Gekonnte (Streit-)Gespräche fördern Beziehungsglück (Seite 4/7)

Fehler 2: Versöhnung ohne Klärung

Die drei häufigsten Fehler in Paargesprächen

Menschen, die nie einen konstruktiven Streit erlebt haben und sich an erlernte Irrtümer oder Einstellungsmuster wie z. B. „Streit ist böse“ oder „Wer sich liebt, der streitet nicht“ klammern, wissen nicht, wie man einen Konflikt konstruktiv löst. Sie wissen häufig nur, dass sie die für sie sehr unangenehme Situation Streit so schnell wie möglich verlassen möchten. Dieser Ausstieg ohne Klärung wurde bei konfliktscheuen Menschen meistens länger gelernt als das Aufarbeiten von Auseinandersetzungen.

Konflikte zudecken oder abbrechen

Folgende mehr oder weniger einfachen oder umständlichen, durchschaubaren oder versteckten, bewussten oder unbewussten Abwehr- oder Ablenkungsmanöver werden eingesetzt, um einen Streit zuzudecken und dadurch eine Versöhnung zu erreichen:

Ablenken und Themenwechsel

Aussitzen, Gras über die Sache wachsen lassen: Das Konfliktthema selbst nicht thematisieren, den anderen beruhigen, dementieren, keinen offenen Widerstand bieten.

Bagatellisieren: Das Konfliktthema und zugrunde liegende unerfüllte Bedürfnisse werden herunter gespielt.

Beleidigtsein: Befristetes emotionales Aushungern des Partners durch abruptes Einstellen jeglicher Zuneigung. Kommunikation wird auf das sachlich Notwendige beschränkt.

Bestechen: Ein verlockendes Angebot unterbreiten und als Gegenleistung das Ausklammern eines bestimmten Problems fordern oder vorschlagen. "Ich mache das ganze Wochenende den Haushalt, aber dafür sprechen wir nicht mehr über ...."

Dramatisieren: Der Konflikt wird in einer Flucht nach vorne bewusst verzerrt und überzogen dargestellt, um den Partner mittels Furch vor den verheerenden Folgen zu einer schnellen Versöhnung zu bewegen.

Einlenken und Ausblenden: Einlenken ist grundsätzlich ein guter Weg, um eine echte Versöhnung einzuleiten. Wenn damit aber die Bedingung verknüpft wird, das leidige Thema nicht noch einmal aufzuwärmen, wird eine wirkliche Versöhnung verhindert.  Wiederholtes derartiges Vorgehen führt beim Partner zu Vertrauensverlust, weil er sich nicht mehr ernst genommen fühlt.

Einschalten Dritter: Im Konfliktfall hält man vor Dritten zusammen oder sucht bewusst die Nähe von Dritten. Schon dadurch wird eine stillschweigende Versöhnung eingeleitet und der Konflikt stillschweigend unter den Teppich gekehrt.

Imponieren: Sehr indirekte und riskante Art den Partner durch dezentes „Sich-selbst-groß-Machen“, d.h. Verweisen auf eigene umwerfende Vorzüge, zum Abbrechen eines Streits zu bewegen. Misslingt der Versuch des Beeindruckens, eskaliert der Konflikt.

Nachgeben: Häufig die sicherste und schnellste Methode einen Streit abzubrechen. Aber eher unklug, wenn dabei eigene Bedürfnisse einfach aufgegeben werden. Es besteht, die Gefahr, dass man vom Partner weniger ernst genommen wird.

Rationalisieren: Paarkonflikte sind immer emotional. In dem das emotionale Konfliktthema auf eine rationale Ebene gebracht wird, soll der Streit beendet werden.

Regredieren: Regredieren bedeutet sich klein und schwach zu geben, um beim anderen im Konfliktfall eine „sofortige und anhaltende Beißhemmung“ auszulösen. Formen sind bspw. Kindchen spielen, sich dumm stellen, krank werden, usw. Beim Partner löst man meistens ein schlechtes Gewissen aus, wenn er im Konflikt angesichts der Schwäche noch weiter an die eigenen Interessen denkt.

Quelle:

  • Joachim Engel, Franz Thurmaier: „Wie redest Du mit mir? – Fehler und Möglichkeiten in der Paarkommunikation. Herder spektrum, 2009