Psychologische Spiele und Innere Antreiber

„Psychologische Spiele“ und „Innere Antreiber“ sind weitere wesentliche Konzepte der Transaktionsanalyse. Beide Konzepte beschäftigen sich mit wiederkehrenden und oft hinderlichen Mustern in Gesprächen und im Verhalten.

Psychologische Spiele

Dabei handelt es sich laut Berne um ungünstige, immer wiederkehrende Muster in Gesprächsabläufen, die von unbewussten Motiven gesteuert werden.

Bei einem Spiel versucht jemand, seine Bedürfnisse mit Strategien zu erfüllen, die er oder sie in der Kindheit gelernt hat, die aber nicht zielführend sind. Spiele dienen zum Beispiel dazu, Aufmerksamkeit – eventuell auch negative Aufmerksamkeit – zu erhalten, unangenehme Situationen zu vermeiden oder keine Verantwortung übernehmen zu müssen.

Bei einem psychologischen Spiel verwenden die Gesprächspartner Abfolgen von verdeckten Transaktionen, bei denen in den gesagten Worten eine andere Botschaft steckt als in den nonverbalen Merkmalen wie Stimmklang, Mimik usw. Die Spiele können über lange Zeit fortgesetzt werden, etwa in einer Paarbeziehung oder in Arbeitsbeziehungen, ohne dass sich die Betroffenen dessen bewusst sind. Sie führen nicht zu einer Lösung, sondern verschlechtern die Situation immer weiter, zum Beispiel, wenn ein Paar sich immer wieder nach dem gleichen Muster streitet. Die Betroffenen leiden an den psychologischen Spielen, und diese verhindern eine positive Entwicklung in Beziehungen.

Beispiel: Erika sucht bei ihrer Freundin Rat für ein Problem. Diese gibt ihr eine Menge guter Ratschläge. Doch Erika antwortet immer: „Ja, aber …“ Irgendwann fällt ihrer Freundin nichts mehr ein – und am Ende fühlen sich beide schlecht. Denn Erika hat nicht die Hilfe erhalten, die sie sich erhofft hat, und ihre Freundin konnte ihr nicht helfen.

Hat jemand ein solches Spiel erkannt, ist es im Gesprächsverlauf jederzeit möglich, aus dem Spiel auszusteigen. So kann jemand die „Einladung“ des Gesprächspartners zu einem Spiel ignorieren und sich bewusst anders verhalten.

Hilfreich kann es auch sein, nach dem echten Bedürfnis zu fragen: „Was möchtest du jetzt von mir?“ und in einer Spielsituation vor allem darauf zu schauen, was man selbst möchte oder braucht.

Weiterhin kann es günstig sein, die eigene Neigung, auf bestimmte Spiele einzusteigen, zu erkennen – etwa, dass man dazu tendiert, für andere den „Helfer“ oder „Retter“ zu spielen. 

Die Transaktionsanalyse kann dazu beitragen, Spiele und die unbewussten Motive, die dahinterstecken, bewusst zu machen. Sie kann den Betroffenen helfen, das eigene Verhalten zu überdenken und mit den psychologischen Spielen aufzuhören. Stattdessen lassen sich günstigere Kommunikationsmuster und Verhaltensweisen entwickeln, um die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Dies kann sowohl in der Psychotherapie als auch im Coaching eingesetzt werden, um befriedigendere Beziehungen zu ermöglichen.

Innere Antreiber

Innere Antreiber sind ungünstige, schädliche Verhaltensmuster, die mit einem inneren Zwang verbunden sind. Sie setzen die Betroffenen unter Stress, rauben ihnen Energie und können zu Erschöpfung und Burnout beitragen.

Es handelt sich laut Berne um verinnerlichte Verhaltensmuster, die in der Kindheit gelernt und später weiter ausgeformt wurden. 

Die Antreiber stehen im Grunde für positive Eigenschaften und werden von anderen Menschen und von den Betroffenen selbst häufig auch so wahrgenommen. Allerdings handelt es sich um ein übertriebenes Umsetzen dieser Eigenschaften. Die Betroffenen werden von den Antreibern quasi gezwungen, sich so zu verhalten – auch wenn dies in manchen Situationen nicht passend oder sogar schädlich ist. Sie führen dann oft zu negativen Ergebnissen, etwa dazu, dass jemand durchgehend unter Stress leidet oder er oder sie ausgenutzt wird.

Die Transaktionsanalyse unterscheidet fünf Antreiber:

  1. "Sei perfekt!" steht für Genauigkeit und Fehlerlosigkeit.
  2. "Beeil dich!" steht für Schnelligkeit und die Fähigkeit, Chancen zu nutzen.
  3. "Sei stark!" steht für Stärke und Unabhängigkeit. 
  4. "Streng dich an!" steht für Ehrgeiz und Durchhaltevermögen.
  5. "Mach es anderen recht!" steht für Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit.

Die Antreiber werden laut Berne vor allem in Stress- oder Konfliktsituationen aktiv und prägen dann häufig das gesamte Denken und Verhalten einer Person. Gleichzeitig sind sie dort oft unpassend. 

Beispiel: Leon ist zu allen Kollegen freundlich, charmant und hilfsbereit. Als sein Chef seine Arbeit ungerechtfertigt kritisiert, lächelt er und sagt freundlich, dass er alles tun wird, um die Sache wieder in Ordnung zu bringen.

Wenn jemand den inneren Antreibern nicht folgt, hat er oder sie schnell das Gefühl, nicht gut genug zu sein, und fühlt sich schlecht. Macht sich jemand die Antreiber bewusst oder gehorcht ihnen nicht, wird dadurch oft eine dahinterstehende Thematik deutlich: Nämlich das Gefühl, nicht okay zu sein, wenn man dem Antreiber nicht gehorcht – etwa, wenn man nicht perfekt oder nicht zu allen freundlich ist.

Die Transaktionsanalyse kann dabei helfen, die inneren Antreiber zu erkennen und sie so zu verändern, dass sie ihre schädliche Wirkung verlieren. Ziel ist dabei, dass jemand seine Antreiber erkennt und gleichzeitig lernt, dass er oder sie okay ist, ohne dass dazu die Antreiber notwendig sind. Dann verlieren sie ihren inneren Zwang und werden so nicht mehr benötigt.

Gleichzeitig kann es sinnvoll sein, sich selbstkritisch mit dem Verhalten, das mit dem Antreiber zusammenhängt, auseinanderzusetzen. Dabei kann man sich die Frage stellen, ob das Verhalten – zum Beispiel, alles schnell zu machen – in der aktuellen Situation sinnvoll ist und ob es bei einem selbst oder bei anderen Stress auslöst. Weiterhin kann man beobachten, in welchen Situationen die Antreiber verstärkt auftreten. 

Die Eigenschaften, die hinter den Antreibern stehen, können weiter bestehen bleiben und der oder die Betroffene kann lernen, sie auf günstige Weise einzusetzen. Wenn die Antreiber ihren inneren Zwang verloren haben, kann die Person frei entscheiden, wie sie sich in einer bestimmten Situation verhält. So kann der oder die Betroffene freundlich, schnell, perfekt etc. sein, wenn er oder sie dies möchte und als passend ansieht.

In anderen Situationen kann der oder die Betroffene Dinge langsam machen oder auch mal widersprechen – und fühlt sich dabei weiterhin „okay“. Es kann sein, dass dies eine Zeit lang dauert und jemand sich noch eine Weile nicht gut fühlt, wenn er oder sie den Antreibern nicht gehorcht. Mit der Zeit wird das neue Verhalten jedoch zur Gewohnheit.