Transaktionsanalyse und Psychotherapie
Eric Berne beschrieb die Transaktionsanalyse erstmals zusammenfassend in seinem Buch „Die Transaktionsanalyse in der Psychotherapie“ (1961).
Wie sollten sich Therapeuten in einer transaktionsanalytischen Psychotherapie verhalten?
Grundlegende Aspekte des therapeutischen Verhaltens sind demnach, dass Therapeut:innen eine tragfähige, vertrauensvolle Beziehung zu ihren Klient:innen – sowohl zu ihrem Erwachsenen-Ich als auch zu ihrem Kind-Ich – aufbauen, dass sie verständnisvoll zuhören, den Klient:innen Hoffnung vermitteln und die Zusammenhänge, die hinter der Erkrankung stehen, verstehen.
Therapeut:innen sollten aus der Rolle eines psychodynamisch ausgebildeten Erwachsenen-Ich heraus handeln. Auf diese Weise können sie ungünstige Transaktionen des Kind-Ich der Patient:innen an das Eltern-Ich durchkreuzen.
Ziel freiwillige Therapieverpflichtungen
Therapeut:innen nehmen in der Transaktionsanalyse also keine „elterliche“ Haltung ein, bei der sie etwa Forderungen an das Kind-Ich der Patient:innen stellen.
Stattdessen ist das Ziel, dass die Patient:innen freiwillige Verpflichtungen eingehen und sich darum bemühen, diese einzuhalten.
Therapeut:innen stellen dabei gemeinsam mit den Patient:innen einen Behandlungsplan mit klar definierten Zielen auf und arbeiten mit passenden Mitteln daran, die Ziele zu erreichen. Dabei sollten sie den Patient:innen Fortschritte im Verlauf der Therapie bewusst machen.
Wie läuft eine transaktionsanalytische Psychotherapie ab?
Die Behandlung kann zu günstigen Veränderungen bei den Patient:innen und in ihren Beziehungen zu nahestehenden Menschen, aber auch im Verhalten ihrer Bezugspersonen führen.
In welcher Reihenfolge sollten die Konzepte der Transaktionsanalyse eingesetzt werden?
In der Therapie kommen die weiter oben beschriebenen Konzepte der Transaktionsanalyse oft in folgender Reihenfolge zum Einsatz:
- Analyse der Ich-Zustände
- Analyse der Transaktionen
- Spielanalyse
- Skriptanalyse
Welche Funktion haben die genannten Analysen in der Therapie?
Bei der Strukturanalyse (Analyse der Ich-Zustände) werden die verschiedenen, typischen Ich-Zustände eines Patienten oder einer Patientin analysiert und geschaut, wie sie zu den Symptomen und dem problematischen Verhalten beitragen.
Ein wichtiger Aspekt ist dabei, das Erwachsenen-Ich zu „enttrüben“. Dieses ist laut Berne getrübt, wenn bestimmte Vorstellungen, die zum Kind-Ich gehören, im Bereich des Erwachsenen-Ich liegen und von den Patient:innen als rational angesehen werden.
In der Therapie sollen sie erkennen, dass die Vorstellungen aus ihrem Kind-Ich kommen, sie aus dem Erwachsenen-Ich kritisch bewerten und dieses von ihnen befreien.
Ein weiteres wichtiges Ziel der Therapie ist, dass das Erwachsenen-Ich mehr Raum erhält und durch „Training“ gestärkt wird. Zugleich sollen die Grenzen zwischen Erwachsenen-Ich und Kind-Ich geklärt und gestärkt werden.
Das Erwachsenen-Ich soll dabei nicht vollständig dominieren, sondern mehr Wahlfreiheit erhalten, sodass die Patient:innen bewusst entscheiden können, wann das Erwachsenen-Ich und wann das Kind-Ich die Führung übernimmt.
Auf diese Weise können sie nach und nach mehr Kontrolle über ihr Kind-Ich, ihr Verhalten, ihre Symptome und die Gestaltung ihrer Beziehungen erlangen. Außerdem können Therapeut:in und Patient:in so konstruktiver zusammenarbeiten und effektiver Veränderungen erreichen.
