispiel können Sie Ihre eigenen Beobachtungen zur Erkrankung mitteilen und allgemeine Fragen stellen. Die Behandler dürfen Ihnen dann zwar keine persönlichen Informationen über den Patienten mitteilen, aber allgemeine Informationen über die Erkrankung, Möglichkeiten der Therapie und einen geeigneten Umgang mit der Erkrankung.