Selbstwertgefühl (Seite 4/7)

Auswirkungen des Selbstwertgefühls

Gestörtes Selbstwertgefühl kann negative Einflüsse auf die Psyche haben

Das Selbstwertgefühl beeinflusst eine ganze Reihe von Aspekten des Lebens: Etwa, wie zufrieden jemand mit seinem Leben ist, wie jemand sich in sozialen Situationen verhält oder welchen Sinn sie oder er im Leben findet.

Positive Folgen eines guten Selbstwertgefühls

  • Es hängt mit psychischem Wohlbefinden, psychischer Gesundheit und einer höheren Lebenszufriedenheit zusammen und beeinflusst die Zufriedenheit im Privatleben und im Beruf.
  • Es geht mit einer höheren Belastbarkeit bei Stress einher. So erleben Menschen mit gutem Selbstwert insbesondere bei Kritik, sozialer Zurückweisung oder Erfahrungen des Scheiterns weniger emotionalen Stress als Menschen mit niedrigem Selbstwert.
  • Darüber hinaus hat es einen positiven Einfluss auf die körperliche Gesundheit. Das hängt zum einen damit zusammen, dass Menschen mit hohem Selbstwert bei Stress belastbarer sind, so dass ungünstige körperliche Auswirkungen von Stress zum Beispiel eine hohe Cortisolausschüttung bei ihnen eine geringere Rolle spielen. Zum anderen sorgen Menschen mit hohem Selbstwert besser für sich selbst und damit meist auch für ihre Gesundheit.
  • Ein gutes Selbstwertgefühl führt dazu, dass jemand sich mehr zutraut und das Vertrauen hat, mit verschiedenen Situationen gut umgehen zu können. Das trägt zu mehr Initiative und Ausdauer und einem größeren Durchhaltevermögen selbst bei Misserfolgen bei.
  • Die Betroffenen wissen, was sie sich wert sind, können besser für sich selbst sorgen und ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse besser verwirklichen.
  • Außerdem haben sie meist befriedigendere soziale Beziehungen. So gehen sie eher eine Partnerschaft ein und haben die Fähigkeit, ihren Partner und andere Menschen emotional zu unterstützen, was zu positiven Beziehungen beiträgt. Außerdem fällt es ihnen leichter, ihre Wünsche zu äußern, Kritik zu üben oder nein zu sagen.
  • Die positive Einstellung zu sich selbst kann auch vor negativen Entwicklungen schützen, etwa, eine psychische Störung oder einen Alkohol- oder Drogenmissbrauch zu entwickeln.

Ein hoher Selbstwert kann jedoch auch ungünstige Auswirkungen haben:

  • Es kann sein, dass Menschen mit hohem Selbstwert sich selbst überschätzen und Aufgaben in Angriff nehmen, denen sie nicht gewachsen sind. Es fällt ihnen möglicherweise schwer, aufzugeben, auch wenn die Aussicht auf Erfolg gering ist.
  • Menschen mit hohem Selbstwertgefühl neigen dazu, bei bisherigen Verhaltensmustern zu bleiben. Sie sind weniger bereit, Kritik oder konstruktives Feedback anzunehmen und haben möglicherweise wenig Interesse, neue Verhaltensweisen auszuprobieren. Das kann ihre persönliche Weiterentwicklung beeinträchtigen.

Auswirkungen eines überhöhten oder instabilen Selbstwerts

  • Problematisch ist ein unangemessen hoher oder überhöhter Selbstwert. Studien haben gezeigt, dass er mit egozentrischem Verhalten, Narzissmus und einem Mangel an Empathie, also Einfühlungsvermögen einhergeht. Auf andere können die Betroffenen überheblich oder rücksichtslos wirken.
  • Ungünstig ist auch ein hoher, aber instabiler Selbstwert. In diesem Fall hängt der Selbstwert stark von äußeren Faktoren oder der Erfüllung von Erwartungen ab und kann stark schwanken. Die Betroffenen reagieren zudem sensibel auf Enttäuschungen, Kritik oder Zurückweisungen.
  • Studien deuten darauf hin, dass ein überhöhter und ein hoher, aber instabiler Selbstwert mit einer erhöhten Neigung zu aggressivem Verhalten und Gewalt einhergehen.

