Schematherapie (Seite 3/5)

Bewältigungsstile und Schema-Modi

Um mit den Schemata und den damit zusammenhängenden, oft schwer erträglichen Gefühlen umzugehen, entwickeln die Betroffenen nach Young bestimmte Bewältigungsstile.

Bewältigungsstile

Die Bewältigungsstile können von Situation zu Situation variieren. Young unterscheidet drei ungünstige (maladaptive) Bewältigungsstile:

Beim „Sich-Fügen / Erdulden“ fügt sich jemand in sein Schema. Er führt dann oft Situationen selbst herbei, die das Schema auslösen und hält die Situation aus, ohne etwas zu verändern. Hat jemand zum Beispiel das Schema „Selbstaufopferung“, tut er alles Mögliche für andere, so dass er kaum Zeit für sich selbst hat. Obwohl ihm dies nicht gut tut, versucht er nicht, die Situation zu verändern.

Bei der „Überkompensation“ kämpft der Betroffene gegen das Schema an, verbirgt die damit zusammenhängenden Bedürfnisse und Gefühle und versucht, sich seinem Schema entgegengesetzt zu verhalten. So versucht jemand mit dem Schema „Unzulänglichkeit“ zum Beispiel, alles perfekt zu machen – oder er neigt dazu, anderen die Schuld zu geben, wenn etwas falsch läuft.

Der dritte Bewältigungsstil ist das „Vermeiden“. Hier verhält sich jemand so, dass das Schema möglichst nicht aktiviert wird – zum Beispiel, indem er seine Gefühle unterdrückt, enge Beziehungen vermeidet oder Ablenkung durch Alkohol oder Drogen sucht.

Typische, ungünstige Bewältigungs-Modi können auch schnelles Beleidigtsein, Aggression oder Angeberei sein.

Ein Bewältigungsstil besteht nach Young aus einer Reihe von Bewältigungsreaktionen. Die Bewältigungsreaktion tritt in einer konkreten Situation auf und äußert sich in Form eines bestimmten Verhaltens, bestimmter Gedanken und / oder bestimmter Gefühle.

Schema-Modi sind nach Young Erlebens- und Verhaltensmuster, die durch bestimmte Ereignisse ausgelöst werden und in einem konkreten Augenblick aktiv sind.

Schema-Modi

Diese Modi sind meist ungünstig. Außerdem können sie in mehr oder weniger starkem Maß vom Rest der Persönlichkeit abgeschnitten (dissoziiert) sein. Typisch ist, dass jemand in der konkreten Situation, in der ein Schema aktiviert wird, intensive Gefühle erlebt, die sich nicht allein durch die Situation erklären lassen. Stattdessen werden in diesem Moment Gefühle aktiviert, die durch die Vernachlässigung der Grundbedürfnisse in der Kindheit entstanden sind.

Young unterscheidet zwischen vier Kind-Modi, drei dysfunktionalen Bewältigungs-Modi (sie entsprechen den oben beschriebenen Bewältigungsstilen), zwei dysfunktionalen Eltern-Modi und zwei gesunden Erwachsenen-Modi. Ziel der Therapie ist es, die ungünstigen Kind-, Eltern- und Bewältigungs-Modi zu reduzieren und die günstigen Modi – die Modi des gesunden Erwachsenen und den Modus des glücklichen Kindes – zu stärken.

So kann sich der Betroffene in einer bestimmten Situation fühlen und verhalten wie ein verletzbares / verlassenes / zurückgewiesenes Kind, dessen Gefühle verletzt wurden und das sich ängstlich oder einsam fühlt. Er kann sich fühlen und verhalten wie ein verärgertes / wütendes Kind, das verärgert ist, weil seine Bedürfnisse nicht erfüllt werden und das handelt, ohne an die Folgen zu denken. Weiterhin kann jemand sich fühlen und verhalten wie ein impulsives / undiszipliniertes Kind, das Frustrationen nur schwer erträgt und nur nach seinen Wünschen und Neigungen handelt, ohne an die Konsequenzen zu denken. Schließlich gibt es den Modus des glücklichen Kindes, bei dem jemand Freude und Spaß empfindet, die Dinge genießt und sich spielerisch verhält.

Die ungünstigen Eltern-Modi kommen dadurch zustande, dass der Betroffene das frühere, ungünstige Verhalten seiner Eltern oder anderer Bezugspersonen wie Großeltern oder Lehrer verinnerlicht hat. Nun verhält er sich selbst gegenüber so, wie es früher seine Bezugspersonen getan haben. Die Eltern-Modi sind quasi wie innere Stimmen, die jemand in bestimmten Momenten “hört”. Man unterscheidet einen abwertenden / bestrafenden Eltern-Modus und einen fordernden Eltern-Modus. Im abwertenden Eltern-Modus nimmt jemand sich selbst gegenüber eine abwertende, bestrafende, verletzende oder vernachlässigende Haltung ein. Beim fordernden Eltern-Modus stellt er an sich selbst überhöhte Anforderungen, die nicht oder nur schwer zu erfüllen sind. Das können entweder überhöhte Ansprüche an die eigene Leistung oder an die sozialen Beziehungen sein (zum Beispiel, es allen Recht machen zu müssen).

Oft kommt es zwischen den verschiedenen Modi zu inneren Spannungen, etwa zwischen den Forderungen der Eltern-Modi und der Reaktion des verletzbaren Kindes. So sagt die “innere Stimme” der Eltern zum Beispiel, dass eine Aufgabe sofort und perfekt erledigt werden muss, während das verletzbare “innere Kind” sich überfordert fühlt und dazu neigt, die Aufgabe vor sich herzuschieben. Gelingt es dem Betroffenen nicht, die innere Spannung zu reduzieren, kann das auf Dauer zu psychischen Symptomen führen.

Die gesunden Erwachsenen-Modi und der Modus des “glücklichen Kindes” umfassen – im Gegensatz zu den übrigen Modi – günstige Verhaltensweisen.  Es wird ein sich kümmernder Erwachsenen-Modus und ein begrenzender Erwachsenen-Modus unterschieden. Beim sich kümmernden Modus nimmt jemand seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse wahr und kümmert sich in günstiger Weise darum, dass seine Bedürfnisse befriedigt werden. Beim begrenzenden Modus setzt er sich selbst sinnvolle Grenzen und übernimmt die Verantwortung für sein Handeln, ohne sich dabei zu überfordern oder sich selbst abzuwerten.

In der Therapie werden die verschiedenen Modi spielerisch eingesetzt, so dass der Patient die ungünstigen Verhaltensmuster erkennen und verändern kann. Dabei können Therapeut und Patient für die Modi auch andere Namen finden, die vom Patienten als passend empfunden werden.