Finden Sie "Ihren" Therapeuten

Tipps für die erfolgreiche Therapieplatzsuche

16.02.2005 Ein Artikel von Paul Hiss mit folgenden Punkten:

  1. Titel und Berufe: Wer ist was und kann was?
  2. Methoden: Warum so viele und welche für mich?
  3. Woran erkenne ich, dass dies der richtige Therapeut für mich ist?

Wer psychotherapeutische Hilfe braucht, sieht sich einem kaum überschaubaren Dschungel gegenüber: Es gibt Psychiater und Psychotherapeuten, Psychologen und Heilpraktiker und die Anzahl der Methoden im psychotherapeutischen Bereich alle einfach nur aufzuzählen, würde schon ein halbes Buch füllen, zum Beispiel Psychoanalyse, Verhaltenstherapie, systemische, transpersonale oder humanistische Psychotherapien. Welche Ausbildungen stecken hinter diesen Berufsbezeichnungen und welche Form der Psychotherapie hilft bei welchen Problemen und Erkrankungen? Für den Laien sind diese Begriffe oft nicht verständlich.

Mit einer Vielzahl von Antworten und Erläuterungen sollen alle potentiellen Klienten einfacher den richtigen Therapeuten finden.

Seit dem 1. Januar 1999 ist das Psychotherapeutengesetz in Kraft, das insofern mehr Klarheit verschafft, weil nun auch Psychologische Psychotherapeuten eine Kassenzulassung erhalten können und der Titel Psychotherapeut gesetzlich geschützt ist.

Ich habe die Änderungen, die das Gesetz mit sich bringt, in den Artikel eingearbeitet.

Als weitergehende Information gibt es inzwischen auch ein Buch von mir zu diesem Thema: "So finden Sie den richtigen Therapeuten".

Titel und Berufe: Wer ist was und kann was?

Psychotherapeut darf sich seit in Krafttreten des Psychotherapeutengesetzes 1999 nur so nennen, wer eine staatliche Anerkennung als ärztlicher oder psychologischer Psychotherapeut hat.

Es gibt aber immer noch unterschiedliche Berufsbezeichnungen und Ausbildungen. Deshalb ist es wichtig, sich über die berufliche Qualifikation eines Psychotherapeuten zu informieren.

Grundsätzlich kann man drei Arten von Psychotherapeuten unterscheiden:

  • Ärztliche Psychotherapeuten
  • Psychologische Psychotherapeuten
  • Andere Psychotherapeuten

Ärztliche und Psychologische Psychotherapeuten haben ein Hochschulstudium abgeschlossen, also Medizin beziehungsweise Psychologie studiert.

Ein Studium macht jemanden noch nicht zum Psychotherapeuten, sondern nur zum Arzt oder zum Diplom-Psychologen. Psychotherapie ist eine Spezialisierung, die nach erfolgreichem abgeschlossenen Studium in einer mehrjährigen, berufsbegleitenden Weiterbildung erworben werden kann.

Es gibt im ärztlichen Bereich noch die Unterscheidung zwischen Psychotherapeut und Psychiater. Ein Psychiater hat nicht unbedingt eine psychotherapeutische Ausbildung, sondern ist spezialisiert im Bereich Psychiatrie, kennt sich also vor allem in der Behandlung psychischer Störungen aus und setzt dabei meist vorwiegend auf medikamentöse Behandlung. Manche Psychiater haben jedoch auch eine psychotherapeutische Ausbildung und bieten eine ambulante Psychotherapie an.

Die Ausbildung zum Psychotherapeuten wird von privaten Therapieinstituten und -gesellschaften angeboten und durchgeführt. Diese müssen allerdings staatlich anerkannt sein, wenn der Therapeut eine Approbation und Kassenzulassung erwerben möchte.

Die dritte Kategorie von Psychotherapieanbietern ist sehr inhomogen. Zu ihnen gehören Psychologen mit anderen psychotherapeutischen Weiterbildungen als der zum Psychologischen Psychotherapeuten. Daneben gibt es die Gruppe der Heilpraktiker, die eine psychotherapeutische Ausbildung gemacht haben. Es können aber auch andere Berufsgruppen wie Pädagogen, Sozialarbeiter sein oder auch Leute, die irgendeinen anderen Beruf gelernt haben und jetzt psychotherapeutisch arbeiten.

Bevor man sich für eine Behandlung entscheidet, ist es wichtig, sich über die berufliche und speziell psychotherapeutische Ausbildung zu informieren.

Eine Behandlung bei einem Psychotherapeuten, der Heilpraktiker ist, wird von manchen privaten Krankenkassen übernommen, ist aber in der Regel selbst zu bezahlen.

Methoden: Warum so viele und welche für mich?

