Mobbing (Seite 2/6)

Formen des Mobbings

Gemessen an der Hierarchieebene, werden verschiedene Formen des Mobbings unterschieden. Ein in disziplinarischer und/oder fachlicher Weisungsbefugnis begründetes Ungleichgewicht zwischen der betroffenen Person und dem Ausübenden sind eine Voraussetzung für „Bossing“, das vom Vorgesetzten ausgeht.

Zwischen gleich gestellten Teammitgliedern sind es Konflikte oder „Mobbing“, wenn sich Mitarbeiter gegen einen Vorgesetzten zusammenschließen, nennt man dies „Staffing“.

Es liegen keine einheitlichen Erkenntnisse darüber vor, wie häufig die einzelnen Ausprägungen vorkommen. Vielmehr überwiegen je nach Studie die Bossing- oder Mobbing-Fälle.

Während die genannten Mobbing-Arten offensichtliche persönliche Angriffe zum Inhalt haben, wird mit dem Begriff „Straining“ eine etwas subtilere und weniger auffällige Form des Mobbings bezeichnet. Hierbei wird das Mobbingopfer beispielsweise übersehen oder nicht informiert.

Markus, 46 Jahre aus Böblingen, arbeitet seit drei Jahren als leitender kaufmännischer Angestellter in einem großen Bauplanungsunternehmen. Zu Beginn war er allseits ein geschätzter Kollege, der mit großem Wirkungskreis, national wie international gut vernetzt seine kaufmännisch steuernde Aufgabe mit großer Hingabe nicht nur erledigte, sondern darin auch aufging.

Die Firma befand sich aufgrund einer Unternehmensnachfolgeregelung im Umbruch und der Geschäftsführer für den Kaufmännischen Bereich geriet unter Druck. Diesen gab er weiter und suchte „einen Schuldigen“ – den er in dem nicht immer bequemen Kaufmann Markus fand. Schleichend wurde intern sein vorher guter Ruf in Frage gestellt, einzelne Protokolle und dann stetig mehr Informationen, die Markus für seine Arbeit benötigte, gingen immer mehr an ihm vorbei. Aus der „Bringschuld“ wurde eine „Holschuld“ der Informationen. Markus wurde aus Meetings „ausgeladen“, immer weniger Dienstreisen wurden genehmigt und er sah sich dem schleichenden Prozess des „Ausgebootet-Werdens“ nicht mehr gewachsen.

Wenn Markus krank war, schickte der Geschäftsführer seinen Personalchef, um nachzusehen, ob er trotz ärztlichem Attest wirklich daheim krank anzutreffen war. Als dann noch Markus‘ erste Tochter geboren wurde, für dessen Geburt er eigentlich drei Wochen Urlaub nehmen wollte, saß er dennoch jeden Tag am Computer, um geschäftliche E-Mails zu beantworten, und ging ans Diensthandy, um noch irgendwie „dran zu bleiben“. Der Wochen später eingeschaltete Personalchef war kurz vor der Pensionierung und focht diesen Kampf für den Mitarbeiter, der Unterstützung gesucht hatte, nicht mehr aus.

Markus‘ Geschäftsführer trieb es auf die Spitze und kündigte ihm ohne Freistellung. Einen Rechtsstreit nahm Markus nicht auf sich, er hatte dafür einfach keine psychische Kraft mehr. Die Arbeitssuche des Mittvierzigers raubte ihm schon so viel Kraft und Zeit. Erst ein Jahr nach der Kündigung kam über einen Kollegen, der Kontakt gehalten hatte, die Nachricht: Der Geschäftsführer wurde wegen dann entdeckten Unregelmäßigkeiten der letzten zwei Jahre vorzeitig entlassen und freigestellt. Leider für Markus zu spät.