Negative Folgen eines geringen Selbstwertgefühls

Ein niedriger Selbstwert kann sich in starker Schüchternheit, einer starken Angst zu versagen oder in unbegründeten Scham- oder Schuldgefühlen äußern. Ist der Selbstwert sehr niedrig, spricht man auch von einer Störung des Selbstwertgefühls.

Ein niedriges Selbstwertgefühl kann mithilfe von Übungen, einem Coaching oder einer Psychotherapie deutlich verbessert werden.

Zunächst hat ein niedriger Selbstwert verschiedene ungünstige Auswirkungen:

  • Er ist mit einem geringeren psychischen Wohlbefinden und einer geringeren Belastbarkeit bei Stress verbunden, insbesondere, wenn die Betroffenen das Gefühl haben, gescheitert zu sein oder wenn sie Abwertung oder Kritik erleben.
  • Er ist oft mit negativen Gefühlen wie Ängsten, Niedergeschlagenheit, Gekränktsein, Schuld- und Schamgefühlen, Ärger und Gefühlen der Einsamkeit oder der inneren Leere verbunden.
  • Da Menschen mit niedrigem Selbstwert sich wenig zutrauen und viele Situationen vermeiden, erreichen sie oft weniger im Leben oder erreichen wichtige persönliche Ziele nicht.
  • Oft treten Schwierigkeiten in sozialen Beziehungen auf. So haben die Betroffenen häufig Probleme, Nähe oder Distanz nach ihren Bedürfnissen zu regulieren.
  • In Paarbeziehungen kann es sein, dass sie sehr anhänglich sind, sich stark anpassen oder sich dem Partner unterordnen. Außerdem fühlen sie sich schnell zurückgewiesen und neigen bei Schwierigkeiten dazu, sich zurückzuziehen. All das wirkt sich eher ungünstig auf die Partnerschaft aus. So kommt es bei Menschen mit geringem Selbstwert auch häufiger zu Konflikten und Trennungen. Es kann auch sein, dass sie Beziehungen ganz vermeiden, weil sie fürchten, von ihrem Partner enttäuscht oder verlassen zu werden.
  • Manche Menschen mit niedrigem Selbstwert versuchen, ihre Unsicherheit zu überspielen und sich besonders selbstsicher zu geben. Dann wirken sie auf andere häufig selbstgefällig und arrogant. Es kann auch sein, dass sie die Schuld, zum Beispiel für einen Fehler, bei anderen suchen und sich ihnen gegenüber aggressiv verhalten.

Zusammenhang von Störungen des Selbstwerts und psychischen Erkrankungen

Ist der Selbstwert sehr niedrig oder kommen weitere belastende Faktoren hinzu, besteht ein erhöhtes Risiko, eine psychische Störung zu entwickeln. So führt ein niedriges Selbstwertgefühl zu negativen Gefühlen, Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen und zu Einschränkungen beim alltäglichen Handeln. All das erhöht auf Dauer das Risiko, psychisch zu erkranken. Am häufigsten kommt es dabei zu Depressionen und sozialen Phobien.

Ein niedriges Selbstwertgefühl tritt bei vielen psychischen Erkrankungen auf. Oft ist es ein Auslöser dafür, dass jemand psychisch erkrankt. Umgekehrt kann es auch sein, dass als Folge der psychischen Erkrankung ein geringes Selbstwertgefühl auftritt. So werden bei einer Depression beide Wirkrichtungen angenommen: Ein niedriger Selbstwert kann zur Entstehung einer Depression beitragen, er ist aber auch ein Symptom der Depression und tritt als Folge der Erkrankung auf.

Bei Essstörungen wie der Anorexie oder der Bulimie wird der Selbstwert stark von Gewicht und Figur beeinflusst. Daher ist er bei diesen Störungen ebenfalls oft beeinträchtigt. Auch Persönlichkeitsstörungen wie die ängstlich-vermeidende, die abhängige oder die Borderline-Persönlichkeitsstörung sind oft mit einem geringen Selbstwert verbunden.
Daher ist es bei der Vorbeugung und bei der Behandlung vieler psychischer Erkrankungen wichtig, auch den Selbstwert zu stärken.

Allerdings kann auch ein erhöhtes Selbstwertgefühl Symptom einer psychischen Erkrankung sein. Das ist insbesondere bei Manien und bipolaren Störungen der Fall. Bei einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung kann sowohl ein überhöhtes als auch ein beeinträchtigtes Selbstwertgefühl auftreten.