Gekonnte (Streit-)Gespräche fördern Beziehungsglück (Seite 2/7)

Gute Gespräche: 10 nützliche Tipps

Gelungene Kommunikation mit Partnerin oder Partner

Hier lernen Sie zehn wichtige Kommunikationsregeln kennen, die Sie als Sprecher oder Zuhörer anwenden können und sollten, falls Sie die Gespräche mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin derzeit als verletzend oder gar destruktiv empfinden und diesen unbefriedigenden und trennenden Kommunikationsstil gerne durch konstruktive, befriedigende und die Partnerschaft stärkende Gespräche ablösen möchten.

Bitte beachten Sie, dass eine einseitige Verbesserung des Kommunikationsverhaltens nicht ausreicht. Es wichtig, dass beide Partner ein neues Gesprächsverhalten erlernen möchten.

Fünf wichtige Regeln für richtiges Sprechen

Diese Kommunikationsregeln können Ihnen helfen, die Sprecher-Rolle in einem Gespräch möglichst konstruktiv auszufüllen.

  1. Sich öffnen: Öffnen Sie sich selbst und beschreiben Sie was in Ihnen vorgeht. Wenn Sie Ihre Gefühle und Bedürfnisse direkt äußern, lassen sich Anklagen und Vorwürfe vermeiden und Sie können sich viel leichter verständlich machen. Auch kann dadurch „negatives Gedankenlesen“ vermieden werden. Hierunter versteht man Äußerungen, die die Reaktionen des Partners vorwegnehmen, z.B. „ Auf andere Art kann man ja nicht mit Dir reden.“ Oder „Ich würde etwas unternehmen, aber Du machst ja doch nicht mit.“ Der Sprecher sichert sich damit schon im Voraus gegen eine mögliche Reaktion ab und riskiert damit eine selbsterfüllende Prophezeiung.
  2. Ich-Gebrauch: Sprechen Sie von Ihren eigenen Gedanken und Gefühlen. Kennzeichen dafür ist der Ich-Gebrauch. Alle Aussagen werden dadurch persönlicher. Äußerungen, die nnur auf andere gerichtet sind (Du-Sätze) sind meist Vorwürfe oder Anklagen, die als Auslöser für Gegenangriffe oder Rechtfertigungen wirken.
  3. Konkrete Situationen ansprechen: Sprechen Sie konkrete Situationen oder Anlässe an, so dass Verallgemeinerungen (z.B. „immer“, „nie“) vermieden werden. Verallgemeinerungen rufen meist sofortigen Widerspruch hervor und lenken vom eigentlichen Inhalt der konkreten Situation völlig ab. Durch die Einhaltung dieser Regel werden Ihre Aussagen anschaulicher.
  4. Konkretes Verhalten ansprechen: Sprechen Sie von konkretem Verhalten in bestimmten Situationen. Das macht Ihre Aussagen nachvollziehbarer und Sie vermeiden dadurch Ihren Partner zu bewerten. Eine Unterstellung negativer Eigenschaften (z.B. „typisch“, „unfähig“, „langweilig“, „nie aktiv“) ruft nur Widerspruch hervor. Trennen Sie in Ihren Aussagen das Verhalten, das Sie wahrnehmen von den Gefühlen und Gedanken, das es bei Ihnen auslöst.
  5. Beim Thema bleiben: Achten Sie darauf, nur auf solche Inhalte einzugehen, die für das von Ihnen gewählte Thema relevant sind und Ihrem Partner klarer machen, was Ihr Anliegen ist. Sonst läuft das Gespräch Gefahr, völlig vom eigentlichen Thema abzukommen.

Fünf wichtige Regeln für richtiges Zuhören

Diese Kommunikationsregeln können Ihnen wiederum helfen, die Zuhörer-Rolle in einem Gespräch möglichst konstruktiv auszufüllen.

  1. Aufnehmendes zuhören: Zeigen Sie Ihre Partner nonverbal, dass Sie ihm zuhören und Interesse an seinen Äußerungen haben. Das kann z.B. durch unterstützende Gesten wie Nicken oder kurze Einwürfe wie „hm“, „aha“ geschehen. Wichtig neben Blickkontakt sind auch eine dem Partner zugewandte Körperhaltung, Ermutigungen, doch weiter zu sprechen: „Ich würde gern mehr darüber hören.“, verstärken den Partner beim Erzählen.
  2. Zusammenfassen: Melden Sie die wichtigsten Äußerungen des Sprechers möglichst in eigenen Worten zurück, um deutlich zu machen, dass Sie ihn verstanden haben. Fällt Ihnen dies schwer, sollten Sie vor wörtlichen Wiederholungen nicht zurückschrecken. Die Regel unterstützt Sie beim Verstehen des Partners, deckt Missverständnisse auf und strukturiert das Gespräch.
  3. Offene Fragen: Sie verhelfen zu einem besseren Verständnis der Aussagen des Partners: „Wie ging es Dir dabei?“, „Woran hast Du das gemerkt?“ – nicht; „Aber das musst Du doch gemerkt haben oder?“ Offene Fragen ersparen Ihnen unnötige Interpretationen, vermitteln Ihrem Partner Interesse, nötigen ihn nicht zu Rechtfertigungen und ermutigen ihn, sich tiefer auf das gewählte Thema einzulassen.
  4. Lob für das Gesprächsverhalten: Loben Sie den Sprecher für offenen und verständliche Aussagen, damit dieser sich ermutigt fühlt, (z.B. Ich verstehe das jetzt viel besser, weil Du mir das so klar und offen gesagt hast.“) Natürlich kann auch der Sprecher gutes Zuhören des Partners loben.
  5. Rückmeldung des ausgelösten Gefühls: Es gibt Situationen, in denen es Ihnen nicht möglich ist, mit Verständnis auf den Sprecher zu reagieren, etwa weil dessen Äußerungen Sie sehr aufgebracht haben. In solchen Fällen sollten indirekte Aussagen vermieden werden, z.B. „Aber das stimmt doch gar nicht!“ Besser melden Sie Ihre eigenen Gefühle direkt zurück: „Ich bin völlig überrascht, dass Du das so siehst.“ Es ist ebenfalls sehr wichtig, positive Gefühle zurück zu melden, z.B. „Mich freut es, dass Du dies mit mir machen willst."

Quelle:

  • Joachim Engel, Franz Thurmaier: „Wie redest Du mit mir? – Fehler und Möglichkeiten in der Paarkommunikation. Herder spektrum, 2009