Wenn unangemessene Angst das Leben bestimmt (Seite 7/7)

Selbsthilfetipps

Wichtig ist vor allem, beim Auftreten von Ängsten frühzeitig zu reagieren. Vielleicht beobachten Sie bei sich selbst Ängste, die Sie eigentlich selbst für übertrieben oder unsinnig halten. Vielleicht stellen Sie fest, dass Sie auf einmal Orte oder Situationen vermeiden, die an sich nicht gefährlich sind und die Ihnen früher nichts ausgemacht haben.

Was Sie tun können

Wenn die Ängste nicht zu stark ausgeprägt sind, sollten Sie die angstauslösenden Orte oder Situationen ganz bewusst immer wieder aufsuchen – Sie sollten sich also Ihrer Angst stellen. Dabei sollten Sie sich so lange in der Situation aufhalten, bis die Angst von alleine deutlich abgenommen hat. Auf alles, was Ihnen in der Situation Sicherheit vermitteln könnte (zum Beispiel ein Talisman, ein „Notfallmedikament“ oder eine vertraute Person) sollten Sie bei diesen Übungen verzichten. Durch die „Konfrontation“ mit den angstbesetzten Situationen oder Reizen können Sie die Erfahrung machen, dass tatsächlich gar nichts Schlimmes passiert. Dadurch sollte die Angst mit der Zeit ganz oder fast vollständig verschwinden.

Wenn Sie zum Beispiel Angst vor Hunden haben, sollten Sie sich bewusst in der Nähe von Hunden aufhalten und diese auch anfassen oder füttern. Wenn Sie ein Unbehagen in der U-Bahn verspüren, sollten Sie bewusst längere Strecken mit der U-Bahn fahren und auch dann nicht aussteigen, wenn Sie Angst spüren und am liebsten flüchten würden. Und wenn Sie vor Vorträgen oder einem öffentlichen Auftritt großes „Lampenfieber“ haben, sollten Sie sich immer wieder in solche Situationen begeben, sie als Herausforderung sehen und so lange üben, bis Ihnen der Vortrag oder Auftritt leicht fällt und vielleicht sogar Spaß macht.

In Situationen, in denen es „normal“ ist, aufgeregt sein oder Angst zu haben, können Sie Atemübungen oder Entspannungstechniken einsetzen oder sich selbst gut zureden (zum Beispiel:“Ich werde das schon schaffen. In ähnlichen Situationen habe ich es auch geschafft.“).

Allerdings sollten Sie nicht zögern, Unterstützung zu suchen, wenn Sie feststellen, dass Sie die Ängste nicht alleine in den Griff bekommen. Es gibt eine Reihe gut überprüfter Therapieansätze, mit denen sich verschiedene Arten von Ängsten meist gut behandeln lassen. Wichtig ist, dass Sie sich nicht einfach mit Ihrer Angst und den Einschränkungen abfinden! Professionelle Hilfe finden Sie zum Beispiel bei einem Arzt, insbesondere einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, oder bei einem Psychotherapeuten. Auch die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe kann eine gute Möglichkeit sein, den Umgang mit der Angst zu lernen.

Was Sie nicht tun sollten

Auf keinen Fall sollten Sie den Situationen, die Ihnen Angst machen, aus dem Weg gehen. Wie bereits beschrieben führt dieses Vermeidungsverhalten dazu, dass sich die Angst verfestigt und mit der Zeit sogar noch zunehmen kann.

Versuchen Sie auch nicht, die Angst durch Alkohol, Drogen wie Marihuana oder Beruhigungsmittel (so genannte Benzodiazepine) zu „therapieren“. Diese bringt zwar für kurze Zeit Erleichterung – sie führen aber dazu, dass Sie immer mehr auf die Substanz angewiesen sind, um die Angst zu bekämpfen. So kann sich schnell eine Abhängigkeit entwickeln.

Wenn Ihr Arzt Ihnen Medikamente gegen die Angst verschreibt, sprechen Sie ihn darauf an, ob diese abhängig machen können. Benzodiazepine sollten, wenn überhaupt, immer nur kurzzeitig und genau nach Absprache mit dem Arzt eingenommen werden.


Quellen

  • Medizin- und Gesundheitsdienst Onmeda: www.onmeda.de
  • S. Schmidt-Traub und T.-P. Lex (2005): Angst und Depression. Hogrefe-Verlag, Göttingen.
  • WHO (2010). Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10, Kapitel V (F). Klinisch-diagnostische Leitlinien. 7., überarbeitete Auflage. Hrsg. H. Dilling, W. Mombour & M. H. Schmidt. Verlag Hans Huber, Bern.
  • K. Lieb, B. Heßlinger & G. Jacob (2009). 50 Fälle Psychiatrie und Psychotherapie. Bed-side-learning. Urban & Fischer Verlag, München.
  • J. Margraf & S. Schneider (2009). Lehr buch der Verhaltenstherapie. Springer-Verlag, Heidelberg.
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