Wenn unangemessene Angst das Leben bestimmt (Seite 10/11)

Medikamente gegen Angst und Angststörung

Wirkungen, Nebenwirkungen und mögliche Probleme

Auch Medikamente können zur Behandlung von Ängsten eingesetzt werden. Dabei ist zu beachten, dass die Angst nach dem Absetzen der Medikamente meist schnell wieder zurückkehrt, wenn nicht gleichzeitig eine Psychotherapie stattfindet. Denn nur in der Therapie lernen die Betroffenen, wie sie mit der Angst anders umgehen können. Deshalb werden Medikamente meist in Ergänzung zu einer Psychotherapie verschrieben.

Wenn Ihr Arzt Ihnen Medikamente gegen die Angst verschreibt, sprechen Sie ihn darauf an, ob diese abhängig machen können.

Antidepressiva

Meist werden bei einer Angsterkrankung Antidepressiva verschrieben, die eine angstlösende und beruhigende Wirkung haben. Am besten haben sich dabei Antidepressiva aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und der selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) bewährt. Diese zielen darauf ab, die Konzentration der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin im so genannten synaptischen Spalt zwischen den Nervenzellen zu erhöhen und so das Ungleichgewicht dieser Botenstoffe bei Angsterkrankungen wieder auszugleichen. Seltener werden Medikamente aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva oder der so genannten MAO-Hemmer bei Ängsten eingesetzt. Eine Besonderheit bei allen Antidepressiva ist, dass ihre volle Wirksamkeit erst nach zwei bis drei Wochen einsetzt – sie müssen also so lange eingenommen werden, um beurteilen zu können, ob sie hilfreich wirken oder nicht.

Bei allen Antidepressiva können Nebenwirkungen auftreten, die meist in den ersten Wochen der Einnahme am stärksten sind und danach allmählich wieder zurückgehen. Die häufigsten Nebenwirkungen bei SSRI und SNRI sind Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall, Appetitlosigkeit und Erbrechen. Weiterhin können auch Schlafstörungen und sexuelle Funktionsstörungen auftreten. Bei SNRI kann es zu Beginn der Einnahme zu Kopfschmerzen, einem beschleunigten Herzschlag und zum Teil zu Unruhe kommen. Allerdings sind die Nebenwirkungen bei SSRI und SNRI meist deutlich geringer als bei trizyklischen Antidepressiva. Dabei kann es neben den bisher genannten Nebenwirkungen auch zu Mundtrockenheit, Verstopfung, Veränderungen des Herzschlags, Schwindel, Müdigkeit und auch Gewichtszunahme kommen.

Benzodiazepine

Arzneimittel, die auf der Ebene des Neurotransmitters GABA ansetzen, können Angst schnell und wirkungsvoll lindern. Diese so genannten Benzodiazepine führen jedoch schnell zu Abhängigkeit. Daher sollten sie nur wenn unbedingt notwendig und immer nur für kurze Zeit in genauer Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. Wichtig ist außerdem, dass Benzodiazepine nicht abrupt abgesetzt werden dürfen, sondern die Dosis schrittweise im Lauf mehrerer Wochen reduziert wird. Ansonsten kann es zu starken Entzugssymptomen wie Schlafstörungen, Unruhe, Angst und sogar zu epileptischen Anfällen kommen. 

Betablocker

Manchmal werden bei starken Ängsten auch Betablocker verschrieben. Diese wirken allerdings nicht direkt auf die Angst. Sie führen jedoch dazu, dass die Wirkung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin auf den Körper, insbesondere auf das Herz, verringert wird. Trotz Stress oder Angst steigen Herzrate und Blutdruck dann weniger stark an. Dies kann dazu beitragen, den Teufelskreis zwischen körperlichen Symptomen und Angst zu unterbrechen.

Betablocker führen nicht zu Abhängigkeit. Nebenwirkungen können jedoch Müdigkeit, Benommenheit, lebhafte Träume und niedergeschlagene Stimmung sein. Bei Asthma und bestimmten Herzerkrankungen sollten keine Betablocker eingenommen werden.