Gute Vorsätze auch gegen Widerstände umsetzen (Seite 3/3)

Tipps gegen die Misserfolgsfalle

So gelingt die Umsetzung der eigenen Vorhaben

Der Dreiklang "Vorsatz – Maß – Disziplin" ist der Schlüssel dafür, dass neue Gewohnheiten überhaupt entstehen können. Bei jedem Wunsch nach Veränderung ist es wichtig, realistisch zu bleiben und nicht überhöhte Ziele zu verfolgen: Ist es nicht besser, regelmäßig im Jahr einen kritischen Blick auf sich selbst zu werfen und Dinge, die einen stören, dann tatsächlich zu ändern, anstatt immer wieder zum neuen Jahr quasi im Gruppenzwang das Augenmerk auf gute Vorsätze zu richten, die man dann nur kurzfristig verfolgt und wieder ad acta legt? Stecken Sie sich Ihre Ziele und Vorhaben zu individuellen Terminen, und vor allem mit einem realistischen Zeitplan.

Berücksichtigen Sie dabei auch immer, was für ein Typ Sie sind und wo Ihre Vorlieben liegen. Warum sollten Sie sich vornehmen, regelmäßig mit Freunden joggen zu gehen, wenn Sie nichts schrecklicher finden, als zu laufen? Soll Fitness in Ihrem Leben tatsächlich eine Rolle spielen? Oder sind Sie vielleicht einfach ein Sportmuffel, der Turnschuhe nur zum legeren Outfit trägt und ihnen keine weitere Funktion zuschreibt? Und niemand zwingt Sie, sich einer Rohkost-Diät zu unterziehen, wenn Sie davon nur schlechte Laune bekommen. Es gibt immer mehrere Wege, um an ein Ziel zu kommen. Achten Sie darauf, für die Umsetzung Ihres Vorsatzes einen Weg einzuschlagen, der wirklich gut zu Ihnen passt. Es hilft nicht, sich selbst zu kasteien und immer wieder gegen das quasi vorprogrammierte Scheitern anzukämpfen.

Machen Sie sich klar, dass beinahe jede Veränderung Mühe bedeutet und Disziplin und Durchhaltevermögen erfordert, bevor Sie den Weg hin zu einer Gewohnheitsänderung einschlagen. Rechnen Sie mit Schwierigkeiten: Wenn Sie sich möglicher Hindernisse und Krisenmomente von vorneherein bewusst sind und Lösungsansätze parat haben, werden Sie eventuelle Schwierigkeiten beim Umsetzen Ihrer Vorhaben deutlich besser meistern.

Diplom-Psychologe Fritz Propach rät: „Wenn Sie das Neue Jahr mit guten Vorsätzen beginnen wollen, setzen Sie sich lieber wenige realistische Ziele und versuchen, diese auch zu erreichen, als zu viele utopische Vorhaben zu verfolgen.“

Hinterfragen Sie ehrlich die Motive für Ihre Vorsätze und Ihre Umsetzungsstrategien: Denn für den, der es schafft, seine Vorsätze umzusetzen, sind die Ziele von wirklicher persönlicher Bedeutung und er hat Freude an den Tätigkeiten, die zur Zielerreichung erforderlich sind. Alle anderen, die daran gescheitert sind, unliebsame Gewohnheiten dauerhaft zu ändern, sollten folgendes überdenken.

Alles eine Frage des richtigen Zeitpunkts, um Gewohnheiten allmählich umzustellen

Wer hat schon Lust dazu, sich im Winter, wenn es draußen kalt und ständig dunkel ist, daran zu gewöhnen, vor oder nach der Arbeit joggen zu gehen oder noch mal das Haus zu verlassen, um einer weiteren - wenn auch selbst auferlegten - neuen Verpflichtung nachzugehen. Ist es sinnvoll, sich ausgerechnet dann die Entspannungszigarette zu verbieten, wenn es im Job gerade ganz besonders stressig ist? Wie kann man einen neuen Kurs - sei es eine Fortbildung oder eine Sportart - genießen, wenn privat gerade alles drunter und drüber geht, weil Partner oder Kinder gerade viel Aufmerksamkeit und Zuwendung brauchen. Haben gute Vorsätze eigentlich überhaupt eine Chance, wo doch Stress in Privat- oder Berufsleben, schlechtes Wetter und auch mal Schlappheit oder Unwohlsein quasi Dauerzustand im Leben eines normalen Menschen sind?

Der Vorsatz, einmal die Woche ins Schwimmbad zu gehen oder eine Stunde zu Joggen, müsste doch umsetzbar sein. Aber wie oft entscheidet man sich für das Auto, anstatt mit dem Fahrrad zur Arbeit zu radeln, und mit Begeisterung begonnene Kurse oder Abos verursachen eher ein schlechtes Gewissen, weil man nicht hingegangen ist, als uns Freude zu bereiten. Wie schaffe ich es beispielsweise, langfristig mehr und vor allem regelmäßige Sportaktivitäten in den Alltag zu integrieren?

