Angst, Panik und Angststörungen

Wenn Angst das Leben bestimmt

29.07.2022 Von Dr. Christine Amrhein

Das Gefühl Angst

Oft ist es ganz normal und sinnvoll, Angst zu empfinden. Angst warnt uns vor einer realen Gefahr und der erhöhte Ausstoß von Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin bereitet uns in Sekundenschnelle auf die Kampf-oder-Flucht-Reaktion vor.

Die Krankheit Angststörung

Treten Ängste jedoch auf, obwohl keine reale Gefahr besteht oder die Bedrohung längst nicht so groß ist, wie angenommen, wenn Sie die Angst also nicht mehr in den Griff bekommen und kaum mehr handlungsfähig sind oder keine Lebensfreude mehr empfinden, dann schränken die Ängste Sie in Beruf und Privatleben übermäßig ein. Es könnte eine Angststörung bestehen.

In diesem Artikel finden Sie viele nützliche Informationen über Ängste, Panik und Angststörungen und wie Sie diese überwinden können.

Symptome der Angst

Das kennen Sie bestimmt: Das Herz schlägt plötzlich bis zum Hals, die Stirn ist schweißnass und die Kehle fühlt sich an wie zugeschnürt. In vielen Situationen des täglichen Lebens ist sie plötzlich da, die Angst: Wenn Sie mit dem Auto auf einer spiegelglatten Straße fahren, wenn eine Prüfung kurz bevorsteht, wenn Sie einen Vortrag halten sollen, wenn Sie eine Reise mit dem Flugzeug antreten sollen, wenn Sie beim Arzt auf das Ergebnis einer wichtigen Untersuchung warten oder wenn Sie unerwartet Ihren Job verlieren und nicht wissen, wie es weitergeht.

Physiologisch gesehen führt die Angst also zu einer Aktivierung verschiedener Körperfunktionen: Das Herz und der Atem gehen schneller, die Muskeln spannen sich an und die Sinnesorgane reagieren mit erhöhter Aufmerksamkeit. Diese Alarmreaktion des Körpers macht es möglich, sehr schnell auf eine Gefahr reagieren zu können.

Unbehandelte Ängste können sich zur Angststörung entwickeln

Die meisten Angsterkrankungen sind multifaktoriell bedingt. D.h. sie entwickeln sich durch ein Zusammenwirken verschiedener Ursachen über einen gewissen Zeitraum. In der Regel verschwinden ausgeprägte Ängste, die sich verfestigt haben, nicht einfach wieder von selbst. Ohne therapeutische Behandlung werden Ängste chronisch und bestehen oft über Jahre oder Jahrzehnte fort.

Manche Menschen sind genetisch so veranlagt, dass sie leichter als andere Menschen mit Angst auf bestimmte Situationen oder Reize reagieren. Wenn dann noch Belastungen wie Dauerstress hinzukommen, kann dies eine Angststörung auslösen. Auch sehr bedrückende Lebensereignisse wie der Tod eines Angehörigen oder ein plötzlicher Jobverlust sind häufig der Auslöser für eine Angststörung.

Kriterien Angststörung

Die Diagnose Angststörung wird mit diesen beiden Kriterien erfüllt:

  1. Die Angst ist im Vergleich zur tatsächlichen Bedrohung unangemessen oder deutlich übertrieben.
  2. Der oder die Betroffene ist durch die Angst erheblich psychisch und körperlich belastet.

Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn die Angst sehr stark ausgeprägt ist, über lange Zeit anhält und mit ausgeprägten körperlichen Symptomen verbunden ist und /oder zu starken Einschränkungen in verschiedenen Lebensbereichen führt.

Wenn dies auf Sie zutrifft, kann Ihnen ein Arzt oder Psychotherapeut helfen. Er wird Sie beraten, ob und wie Sie sich durch Selbsthilfemaßnahmen helfen können oder ob eine Psychotherapie oder eine Kombination aus Psychotherapie und Medikamenten am besten ist.

Formen Angst und Angststörung

Angststörungen sind die häufigsten psychischen Erkrankungen. Etwa fünf bis 15 Prozent der Menschen leiden mindestens einmal im Leben an einer Angststörung. Frauen sind meistens doppelt so häufig betroffen wie Männer. Diese Angststörungen sind am weitesten verbreitet:

Eine erste Einschätzung, ob Sie an einer Angststörung leiden und eine Behandlung hilfreich wäre geben Ihnen wissenschaftlich geprüfte Angst-Tests. Eine gesicherte Diagnose kann jedoch nur ein Psychotherapeut oder ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie stellen.

Angststörungen mit Psycho­thera­pie und Medikamenten gut behandelbar

Es ist generell wichtig, dass Sie sich nicht einfach mit Ihrer Angst und den draus resultierenden Einschränkungen abfinden.

Das können Sie zunächst selbst gegen Ängste tun

Wenn die Ängste problematisch werden, aber noch nicht zu stark sind, können Sie zunächst selbst Maßnahmen gegen Ihre Ängste durchführen.

  • Stellen Sie sich den Angst auslösenden Orte oder Situationen immer wieder bewusst.

  • Setzen Sie bei leichten, "normalen" Ängsten auf Entspannungsmethoden und Sport

  • Gehen Sie auf keinen Fall den Situationen, die Ihnen Angst machen, aus dem Weg.

  • Versuchen Sie auch nicht, die Angst durch Alkohol, Drogen wie Marihuana oder Beruhigungsmittel zu „therapieren“.

Psychotherapie

Professionelle Hilfe finden Sie zum Beispiel bei einem Psychotherapeuten oder einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Am günstigsten ist die Prognose für eine Psychotherapie, wenn die Angst noch nicht zu lange besteht.

Therapeutenliste Behandlungsschwerpunkt Ängste-Phobien

Diagnose

Um eine Angststörung diagnostizieren zu können, benötigt der Psychotherapeut genaue Informationen über die aktuellen Symptome, die Entstehung und den Verlauf der Ängste. Aus diesem Grund wird der Psychotherapeut mit dem Betroffenen zunächst ein ausführliches Gespräch führen. Dabei soll durch Fragen zur Lebensgeschichte oder zu früheren oder aktuellen Belastungen auch geklärt werden, ob die Angst überhaupt das hauptsächliche Problem ist. Darüber hinaus werden häufig Fragebögen eingesetzt, um genau herauszufinden, wie oft und in welchen Situationen die Ängste auftreten.

Therapiemethoden

Mithilfe sorgfältig überprüfter Therapieverfahren lassen sich Angststörungen in den meisten Fällen im Rahmen einer Psychotherapie gut in den Griff bekommen:

Auch die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe kann eine gute Möglichkeit sein, den Umgang mit der Angst zu lernen.

Behandlung mit Medikamenten

Angst lösen und beruhigen

Antidepressiva, Benzodiazepine oder Betablocker (Artikel Psychopharmaka) sind Medikamente, die auch zur Behandlung von Ängsten eingesetzt werden können. Im Zusammenhang mit dem Einsatz von Medikamenten ist es wichtig zu wissen, dass dieser ohne eine zeitgleich durchgeführte Psychotherapie nur wenig Aussicht auf Erfolg hat. Denn nur in einer Therapie lernen die Betroffenen, wie sie mit ihrer Angst zukünftig anders umgehen können. Deshalb werden Medikamente meist in Ergänzung zu einer Psychotherapie verschrieben.

Fragen Sie Ihren Arzt, ob diese abhängig machen können, wenn er Ihnen Medikamente gegen die Angst verschreiben möchte.