Wenn unangemessene Angst das Leben bestimmt (Seite 4/11)

Generalisierte Angststörung

Ursachen, Symptome, Therapie

Bei der generalisierten Angststörung leiden die Betroffenen unter einer anhaltenden, diffusen Angst, die mit vielfältigen Befürchtungen verbunden ist. Diese beziehen sich zum Beispiel darauf, dass einem selbst oder einer nahestehenden Person etwas Schlimmes zustoßen könnte. Auch gesundheitliche und finanzielle Sorgen sind häufig:

Die Familie von Frau K. hat es nicht immer leicht. Denn die 55jährige Hausfrau macht sich praktisch ständig Sorgen um ihre drei erwachsenen Kinder und den Ehemann. So fürchtet sie, dass ihnen etwas zustoßen könnte, wenn sie mit dem Auto oder mit dem Zug unterwegs sind oder wenn sie länger von zuhause weg sind. Die Kinder müssen sie daher regelmäßig anrufen und ihr bestätigen, dass „alles ok“ ist. Mit ihrem Mann ist Frau K. schon seit zehn Jahren nicht mehr in den Urlaub gefahren, weil sie fürchtet, dass „es nicht gutgehen wird“.

Außerdem macht Frau K. sich häufig Sorgen, dass ihr Mann krank werden und deshalb seine Arbeit verlieren könnte, so dass sie beide mittellos dastehen würden. Solche Sorgen beschäftigen Frau K. mehrere Stunden am Tag. Dabei malt sie sich häufig genau aus, was passieren könnte, und kann diese Gedanken dann nur schwer wieder abstellen. Gleichzeitig hat Frau K. oft zittrige Hände, fühlt sich benommen und hat ein Druckgefühl auf der Brust. In der Nacht liegt sie oft wach oder schläft unruhig, tagsüber steht sie unter ständiger Anspannung und fühlt sich häufig auch nach leichteren Tätigkeiten am Abend völlig erschöpft. In letzter Zeit denkt sie häufig: „Die ständigen Sorgen werden mich noch krank machen. Und das Leben kann ich so auch nicht mehr genießen.“

Ursachen

Auch die Generalisierte Angststörung entwickelt sich in aller Regel erst, wenn mehrere ungünstige Faktoren zusammenwirken.

Ausgangspunkt dürfte eine genetische Veranlagung sein. Darauf wurden in der Forschung Hinweise gefunden.

Ein eher ängstlicher Erziehungsstil der Eltern oder schwerwiegende Verlusterfahrungen in der Kindheit können das Entstehen einer Generalisierten Angststörung begünstigen.

Der eigentliche Auslöser für ihr konkretes Auftreten ist häufig ein Ereignis in der Gegenwart, das die Betroffenen sehr stark belastet.

Symptome

Die anhaltende Angst ist mit einer starken körperlichen Anspannung und verschiedenen körperlichen Symptomen wie Schwitzen, Zittern, Herzklopfen, Schwindel, Benommenheit oder Magen-Darm-Beschwerden verbunden. Häufig haben die Betroffenen Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen und sind übermäßig wachsam und schreckhaft. Dazu kommen oft auch psychische Beschwerden wie Ruhelosigkeit, Konzentrationsprobleme oder Reizbarkeit.

Charakteristisch für die generalisierte Angststörung sind auch die so genannten Metasorgen – das heißt, die Betroffenen machen sich häufig auch Sorgen darüber, dass die ständigen Sorgen ihnen schaden könnten. Daher versuchen sie vielfach, die Sorgen zu unterdrücken – was aber paradoxerweise dazu führt, dass diese häufiger und stärker auftreten.

Psychologischer Test "Generalisierte Angststörung"

Psychotherapie

Als besonders wirksame Methode zur Bewältigung von Ängsten und somit auch der "Generalisierten Angststörung" hat sich die kognitive Verhaltenstherapie bestätigt. Bei diesem Therapieansatz geht es in erster Linie darum, sich den Situationen oder Reizen, vor denen der Betroffene Angst hat, immer öfter zu stellen und aufgrund dessen zu erfahren, dass die Angst mit der Zeit abklingt und die befürchteten negativen Ereignisse ausbleiben.

Häufigkeit und Verlauf

Die Häufigkeit der generalisierten Angststörung liegt bei etwa vier bis sieben Prozent der Bevölkerung. Die Erkrankung beginnt meist schon in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter, oft entwickelt sie sich aber auch erst um das 40. Lebensjahr herum. Die Sorgen und körperlichen Beschwerden können zeitweise stärker oder schwächer ausgeprägt sein, bestehen aber ohne entsprechende Behandlung meist chronisch.