Angst und Angststörung

Wenn Angst das Leben bestimmt

12.05.2011 Von Dr. Christine Amrhein

Angsstörungen - Artikel

Wenn die Angst zur Qual wird

Kennen Sie das? Die Vorstellung, einen neuen Job anzutreten, löst Schwindel in Ihnen aus? Die Tatsache, dass Sie oder ein Familienangehöriger zum Arzt wegen einer wichtigen Untersuchung bestellt wird, lässt Sie schon Tage vorher nicht mehr ruhig schlafen? Sie sind ständig besorgt? Haben Sie oft Angst, dass Ihnen und den Menschen, die Ihnen am Herzen liegen, etwas Schlimmes passieren kann? Haben Sie im Job meist das Gefühl, dass etwas schief laufen könnte? Sind Sie besonders nervös, wenn Sie eine Reise antreten sollen?

Angst zu erleben, das ist ein wichtiger Schutzmechanismus. Doch, wenn die Angst so allumfassend ist, dass Sie sie nicht mehr in den Griff bekommen können, keine Lebensfreude mehr empfinden und im Grunde nicht mehr handlungsfähig sind, dann können Sie sich Hilfe holen. Denn dann leiden Sie wahrscheinlich unter einer generalisierten Angststörung. Diese Diagnose wird mit diesen beiden Kriterien erfüllt:

  1. Die Angst ist im Vergleich zur tatsächlichen Bedrohung unangemessen oder deutlich übertrieben.
  2. Der oder die Betroffene ist durch die Angst erheblich psychisch und körperlich belastet.

Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn:

  • die Angst sehr stark ausgeprägt ist, über lange Zeit anhält und mit ausgeprägten körperlichen Symptomen verbunden ist
  • und /oder zu starken Einschränkungen in verschiedenen Lebensbereichen führt.


Wenn dies auf Sie zutrifft, kann Ihnen ein Arzt oder Psychotherapeut helfen. Er wird Sie beraten, ob und wie Sie sich durch Selbsthilfemaßnahmen selbst helfen können oder ob eine Psychotherapie oder eine Kombination aus Psychotherapie und Medikamenten am besten ist.

Die folgenden wissenschaftlich geprüften Fragebögen können Ihnen eine erste Einschätzung geben, ob Sie an einer Angststörung leiden, bei der eine weitergehende Behandlung hilfreich wäre:

Eine gesicherte Diagnose kann jedoch immer nur ein Fachmann, also ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder ein Psychotherapeut stellen.

Wenn das Herz bis zum Hals schlägt

Die meisten Menschen haben das schon erlebt: Das Herz schlägt plötzlich bis zum Hals, die Stirn ist schweißnass und die Kehle fühlt sich an wie zugeschnürt. In vielen Situationen des täglichen Lebens ist sie plötzlich da, die Angst: Wenn man mit dem Auto auf einer spiegelglatten Straße fährt, wenn eine Prüfung kurz bevorsteht, wenn man beim Arzt auf das Ergebnis einer wichtigen Untersuchung wartet oder wenn man unerwartet seinen Job verliert und nicht weiß, wie es in Zukunft weitergehen soll.

In vielen Situationen ist es ganz normal und sinnvoll, Angst zu empfinden. Denn die Angst warnt uns vor einer realen Gefahr und der erhöhte Ausstoß von Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin bereitet uns in Sekundenschnelle auf die Kampf-oder-Flucht-Reaktion vor.

Physiologisch gesehen führt die Angst also zu einer Aktivierung verschiedener Körperfunktionen: Das Herz und der Atem gehen schneller, die Muskeln spannen sich an und die Sinnesorgane reagieren mit erhöhter Aufmerksamkeit. Diese Alarmreaktion des Körpers macht es möglich, sehr schnell auf eine Gefahr reagieren zu können.

Die körperlichen Symptome wie Herzrasen, Schwindelgefühle, Übelkeit oder Atemnot sind es auch, die von den Betroffenen zunächst stärker wahrgenommen werden als die Angst selbst.

Wenn der Angst keine reale Bedrohung gegenübersteht

Wenn Ängste auftreten, obwohl keine reale Gefahr besteht oder die Bedrohung längst nicht so groß ist, wie man annimmt, dann führen sie zu einer starken Einschränkung im Beruf und im Privatleben.

Wenn jemand sich ständig Sorgen macht, dass ihm selbst oder seinen Angehörigen etwas zustoßen könnte. Wenn jemand nicht mehr mit der U-Bahn fahren kann, Tunnel meidet oder in kein Flugzeug mehr einsteigt, dann schränkt das das eigene Leben sehr ein.

Jemand, der von ausgeprägten Ängsten betroffen ist, erkennt zwar meist selbst, dass die Angst unbegründet oder übertrieben ist, er kann sich jedoch nicht selbst daraus befreien.