Wann sollte ein Therapeut die Rolle des fürsorglichen Eltern-Ichs einnehmen?
In manchen Fällen kann es laut Berne sinnvoll sein, dass Therapeut:innen die Rolle des fürsorglichen Eltern-Ichs einnehmen. So haben einige Patient:innen in ihrer Kindheit – etwa durch Vernachlässigung oder Misshandlungen durch ihre Eltern – negative Beziehungserfahrungen gemacht. Diese haben sie oft in ihr Eltern-Ich übernommen.
Wohlwollendes und nachsichtiges Verhalten der Therapeutin hilft ihnen, günstige Beziehungserfahrungen nachzuholen und ihr Verhalten auf günstige Weise zu verändern.
Bei der Analyse der Transaktionen wird der Austausch von Informationen oder Kommunikationseinheiten zwischen der Klientin oder dem Klienten und nahestehenden Bezugspersonen analysiert. Dabei können typische, ungünstige Kommunikationsmuster erkannt und durch konstruktivere Transaktionen ersetzt werden.
Bei der Spielanalyse werden typische Spiele, die Patient:innen zum Beispiel mit ihren Ehepartner:innen oder Kindern spielen, und die dahinterstehenden Motive aufgedeckt und durch günstigeres Verhalten ersetzt. Dabei ist es wichtig, dass Therapeut:innen auch Spiele ihrer Patient:innen in der Therapie erkennen und diese Spiele nicht mitspielen, sondern ihnen durch erwachsenes Verhalten entgegenwirken.
Bei der Skriptanalyse wird der unbewusste Lebensentwurf der Klient:innen, der in der Kindheit geprägt wurde, analysiert. Dabei liegt der Fokus in der Therapie darauf, ungünstige Aspekte des Lebensskripts, etwa ein ungünstiges Bild von sich selbst oder eine ungünstige Gestaltung von Beziehungen, zu verändern.
Welche Behandlung kann sich an eine Transaktionsanalyse anschließen?
Den verschiedenen Ansätzen der Transaktionsanalyse kann sich eine weitergehende psychoanalytische Behandlung anschließen. Dort sollen die verschiedenen Aspekte des Kind-Ich und seine inneren Konflikte sowie Konflikte des Kind-Ich mit dem Erwachsenen-Ich und dem Eltern-Ich analysiert und gelöst werden. Ein weiteres Ziel ist, ungünstige Aspekte des Eltern-Ich zu erkennen und abzuschwächen.
Exkurs: Psychose und Transaktionsanalyse
Wodurch zeichnet sich die Behandlung einer Psychose per Transaktionsanalyse aus?
Bei Menschen mit einer Psychose ist aus Sicht von Berne das Kind-Ich dominierend. Das Erwachsenen-Ich ist hier ernsthaft beeinträchtigt und durch die Dominanz des Kindes „getrübt“ oder außer Kraft gesetzt. Daher ist es wichtig, dass das Erwachsenen-Ich wieder mehr Einfluss erhält und es den Therapeut:innen gelingt, den Patienten oder die Patientin als therapeutische Verbündete zu gewinnen.
In der Therapie sollte zunächst dem Kind-Ich Raum gegeben und auf seine Bedürfnisse eingegangen werden. Anschließend kann dann das Erwachsenen-Ich gestärkt werden. Das Kind-Ich kann jedoch zu verwirrt sein, um überhaupt eine Psychotherapie durchzuführen. – Daher sollte eine Psychotherapie nur in Phasen mit geringerer Verwirrtheit stattfinden.
Wie passen Transaktionsanalyse und Gruppentherapie zusammen?
Die Transaktionsanalyse kann auch als Gruppentherapie zum Einsatz kommen. Dazu ist sie laut Berne besonders geeignet, weil sie aus Gruppensituationen heraus entstanden ist und weil mit ihr Gruppenprozesse analysiert werden können. Ein wichtiges Ziel ist hier, dass die Patient:innen die Fähigkeit zur Selbstkontrolle im Umgang mit anderen Menschen erreichen. Durch die Therapie kann es zu Verbesserungen ihrer sozialen Fähigkeiten, ihrer Symptome und ihrer Beziehungen zu anderen Menschen kommen.