Traumatherapie

Behandlung von Akuter Belastungsreaktion und posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS)

19.10.2015Von Dr. Christine Amrhein

Bei einer posttraumatischen Belastungsstörung oder wenn man sich durch ein traumatisches Ereignis stark belastet fühlt, ist es günstig, rasch eine Psychotherapie zu beginnen. Es gibt eine Reihe wirksamer Therapiemethoden, die oft miteinander kombiniert werden. Die Kognitive Verhaltenstherapie und EMDR haben sich als am wirksamsten erwiesen. Die Therapie verläuft unabhängig von den konkret eingesetzten Methoden meist sehr ähnlich:

  • im Therapieverlauf werden meist drei Phasen unterschieden: Stabilisierungsphase, Trauma-Konfrontation und Integrationsphase
  • ein wichtiges Element in der Therapie ist die Trauma-Konfrontation, bei der sich der Patient kontrolliert an das traumatische Geschehen erinnert und es auf diese Weise verarbeitet
  • Therapiemaßnahmen sind die Einbeziehung von Partner und Angehörigen, körpertherapeutische Verfahren und ggf. die Einnahme von Psychopharmaka

Behandlung einer Akuten Belastungsreaktion

Bei einer Akute Belastungsreaktion wird zwischen Maßnahmen der psychischen Ersten Hilfe und der psychologischen Frühinterventionen unterschieden.

Psychische Erste Hilfe

Sie wird direkt am Ort des traumatischen Geschehens eingesetzt und soll in der extrem belastenden Situation psychische Unterstützung leisten. Der Behandler vermittelt den Betroffenen, dass er als Ansprechpartner für sie da ist, ihre Gefühle annimmt und ihnen zuhört. Er erhält das Gespräch mit den Traumatisierten aufrecht, vermittelt ihnen ein Gefühl der Sicherheit und ermuntert sie, ihre Gefühle zuzulassen.

Psychologische Frühintervention

Die Maßnahmen der Frühintervention sollen zum einen die akute Symptomatik lindern und zum anderen verhindern, dass sich eine PTBS entwickelt. Sie orientieren sich an Behandlungsansätzen für die Posttraumatische Belastungsstörung.

Bisherige Studien zeigen, dass Frühinterventionen, die kognitiv-verhaltenstherapeutisch ausgerichtet sind, traumaspezifische Symptome wirksam verringern können. Allerdings ist bisher unklar, zu welchem Zeitpunkt psychologische Frühinterventionen am besten eingesetzt werden sollten. Bisher wurde sie zum Teil in den ersten 24 Stunden nach dem Trauma, zum Teil erst einige Wochen oder Monate später durchgeführt.

Umstrittene Methode: Debriefing

Beim Debriefingi werden mit den Traumatisierten eher unspezifische Gespräche geführt, bei denen sie ihre Erlebnisse immer wieder erzählen sollen. Dadurch soll ihre Erregung nachlassen und eine gewisse Verarbeitung des Traumas stattfinden. Die Gespräche werden oft nicht von Traumaexperten, sondern von Laien durchgeführt. Es wird heute empfohlen, das Debriefing nicht mehr anzuwenden.

Studien haben nämlich gezeigt, dass diese früher oft eingesetzte Methode nur in manchen Fällen kurzfristig positive Effekte hat – und dass nach einem Debriefing sogar häufiger eine PTBS auftritt als ohne diese Methode.