Lebensskript und Lebensgrundeinstellungen

Auch das Lebensskript und die Lebensgrundeinstellungen sind wichtige Konzepte der Transaktionsanalyse. Sie helfen, die kindlichen Prägungen und Reaktionen im Erwachsenenalter besser zu verstehen.

Lebensskript

Auch das Lebensskript ist ein wichtiges Konzept der Transaktionsanalyse. Es handelt sich dabei um einen unbewussten Lebensentwurf, der in der Kindheit geprägt wurde und nach dem jemand auch als Erwachsener lebt. Das Lebensskript bestimmt zum Beispiel, wie ein Mensch sich im Berufsleben verhält, wie er seine Beziehungen gestaltet usw.

So machen sich Kinder in den ersten Jahren ein Bild von sich selbst, anderen Menschen und der Welt und davon, wie ihr Leben in etwa verlaufen wird. Dieses Bild wird stark durch die Eltern geprägt, aber auch durch andere Bezugspersonen, Erfahrungen und individuelle Aspekte. Im weiteren Leben wird das Lebensskript dann durch Erfahrungen weiter geformt. 

Das Lebensskript kann negative und positive Aspekte enthalten. In der Transaktionsanalyse liegt der Fokus aber auf den negativen Aspekten – denn hier geht es darum, diese in einer Therapie oder im Coaching zu verändern. Zum Beispiel kann das Lebensskript erklären, warum jemand immer wieder in ähnliche Situationen gerät, die für ihn oder sie unangenehm oder ungünstig sind. 

Aus Sicht von Berne ist das Lebensskript auf ein positives, neutrales oder negatives Endergebnis ausgerichtet. Diese werden auch als Gewinnerskript, Nichtgewinnerskript und Verliererskript bezeichnet. Wichtig ist dabei vor allem die individuelle Sichtweise, ob man sich mit der Gesamtsituation wohlfühlt oder nicht: 

  • Wer ein Gewinnerskript hat, erreicht seine Ziele und fühlt sich damit wohl. 
  • Wer ein Nichtgewinnerskript hat, setzt sich keine hohen Ziele, geht keine Risiken ein und erreicht weder viel noch verliert er oder sie viel. 
  • Wer ein Verliererskript hat, erreicht seine angestrebten Ziele nicht und fühlt sich damit nicht wohl. Es kann aber auch sein, dass jemand eigene Ziele erreicht, sich aber mit dem Ergebnis nicht wohlfühlt. Etwa, wenn jemand im Job gute Leistungen erzielt, aber unter Stress und Erschöpfung leidet – und sich dann trotzdem als Verlierer fühlt.  

Das Lebensskript kann aus Sicht von Berne im späteren Leben jederzeit verändert werden, indem die Betroffenen bewusst andere Entscheidungen treffen. Die Transaktionsanalyse kann dazu beitragen, das Lebensskript bewusst zu machen, daran zu arbeiten und es zu einem günstigeren Lebensplan zu verändern.

Die Lebens-Grundeinstellungen

Aus Sicht von Berne haben Menschen eine innere  Lebens-Grundeinstellung, die Teil des Lebensskripts ist. Sie wird in der Kindheit geprägt und entwickelt sich im Lauf des Lebens. Dabei spielen Erfahrungen, wie auf eigene Bedürfnisse, Wünsche und Interessen eingegangen wurde, eine wichtige Rolle. Im Alltag wechseln Menschen je nach Situation zwischen den Grundeinstellungen hin und her. Allerdings hat jeder Mensch laut Berne eine bevorzugte Grundeinstellung. 

Insgesamt gibt es vier Grundeinstellungen, die auch als Okay-Positionen bezeichnet werden.
Diese werden hier an einem Beispiel erläutert: Lars kommt zum ersten Mal in einen Yoga-Kurs.

Ich bin okay – du bist okay

Bei dieser Grundeinstellung hält jemand sich selbst und andere Menschen für wertvoll. Er oder sie glaubt an die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen, aber auch an die anderer Menschen. Er oder sie begegnet anderen Menschen auf Augenhöhe und geht Probleme und Herausforderungen konstruktiv an. Wichtig dabei: Jemand mit dieser Grundeinstellung führt gar keine Vergleiche und Bewertungen zwischen sich und anderen Menschen (als okay oder nicht okay, besser oder schlechter) durch. 

Beispiel: Lars denkt: „Interessante Leute hier. Ich bin gespannt auf das Programm und die Gruppe.“

Ich bin nicht okay – du bist okay

Hier fühlt sich die Person anderen Menschen unterlegen. Sie sieht ihren eigenen Wert als gering an, zweifelt schnell an den eigenen Fähigkeiten und hält andere Menschen für wertvoller. Wenn sie Anerkennung erhält, kann sie diese nicht annehmen, sondern fühlt sich auf den Arm genommen oder denkt, die anderen wollten sie nur trösten.

Beispiel: Lars denkt: „Die anderen sind viel fitter als ich. Ich stelle mich bestimmt doof an und blamiere mich.“

Ich bin okay – du bist nicht okay

Hier fühlt sich jemand anderen Menschen überlegen und sieht sich als wertvoller und kompetenter als die anderen an. Er oder sie sieht die Schuld bei anderen, wenn etwas falsch läuft, und nimmt auch konstruktive Kritik nicht an. Häufig verhalten sich die Betroffenen herablassend und zeigen wenig Wertschätzung gegenüber anderen.

Beispiel: Lars denkt: „Das sind ja komische Leute hier. Ich glaube, die haben nichts drauf. Und wie die gekleidet sind – unmöglich.“

Ich bin nicht okay – du bist nicht okay

Diese Grundeinstellung ist von Resignation geprägt. Die betroffene Person hält sowohl sich selbst als auch andere Menschen für wertlos und sieht die Dinge als sinnlos an. Sie glaubt, selbst nichts verändern zu können, und zeigt deshalb wenig Motivation und Eigeninitiative.

Beispiel: Lars denkt: „Oh je, hier bin ich wohl als Versager unter Versager geraten. Das hat doch alles keinen Sinn.“

Ebenso wie das Lebensskript können die Lebens-Grundeinstellungen verändert werden. Ziel für eine positive persönliche Entwicklung, eine gute Kommunikation und gute zwischenmenschliche Beziehungen ist, dass jemand die Grundeinstellung „Ich bin okay – du bist okay“ erlangt. Denn dann kann jemand selbstbewusst, authentisch, wertschätzend und konstruktiv kommunizieren und entsprechende Beziehungen haben.