Gekonnte (Streit-)Gespräche fördern Beziehungsglück (Seite 3/7)

Fehler 1: Vorwürfe

Die drei häufigsten Fehler in Paargesprächen

„Ein Konflikt liegt vor, wenn mindestens ein Bedürfnis von mindestens einem Partner durch das Verhalten des anderen verletzt oder vernachlässigt wird!

Misslungene Paarkommunikation endet häufig in destruktiven Streitgesprächen mit Vorwürfen statt Klärung oder Schuld statt Gefühl. Vorwürfe und Schuldzuschreibungen führen nicht zur Klärung von Konflikten und Problemen. Eigene Gefühle und Wünsche können damit nicht direkt geäußert werden. Vielmehr tragen sie dazu bei, beim Partner eine Reihe von unangenehmen Emotionen auszulösen.

Betrachtet man solch destruktive Paar-Steitgespräche, so tauchen bestimmte Kommunikationsmerkmale immer wieder in Vorwürfen auf. Jedes Merkmal verleiht dem Gespräch eine vorwurfsvolle Richtung und hat spezifische unangenehme Auswirkungen auf den Partner.

Wer diese charakteristischen Elemente schnell erkennt, sei es bei sich oder dem anderen, der kann leichter aus einer drohenden Eskalation aussteigen. Wenn ich meinem Gesprächspartner menschlich näher kommen möchte, kann ich andere Mittel der Kommunikation anwenden.

Die Merkmale von Vorwürfen

Du-Botschaften: „Du hast Dich falsch verhalten.“

Negativ gemeinte Du-Botschaften bedeuten, ein eigenes Problem oder unangenehmes Gefühl am anderen festzumachen. Die eigenen Beweggründe werden in der Du-Botschaft nicht genannt. Der andere hat einen Fehler gemacht oder ist unzulänglich. Das steht für den Sender der Botschaft in diesem Moment unerschütterlich fest. Dadurch entsteht sofort ein hierarchisches Gefälle. Man erhebt sich über den anderen indem man mit dem Du-Satz scheinbar objektiv feststellt, was am anderen nicht stimmt. Damit geht es um Recht haben und nicht mehr um Meinung und Gefühl. Der andere gerät sofort in eine Verteidigungshaltung, neigt zur Rechtfertigung und wird versuchen, das empfundene Hierarchiegefälle zu seinen Gunsten zu verändern.

Verallgemeinerungen: „Du kümmerst Dich nie um mich.“

Verallgemeinerungen sind oft ein indirekter Ausdruck von Ärger. Auch wenn der Ärger meistens in einer konkreten Situation begründet ist, will der Sprecher mit der Verallgemeinerung seinen Argumenten eine besondere Durchschlagskraft verleihen und dem Partner kein Schlupfloch für eine Ausrede lassen. Verallgemeinerungen reizen meistens zu sofortigem Widerspruch und tragen daher eher zur Polarisierung der Diskussion bei und erschweren das Eingehen auf den Partner.

Übertreibungen: „Tausendmal muss man den gnädigen Herrn bitten.“

Übertreibungen sind hinsichtlich Ursachen und Folgen der Verallgemeinerung sehr ähnlich. Auch sie sollen der eigenen Aussage mehr Überzeugungskraft verleihen und reizen den Partner zu sofortigem Protest.

Negative Eigenschaftszuschreibungen (Etikettierungen): „Diese unendliche Trägheit ist typisch für Dich.“

In Situationen in denen einen Partner ein bestimmtes Verhalten des anderen stört, ärgert, enttäuscht usw. benennt der statt des konkreten Verhaltens manchmal gleich eine ganze Eigenschaft/Charakterzug des anderen. Damit bewaffnet er sich mit einer fiktiven Gutachtermannschaft, um den Partner zur Einsicht in die „zweifellos und objektiv festgestellten“ Mängel zu bewegen. So kann zwar indirekt Unmut oder Enttäuschung zum Ausdruck gebracht werden, eine Verhaltensänderung beim anderen wird aber eher erschwert, weil er weder etwas über das Verhalten noch die Beweggründe erfährt, die zu der Aussage geführt haben. Auch hier wird der andere eher zu Gegenvorwürfen oder Rechtfertigungen greifen, als sein eigenes Handeln zu reflektieren.

Schuldzuschreibungen: „Du bist schuld, dass… .“

Oft werden statt eigenen Gefühlen Beschuldigungen und Entschuldigungen ausgetauscht. Dem Partner wird für das eigene Wohlergehen eine größere Verantwortung zugeschoben, als man selbst zu übernehmen bereit ist. Der jeweilige „Schuldzuschreiber“ legt dabei die Norm fest, was gut und böse oder richtig und falsch ist. Der „Beschuldigte“ wird meistens mit Gegenbeschuldigungen reagieren. Durch dieses Schuld-Pingpong kommt es gar nicht erst zu einer konkreten Problembeschreibung und eine faire Problemlösung wird dadurch erschwert.

Weitere Beispiele zu Vorwürfen

Negative Interpretationen: "Das tust Du doch nur, weil…“

Scheinfragen: „Findest Du Dein Verhalten etwa richtig?“

Rechtfertigungen: „Das stimmt doch gar nicht.“

Scheinvorschläge: „Du könntest mir gegenüber ruhig mal etwas aufmerksamer sein“.

Entwertungen und Beleidigungen:  „Du bist auch zu nichts nutze, Du Stümper.“

Verletzende Andeutungen: „Du weißt bestimmt noch ganz genau, wir Dir dieses peinliche Missgeschick unterlaufen ist.“

Drohungen: „Wenn Du nicht endlich mit mir in den Urlaub fährst, verlasse ich Dich!“

Ironie: „Das hast Du ja wirklich großartig gemacht. Eine Meisterleistung. Ich gebe dir meinen Lieblingspulli zum Waschen und heraus kommt ein krätziger Putzlappen. Du solltest damit im Zirkus auftreten.“

Sarkasmus: „Wenn das so weiter geht, können wir uns auch gleich scheiden lassen, nicht wahr mein Schatz?“

Verbündete und Zeugen zitieren: „Meine Mutter hat mir schon immer gesagt, dass aus Dir nichts wird."

Quelle:

  • Joachim Engel, Franz Thurmaier: „Wie redest Du mit mir? – Fehler und Möglichkeiten in der Paarkommunikation. Herder spektrum, 2009