Auch hier ist weniger wieder mehr: Meist hilft ein Kompromiss dabei, dass sich Vorsätze allmählich zu unverzichtbaren Ritualen entwickeln! Statt sich ein tägliches Sportprogramm aufzuerlegen, kann man sich erst einmal vornehmen, ein oder zwei Mal die Woche zwanzig Minuten aktiv zu werden, mit anschließendem Wohlfühlprogramm zur Belohnung. Statt eines Business-Englisch-Intensivkurses bringt vielleicht auch schon der Konversationskurs etwas, dessen Gespräche man anschließend auch noch in gemütlicher Runde in der Kneipe fortführen kann.

Für jedes zusätzliche Programm zum Alltag muss man erst einmal seine inneren Widerstände überwinden. Es bedarf nicht nur des Vorhabens, sondern auch einer großen Portion Disziplin, um neue Gewohnheiten zu entwickeln. Wenn man sich erst mal aufgerafft hat - egal zu was, merkt man meistens schnell: Das macht ja Spaß. Warum wehre ich mich eigentlich immer so dagegen? Stolz und Glücksgefühl sind dann weiter ausbaufähig. Und wer weiß, vielleicht wird aus der "Pflichtübung" schneller ein inneres Bedürfnis, als man gedacht hat.

Entgehen Sie der Misserfolgsfalle - mit Hilfe dieser zehn Tipps:

  1. Fassen Sie keine guten Vorsätze, nur weil es zum Jahresende alle tun. Nehmen Sie sich nur vor, was Sie selbst wirklich wollen. Setzen Sie sich ausschließlich individuelle Ziele: Sie können Ziele eher erreichen, wenn diese auch wirklich mit Ihren eigenen Interessen    und Werten übereinstimmen.
  2. Nehmen Sie sich nicht gleich mehrere Veränderungen vor. Immer eins nach dem anderen!
  3. Setzen Sie sich für jedes Vorhaben realistische Ziele: Planen Sie von vorneherein kleine Schritte zur Umsetzung Ihrer Vorsätze ein und nähern Sie sich Ihrem Ziel Stück für Stück. Wer den Weg zum Ziel schrittweise umsetzt, hat die größten Aussichten auf Erfolg.    Erreichte Teilziele geben Kraft, weiterzumachen.
  4. Setzen Sie sich konkrete Ziele! Formulieren Sie Ihren guten Vorsatz ganz klar aus und legen Sie bereits im Vorhinein nicht nur einen Weg für die Umsetzung fest, sondern machen Sie sich auch realistische Zeitvorgaben.
  5. Benennen Sie die Vorteile, die Sie sich von der Veränderung erhoffen und schreiben sich diese auf.
  6. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit, um herauszufinden, was Sie wirklich ändern wollen. Was passt zu Ihnen? Was können Sie schaffen? Und vor allem muss man sich sicher sein, dass man eine Veränderung tatsächlich will.
  7. Überlegen Sie sich vorher, wie Sie mit Versuchungen und Krisensituationen umgehen wollen.
  8. Suchen Sie sich "Sparrings-Partner", denn zu zweit oder in der Gruppe sind – je nach Vorhaben - die Motivation und der Spaßfaktor oft höher.
  9. Belohnen Sie sich, wenn Sie erste Erfolge erzielt haben. Sie werden sehen: Mit jedem errungenen Teilziel steigt Ihr Selbstvertrauen und ihre Motivation bleibt erhalten.
  10. Geben Sie nicht auf, wenn Ihre Pläne kurzfristig nicht gelingen sollten - "Ausrutscher" sind erlaubt! Lassen Sie sich ausreichend Zeit, werden Sie sehen: das neue Verhalten stellt sich mit der Zeit mehr oder weniger automatisch ein.

Geschickt über das ganze Jahr verteilt können viele kleine Änderungen bisheriger Angewohnheiten langsam aber sicher zu guten Gewohnheiten werden, die vielleicht mit der Zeit eine ganze Liste erfüllter Vorsätze ergeben. Dann gehören Sie zu den Glücklichen, die sich zum Beginn eines Jahres gar nicht mehr zu denen zählen müssen, die im neuen Jahr alles besser machen - denn Sie sind ja schon zufrieden mit sich!

Quellen:

  1. Umfrage des Allensbach-Instituts im Januar 2007: Link nicht mehr verfügbar
  2. DAK-Gesundheitsbarometer, Forsa-Befragung, Dezember 2007: Link nicht mehr verfügbar
  3. Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos im Auftrag der Allianz AG Ende 2007: Link nicht mehr verfügbar
  4. Eigene Texte von Antje Efkes und Ulrike Propach
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