Es gibt hunderte von psychotherapeutischen Methoden. Sie lassen sich jedoch in fünf Hauptgruppen einteilen.

  1. Psychodynamische (oder psychoanalytische) Therapien
  2. Verhaltenstherapeutische Therapien
  3. Familientherapien und Systemische Therapien
  4. Humanistische Psychotherapien
  5. Transpersonale Psychotherapien

Es würde zu weit führen, diese verschiedenen Ansätze an dieser Stelle auch nur annähernd zu erklären.

Ich kann nur auf die Literatur zu diesem Thema verweisen.

Einige Hinweise finden sich in dem Artikel Types of Therapy des amerikanischen Psychologen Grohol, dessen Mental Health Page auch noch andere interessante Informationen bietet.

Außerdem muss man bedenken, dass viele Psychotherapeuten methodenübergreifend arbeiten. Das heißt, sie wenden eine persönliche Mischung verschiedener Methoden und Stile an, oftmals jedoch mit einer bestimmten Grundorientierung. Daher ist es sinnvoll, sich in einem Vorgespräch erläutern zu lassen, wie ein Therapeut arbeitet.

Woran erkenne ich, dass dies der richtige Therapeut für mich ist?

Für die erfolgreiche Durchführung einer Psychotherapie sind nach meiner Erfahrung zwei  Aspekte wesentlich: Die Methode und die Person des Therapeuten.

Nicht jede Methode ist für jeden geeignet. Leider ist die Psychotherapieforschung noch nicht so weit, dass man auf eine befriedigende Weise sagen könnte, welche Methode für welche Störung und für welchen Persönlichkeitstyp die beste ist. Daher muss jeder potentielle Psychotherapieklient für sich selber herausfinden, welche Methode ihn besonders anspricht. Es gibt Bücher, in denen die verschiedenen Psychotherapiemethoden beschrieben werden. Außerdem ist es sinnvoll, sich bei Freunden und Bekannten umzuhören.

Dabei muss man sich darüber im Klaren sein, dass derzeit nur psychoanalytische Psychotherapie und Verhaltenstherapie von den Krankenkassen ohne weiteres bezahlt werden.

Das ist also das erste: Die Methode muss stimmen, sie muss einen ansprechen. Es hat keinen Zweck, sich auf eine Form der Psychotherapie einzulassen, bei der man kein gutes Gefühl hat.

Genauso wichtig ist auch die Person des Therapeuten. Denn Psychotherapie ist eine Beziehung zwischen zwei Menschen. Deshalb kann Psychotherapie nur dann wirken, wenn diese Beziehung stimmt. Der Klient muss dem Therapeuten vertrauen können; muss sich bei ihm sicher und respektiert fühlen. Wenn dieses Vertrauen nicht da ist, wenn ein Klient das Gefühl hat, bei diesem Therapeuten nicht alles sagen zu können, dann ist das ein ernstes Warnsignal, das wahrscheinlich bedeutet, nicht beim richtigen Therapeuten zu sein.

Um also den richtigen Therapeuten zu finden, ist auf jeden Fall ein Vorgespräch zum persönlichen Kennenlernen notwendig. Die meisten Therapeuten bieten auch einige Probesitzungen an.

Dabei ist es wichtig, auf den eigenen Eindruck zu achten:

  • Schon beim ersten Anruf: Ist der Klang der Stimme des Therapeuten sympathisch?
  • Dann im Gespräch: Nimmt er sich Zeit für mein Anliegen? Antwortet er ausführlich auf meine Fragen?
  • Welche Ausbildung hat er? Worin liegt der Schwerpunkt seiner Arbeit?
  • Hat er mit meinem Problem Erfahrung?
  • Was erwartet der Therapeut von mir? Gibt er mir genügend Zeit, dass wir uns kennenzulernen?
  • Wie lange dauert voraussichtlich die Therapie?
  • Die ersten Stunden prüfen: Wie geht der Therapeut mit mir um? Fühle ich mich angenommen oder von ihm bedrängt? Wie reagiert er auf eventuelles Unwohlsein?

Dann kommt aber noch eines dazu: Es sollte in absehbarer Zeit eine Erleichterung der seelischen Probleme möglich und erste Ansätze von Veränderung sichtbar sein.

Abgesehen von einer psychoanalytischen Langzeittherapie, die auf Jahre angelegt ist, dauert eine psychotherapeutische Behandlung - je nach Schwere der Störung und dem methodischen Ansatz - durchschnittlich zwischen 20 und 100 Stunden.

Wenn also nach 10 - 20 Sitzungen keine Erleichterung und keine Veränderung erkennbar sind, sollte man zumindest in Frage stellen, ob dies wirklich der richtige Therapeut ist.

Copyright Paul Hiss 1999

Quelle:

  • „So finden Sie den richtigen Psychotherapeuten“, Paul Hiß, 1998