Psychopharmaka (Seite 5/8)

Schlafmittel

Anwendungsgebiete und Wirkweise

Schlafmittel (Hypnotika) werden verschrieben, wenn eine eindeutig umschriebene Schlafstörung besteht. Sie sollten immer nur in niedriger Dosierung und über einen begrenzten Zeitraum eingenommen werden.

Die meisten Schlafmittel gehören entweder zur Gruppe der Benzodiazepine oder zu verwandten Substanzen. Sie entfalten ihre Wirkung auf den GABA-A-Rezeptor und verstärken so die beruhigende, dämpfende Wirkung des Neurotransmitters GABA im Gehirn.

Arten von Schlafmitteln

a. Benzodiazepine

Benzodiazepine haben neben ihrer angstlösenden und beruhigenden auch eine schlaffördernde Wirkung. Ob ein Benzodiazepin als Beruhigungs- oder als Schlafmittel verwendet wird, hängt unter anderem von seiner Wirkstärke und seiner Wirkdauer ab. Bei diesen Medikamenten besteht die Gefahr einer Abhängigkeit sowie weitere weitreichende Nebenwirkungen. Mehr Informationen zu den Benzodiazepinen finden Sie im Abschnitt Beruhigungsmittel.

b. Benzodiazepin-ähnliche Substanzen

Die so genannten Z-Substanzen, deren Name jeweils mit Z beginnt, haben ein ähnliches Wirkprofil wie die Benzodiazepine, jedoch auch ähnliche Nebenwirkungen. Im Gegensatz zu diesen haben sie keine Auswirkungen auf die Schlafarchitektur, also die natürlich Abfolge der einzelnen Schlafphasen. Auch bei den Z-Medikamenten besteht die Gefahr einer Abhängigkeit, sie soll jedoch geringer sein als bei den Benzodiazepinen. Daher gelten die Z-Medikamente inzwischen als Schlafmittel der ersten Wahl.

c. Antihistaminika

Antihistaminika werden nicht nur als Beruhigungs-, sondern auch als Schlafmittel eingesetzt. Sie führen jedoch zu Veränderungen des normalen Schlafmusters.

Weitere Informationen: Siehe Kapitel Beruhigungsmittel!

d. Aminosäuren

Auch die Aminosäure L-Tryptophan wird als mildes Schlafmittel eingesetzt. L-Tryptophan kommt auch natürlicherweise in der Nahrung, z. B. in Sojabohnen, Cashew-Nüssen, Kakaopulver oder Kuhmilch vor und hat eine stimmungsaufhellende und beruhigende Wirkung. Da die Substanz die Blut-Hirn-Schranke relativ schwer überwinden kann, lässt sich die Menge, die eine Wirkung auf das Gehirn hat, nicht beliebig erhöhen. 

L-Tryptophan ist als mildes Schlaf- und Beruhigungsmittel ohne Rezept erhältlich. Nebenwirkungen können Tagesmüdigkeit, Schwindel und Kopfschmerzen sein.

e. Hormone

Das Hormon Melatonin wird von der Zirbeldrüse des Gehirns produziert und reguliert den Schlaf-Wach-Rhythmus. Es wird vor allem in der Dunkelheit hergestellt, während Tageslicht seine Produktion hemmt. Befindet sich zu wenig Melatonin im Blut, kann es zu Schlafstörungen und Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus kommen. Dies ist z. B. bei Jetlag und Schichtarbeit, aber auch bei älteren Menschen häufig der Fall.

In Deutschland ist Melatonin zur kurzfristigen Behandlung von Schlafstörungen bei Menschen ab 55 Jahren zugelassen. Allerdings gibt es auch Produkte, die Melatonin enthalten und als so genannte „diätische Lebensmittel“ frei verkäuflich sind. Als Nebenwirkungen von Melatonin können Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen und depressive Verstimmungen auftreten. Mögliche Nebenwirkungen bei einer langfristigen Einnahme sind bisher noch kaum untersucht.

f. Pflanzliche Schlafmittel

Auch einige pflanzliche Präparate haben einen beruhigenden und schlaffördernden Effekt. Wegen ihrer mild ausgeprägten Wirkung eignen sich vor allem als Einschlafhilfe und weniger als Medikamente zum Durchschlafen. Zu den pflanzlichen Schlafmitteln gehören Extrakte aus Baldrian, Johanniskraut, Melisse, Passionsblume oder Hopfen.