Systemische Therapie

Eine gestörte Psyche ist Ausdruck eines gestörten Systems

26.09.2016 Beschreibung: Deutsche Ges. für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF)

Die Systemische Therapie hat sich aus der Arbeit mit Familien entwickelt, beginnend in den 50'er Jahren mit Familien mit einem schizophrenen Mitglied. Theoretische Grundlage heutiger Systemischer Therapie sind Kommunikationstheorie, Kybernetik, Systemtheorie und sozialer Konstruktivismus. Kerngedanke der Systemischen Therapie ist die Annahme, dass der Schlüssel zum Verständnis und zur Veränderung von Problemen weniger in der behandelten Person allein liegt, sondern im (familiären) Zusammenhang, in dem das Problem steht, zu finden ist. Sie stellt neben Psychoanalyse, Verhaltenstherapie und den humanistischen Therapien eine weitere bedeutende Therapieform dar.

Systemische Therapie ist an Beziehungsprozessen der Personen interessiert, die an der Entstehung und Aufrechterhaltung eines Problems beteiligt, und daher auch für Veränderungs- und Lösungsprozesse von Bedeutung sind. Dazu gehören nicht unbedingt nur Familienmitglieder, auch andere Personen oder Institutionen können von Bedeutung sein (die beteiligten Personen müssen bei einer Systemischen Therapie jedoch nicht unbedingt anwesend sein).

In der Entwicklung von Familientherapie und systemischem Denken kam es zur Ausbildung diverser verschiedener Richtungen, wobei die Haltung von systemischen Therapeuten mal mehr die eines direktiven Experten (z.B. strategische und strukturelle Familientherapie) bzw. die eines Partners (z.B. konstruktive, narrative und lösungsorientierte Ansätze) sein wird.

In systemischen Therapien werden oft metaphorische Techniken eingesetzt, insbesondere sogenannte Skulpturen. Dabei werden beispielsweise Familienmitglieder von einer Person derart im Raum aufgestellt, so dass die Position und Haltung der Mitglieder ein Bild ihrer familiären Beziehungen ergibt. Das mittlerweile recht bekannte "Familienstellen nach Hellinger" stellt eine spezifische Variante dieser Technik dar, die in Fachkreisen zum Teil sehr kritisch gesehen wird.

Verwendet werden in der systemischen Gesprächsführung "zirkuläre" Fragen sowie weitere Frage- und Interventionstechniken, die gleichermaßen dazu dienen, das Problem und die Sicht darauf zu erkennen und diese zu "verstören" und somit neue Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten eröffnen.

Die Systemische Therapie arbeitet neben Familien auch mit Einzelpersonen, Paaren (Paartherapie) und Organisationen. Im Gegensatz zu vielen anderen Therapien können die Sitzungen in unregelmäßigen und oft größeren Abständen stattfinden, dies richtet sich nach dem Bedarf der Klienten.

Systemische Therapie ist Richtlinienpsychotherapiemethode

Im Rahmen der Nutzenbewertung der Systemischen Therapie durch den Gemeinsamen Bundesausschuss für die Zulassung als weiteres Psychotherapie-Richtlinienverfahren konnte ihr Nutzen und ihre Wirksamkeit ausreichend belegt werden. Dabei  wurde ihre Wirksamkeit für fünf Störungsbereiche nachgewiesen:

  • Angststörungen und Zwangsstörungen
  • Unipolare depressive Störungen
  • Schizophrenie
  • Substanzkonsumstörungen
  • Essstörungen

Spätestens Ende 2019 dürfte die Systemische Therapie endgültig als weitere Richtlinienpsychotherapiemethode anerkannt und in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherungen aufgenommen worden sein. Dann werden Behandlungen mit Systemischer Therapie von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.