Psychotherapie und Onkologie (Seite 8/8)

Psychodynamische Verfahren und Verhaltenstherapie üblich

In der Psychoonkologie spielen die von den Kostenträgern anerkannten Methoden eine große Rolle

Die psychodynamischen und verhaltenstherapeutischen Richtungen sind als klassische und von den Kostenträgern anerkannte Therapieverfahren in der Psychoonkologie weit verbreitet.

Grundsätzlich gilt auch im Rahmen der Psychoonkologie, dass sich Psychotherapie an empirisch fundierten Wirkprinzipien orientieren muss. Klaus Grawe benannte in seinem methodenkritischen Werk vier jeglicher Form der Psychotherapie zugrunde liegenden Wirkfaktoren:

  • Problemaktualisierung
  • Therapeutische Klärung
  • Hilfe zur Problembewältigung
  • Aktivierung eigener Ressourcen
  • Tragfähige und vertrauensvolle Beziehung

Die Kreativverfahren sowie die Entspannungs- und Imaginationsübungen stellen einen großen Anteil an den psychoonkologischen Therapiemethoden dar, da sie bei einer Vielzahl von krankheitsbezogenen Belastungen und Ängsten sowie der Krankheitsbewältigung hilfreich sind.

Interventionsstudien und Metaanalysen haben die gute Wirksamkeit von psychoonkologischen Interventionen belegt. Am stärksten scheinen die Effekte der Psychoedukation bei Patienten mit guter Prognose zu sein. Dies allerdings gilt nicht für Patienten mit ausgeprägten psychischen Störungen. Auch bei der Behandlung von Angststörungen und Depressionen waren gute bis sehr gute Effekte dieser Interventionen nachweisbar.

Verhaltenstherapie

Wegen ihrer mittlerweile in vielen kontrollierten Studien nachgewiesenen Wirksamkeit ist die Verhaltenstherapie auch bei Krebspatienten eines der wichtigsten psychotherapeutischen Hilfsmittel. Sie zielt auf die Verminderung der belastenden Symptome, die Verbesserung der Lebensqualität und den Aufbau eines angemessenen Copings, d. h. Modifizierung von belastenden, dysfunktionalen Grundannahmen und Verhaltensweisen sowie die Aktivierung eigener Ressourcen zur Erschließung neuer Bewältigungsstrategien. Die Stabilisierung des Selbstwertgefühls, die Hilfe bei der Neuorientierung im Leben und die Stärkung der sozialen Kompetenz gehören insbesondere bei psychoonkologischen Patienten zu ihren Zielen.

Die  gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten einer ambulanten Verhaltenstherapie bei zugelassenen Psychotherapeuten von im Höchstfall 80 Sitzungen. Die ambulante Kurzzeittherapie beträgt 24 Sitzungen.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Psychoanalyse

Zur psychodynamischen Psychotherapie gehört neben analytischer Psychotherapie und Psychoanalyse auch die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie.

Für die Mehrzahl der Krebspatienten ist tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ausreichend. Sie kombiniert die drei therapeutischen Prinzipien Krisenintervention, Supportive Intervention und die einsichtszentrierte Psychotherapien. Je nach körperlicher und psychischer Verfassung des Patienten und abhängig von den Krankheits- und Behandlungsphasen können diese Methoden, die innerhalb des psychoonkologischen Rahmens flexibel miteinander verbunden sind, einzeln oder in Kombination eingesetzt werden.

Falls eine Persönlichkeit und die innere psychische Struktur eine erfolgreiche Krankheitsbewältigung blockiert, kann eine Besserung der Symptomatik, der Krankheitsbewältigung oder von interpersonellen Problemen nicht ohne umfassende Umstrukturierung der Persönlichkeit erzielt werden. In diesen Fällen ist eine analytische Psychotherapie empfehlenswert und oft sehr hilfreich.

Entspannungsverfahren

In den meisten Psychotherapieverfahren werden Entspannungsverfahren ergänzend eingesetzt, um Spannungszustände zu mildern und die Bewältigung von Belastungssituationen zu unterstützen. Sie gehören zum Standardrepertoire der Psychoonkologie und sind in verschiedene Interventionsmethoden integriert.

Alle Entspannungsverfahren setzen zumindest zu Beginn regelmäßiges Üben voraus, um mit der Methode vertraut zu werden.

Wichtige Entspannungsverfahren:

  • Progressive Muskelentspannung
  • Autogenes Training
  • Imaginationen

Achtsamkeit

Sie ist nicht mit Entspannung gleichzusetzen. Vielmehr geht es dabei um eine bewusste und wertfreie („achtsame“) Wahrnehmung dessen, was gerade ist. Das kann indirekt auch zu Entspannung führen, primär geht es aber um das reine Beobachten der inneren Prozesse.

Entspannungsverfahren sind wirksam, um die Nebenwirkungen onkologischer Therapien zu lindern. Bei einer Metaanalyse zeigten sich positive Effekte bei Symptomen wie Übelkeit, Schmerz, physischer Erregung (Blutdruck und Herzschlag); neben Ärger wurden auch Angst und Depressivität positiv beeinflusst. Dieses Ergebnis wird durch neue Studien gestützt.

Kunst- und Gestaltungstherapie

Kunst und Gestaltungstherapie fußt auf Mitteln der Bildenden Kunst. Sie wird als Gruppen- oder Einzeltherapie durchgeführt und beinhaltet die therapeutische Arbeit mit Bildern und Plastiken. Sie ist eine sanfte Psychotherapiemethode, die die Patienten begleitet und stützt. Ihr Ziel ist die Stabilisierung des Selbst durch den Ausdruck der Gefühle:

Mittels bildnerischem und plastischem Gestalten sollen innere Bilder, nicht Aussprechbares nach außen gebracht werden. Diese Methode kann den Patienten das Tor zu ihrem inneren Geschehen öffnen und so einen Dialog mit sich selbst anregen. Dabei entsteht ein sichtbares Gegenüber (z.B. Bild oder Plastik), das der Reflexion und Überarbeitung zugänglich wird. Seelischer Energie kann somit Ausdruck verliehen werden.

Der Therapeut begleitet und greift auftauchende Gefühle auf. Wenn es der Betroffene wünscht, können diese im Gespräch aufgearbeitet oder in der Einzeltherapie vertieft werden.

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