Psychische Gesundheit fördern und erhalten (Seite 5/9)

Woran Sie erkennen, dass eine Therapie sinnvoll sein könnte

Viele Menschen lassen zu viel Zeit verstreichen bis sie einen Psychotherapeuten aufsuchen. Das Warten kann die Symptome unter Umständen verschlimmern, außerdem kann eine psychische Störung chronisch werden.

Vor allem, wenn man unter größerer psychischer Belastung steht, es Risikofaktoren wie psychische Störungen in der Familie gibt oder man einem erhöhten Druck durch die Umwelt ausgesetzt ist, kann Psychotherapie bereits wichtig sein, auch wenn man noch keine psychische Störung entwickelt hat. Psychotherapie ist auch sinnvoll, wenn es darum geht, Rückfälle von psychischen Erkrankungen zu verhüten.

Typische Anzeichen für psychische Probleme

Eine Psychotherapie kann notwendig sein, wenn Gedanken, Gefühle und Verhalten Ihre Lebensqualität beeinträchtigen. Die Beeinträchtigung kann direkt durch die Symptome der Störung, zum Beispiel durch gedrückte Stimmung oder Antriebsminderung, entstehen oder durch die Folgen der psychischen Störung. Manche Betroffene können beispielsweise ihren Beruf nicht mehr ausüben oder verlieren ihren Partner oder soziale Kontakte.

Wenn Sie sich schon lange nicht mehr wohlfühlen, Sie den Eindruck haben, psychisch überfordert zu sein und allein nicht mehr weiterwissen, kann es wichtig sein, dass Sie sich psychotherapeutische Unterstützung suchen. Typische Beschwerden, die Hinweise auf psychische Belastungen sein können, sind vor allem Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen oder Gedächtnisprobleme.

Wenn Sie immer wieder Schwierigkeiten mit Menschen aus Ihrem engeren Umfeld oder zwischenmenschliche Probleme im Arbeitsbereich haben oder beruflich nicht mehr ausreichend leistungsfähig sind, sollten Sie sich nicht quälen, sondern sich Hilfe suchen.

Die Antworten auf die Fragen aus der folgenden Frageliste helfen Ihnen zu erkennen, ob Sie psychische Schwierigkeiten haben. Wenn Sie ein paar Fragen mit „Ja“ beantworten können, könnte professionelle Unterstützung ratsam sein:

  • Sie fühlen sich niedergeschlagen und bleiben es auch bei positiven Ereignissen. Sie können keine konkrete Ursache für diesen Zustand finden?
  • Sie haben das Interesse und die Freude an vielen Dingen verloren, selbst an denen, die Ihnen sonst immer wichtig waren?
  • Sie fühlen sich einfach kraftlos und wissen nicht, warum?
  • Sie fühlen sich plötzlich sehr euphorisch, obwohl es keinen Anlass dafür gibt? Sie sind nicht mehr zu halten, schlafen kaum noch und haben den Eindruck, über außerordentliche Kräfte zu verfügen?
  • Sie sind ständig ängstlich? Sie empfinden Furcht gegenüber bestimmten Gegenständen oder in bestimmten Situationen und können sich das selbst nicht erklären?
  • Sie führen wie unter Zwang immer wieder bestimmte Handlungen durch? Sie haben bereits Rituale entwickelt, ohne die sie bestimmte Situationen nicht mehr ertragen können?
  • Sie haben ständig Angst, krank zu sein? Sie haben immer wieder den Eindruck, an neuen körperlichen Beschwerden zu leiden, ohne dass ein Arzt eine Ursache finden kann?
  • Sie konsumieren regelmäßig Substanzen wie Alkohol, Marihuana, Kokain oder andere Drogen, um immer wieder dieselbe Wirkung zu erleben? Sie leiden unter Entzugssymptomen, wenn sie diese Substanz nicht einnehmen können?
  • Sie leiden immer wieder unter Essattacken? Sie erbrechen regelmäßig nach dem Essen, weil Sie Angst haben, Sie könnten an Körpergewicht zunehmen? Oder im Gegenteil: Sie fühlen sich übergewichtig, obwohl Sie kaum etwas essen? Sie verstecken Ihren Körper unter weiter Kleidung, damit andere nicht sehen, wie viel Sie tatsächlich wiegen? Nach dem Essen müssen Sie sich wie unter Zwang körperlich intensiv bewegen, weil Sie die aufgenommenen Kalorien sofort wieder abarbeiten wollen?

Diese und andere Beschwerden können auch begleitend bei einer körperlichen Erkrankung auftreten. Selbst wenn Ihre körperliche Erkrankung bereits behandelt wird, können sie Hinweise darauf sein, dass Ihnen eine psychotherapeutische Behandlung helfen könnte.
Sie müssen psychische Beschwerden wie Ängste oder depressive Stimmungen nicht einfach aushalten. Eine Psychotherapeutin, ein Psychotherapeut Ihres Vertrauens kann Ihnen helfen, wieder angstfreier oder freudvoller durchs Leben zu gehen.

Wie ein Arzt behandelt auch ein Psychotherapeut Ihre Daten und das, was Sie besprochen haben, vertraulich. Er ist von Gesetzes wegen dazu verpflichtet. Wer die Schweigepflicht verletzt, begeht eine Straftat. Je früher Sie sich professionell beraten lassen, desto schneller erfahren Sie Entlastung und beugen einer psychischen Erkrankung vor oder verhindern, dass eine bestehende Störung chronisch wird.

Bei lebensmüden Gedanken unbedingt Hilfe holen

Suchen Sie professionelle Hilfe auf, wenn Sie sich das Leben nehmen möchten, häufig an den eigenen Tod denken oder sogar schon konkrete Absichten und Pläne haben. Sprechen Sie mit einem Menschen Ihres Vertrauens, wie es Ihnen geht. Aufgrund der extremen Belastungen nehmen Sie Ihre eigene Lebenssituation meist nicht mehr realistisch wahr. Im Nachhinein stellt sich eine solche Phase oft ganz anders dar. Probleme und Situationen, die Ihnen zunächst unüberwindbar erschienen, können Sie später aus einer anderen Sicht wahrnehmen.

Wenn Sie sich in einer akuten Krise mit lebensmüden Gedanken befinden, sollten Sie sich unbedingt Hilfe holen, entweder die Rettung ohne Vorwahl, einfach unter 112 oder die Telefonseelsorge unter 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222 anrufen. 

Psychotherapie bei körperlichen Erkrankungen

Körperliche Erkrankungen wirken sich oft auf die Psyche aus und psychische Störungen gehen fast immer mit körperlichen Beschwerden einher. Eine Psychotherapie wird deshalb auch bei psychosomatischen Beschwerden empfohlen. Von psychosomatischen Krankheiten spricht man, wenn ein körperlicher Befund vorliegt und die Ursache psychisch bedingt ist. Das ist unter anderem bei Asthma, Rheuma, Bluthochdruck, Neurodermitis, Zwölffingerdarmgeschwür oder Migräne der Fall.

Psychotherapie kann auch eine wichtige Unterstützung bei lebensbedrohlichen Krankheiten wie Krebs sein. Eine Therapie kann den Betroffenen helfen, besser mit den psychischen Belastungen, die mit der Diagnose und Therapie einer schweren Krankheit einhergehen, umzugehen.

In der Schmerztherapie kann Psychotherapie ebenfalls nachweislich eine wichtige Unterstützung sein. Denn die innere Haltung spielt eine große Rolle dabei, wie Schmerzen bewertet und wie stark sie wahrgenommen werden.