Behandlung seelischer Verletzungen nach äußerst belastenden Ereignissen (Seite 4/7)

Trauma-Symptome und Verarbeitung eines Traumas

Neurowissenschaftliche Erklärungsansätze

Neurowissenschaftler haben sich damit beschäftigt, welche Veränderungen nach einer Traumatisierung im Gehirn auftreten. Daraus haben sie Hypothesen abgeleitet, was im Gehirn geschieht, wenn die traumatischen Symptome in einer Psychotherapie bearbeitet werden. So haben neurowissenschaftliche Studien gezeigt, dass die Symptome nach einem Trauma mit einer starken Aktivierung der Amygdala einhergehen – einer Region im Gehirn, die beim Erleben von Angst und anderen Emotionen eine wichtige Rolle spielt.

Weitere Untersuchungen haben ergeben, dass diese starke Aktivierung nicht einfach wieder gelöscht werden kann. Sie kann jedoch durch Aktivierung einer anderen Hirnregion, des medialen präfrontalen Cortex, gehemmt werden. Diese Region ist für die bewusste Verarbeitung von Informationen von Bedeutung.

Neurowissenschaftler nehmen daher an, dass während der Verarbeitung des Traumas in der Traumatherapie die Aktivierung des medialen präfrontalen Cortex dazu beiträgt, dass die starke Aktivierung der Amygdala auf Dauer gehemmt wird.

Die bewusste Verarbeitung der traumatischen Erinnerungen und der damit verbundenen negativen Gefühle führt nach Annahme der Forscher dazu, dass das traumatische Ereignis anders bewertet wird und die Erinnerungen an das Trauma in die übrigen Gedächtnisinhalte integriert werden können. Mit dem Trauma verbundene Reize oder Erinnerungen lösen dann keine überwältigenden Gefühle wie starke Angst, Panik, Hilflosigkeit, Ohnmacht oder Wut mehr aus.

Die Bearbeitung des Traumas kann mithilfe verschiedener Methoden erfolgen, zum Beispiel mit einer Konfrontation und Bearbeitung der traumabezogenen Symptome (wie bei der Traumaexposition oder der EMDR), narrativen Techniken, imaginativen oder hypnotherapeutischen Verfahren, eine Förderung der inneren Kommunikation oder körpertherapeutischen Verfahren (wie dem Somatic Experiencing). Diese verfolgen dabei alle  ein ähnliches Ziel, nämlich die Verarbeitung der traumabezogenen Erinnerungen, Gefühle und Körperempfindungen, so dass die Symptome der PTBS zurückgehen oder verschwinden.

Dabei wurde die Wirksamkeit von Traumaexposition, EMDR, der Bearbeitung ungünstiger Denkmuster und narrativer Verfahren in zahlreichen Studien nachgewiesen. Die Wirksamkeit der anderen Verfahren ist bisher noch nicht ausreichend in Studien untersucht und nachgewiesen worden.

Bei schweren oder mehrfachen Traumatisierungen hat es sich jedoch als günstig erwiesen, schonendere Verfahren der Traumaverarbeitung einzusetzen, etwa das Somatic Experiencing nach Peter Levine oder die Schonende Traumatherapie nach Martin Sack.