Psychopharmaka (Seite 7/8)

Psychostimulanzien

Anwendungsgebiete und Wirkweise

Unter Psychostimulanzien (z. B. Medikamente für ADHS) versteht man Substanzen, die eine anregende Wirkung auf den Organismus haben. Sie erhöhen die Aktivität oder die Geschwindigkeit der Nervenzellen und wirken dadurch antriebssteigernd und kurzfristig leistungs- und konzentrationssteigernd.

Bei psychischen Krankheiten werden Psychostimulanzien vor allem zur Behandlung der Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) eingesetzt. Einige Medikamente kommen auch bei der Narkolepsie zur Anwendung, einer neurologischen Erkrankung, bei der Schlafattacken während des Tages auftreten.

Die Behandlung mit Psychostimulanzien kann bei ADHS dazu beitragen, die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit zu verbessern. Dadurch nimmt häufig auch die Fähigkeit zu, den Alltag zu strukturieren und Probleme, die mit der Erkrankung in Zusammenhang stehen, aktiv anzugehen.

Viele Psychostimulanzien gehören zur Gruppe der Amphetamine, die die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin aus dem synaptischen Spalt hemmen und gleichzeitig die Freisetzung von Dopamin steigern. Auf diese Weise sorgen sie dafür, dass diese Botenstoffe verstärkt zur Verfügung stehen.

Durch die starke „Belohnungswirkung“ des Botenstoffs Dopamin bergen viele Psychostimulanzien die Gefahr einer Abhängigkeit. Zu den Psychostimulanzien gehören z. B. auch Nikotin, Rauschmittel wie Kokain oder Ecstasy, aber auch Genussmittel wie Kaffee.

Arten von Psychostimulanzien bei der Behandlung der ADHS

a. Methylphenidat

Methylphenidat („Ritalin“) ist das Medikament der ersten Wahl bei der Behandlung von ADHS. Seit 2011 ist es erstmals auch zur Behandlung der ADHS bei Erwachsenen zugelassen. Bei Einnahme nach ärztlicher Verordnung wurden bei Methylphenidat bisher keine Fälle von Abhängigkeit beobachtet. Allerdings besitzt das Medikament ein Abhängigkeitspotential, das heißt, dass es bei unsachgemäßer Anwendung zu einer Abhängigkeitsentwicklung kommen kann. Daher unterliegt Methylphenidat auch dem Betäubungsmittelgesetz.

Untersuchungen haben ergeben, dass Kinder und Jugendliche mit ADHS ein erhöhtes Risiko haben, eine Abhängigkeit von Substanzen wie Alkohol, Nikotin oder Drogen zu entwickeln. Weitere Studien zeigen, dass sich dieses Risiko durch eine Behandlung mit Methylphenidat dem Risiko von Kindern ohne ADHS angleicht – es könnte also eine schützende Wirkung vor Abhängigkeit haben. 

Der Wirkstoff sollte nur bei einer gesicherten ADHS-Diagnose und nur in Kombination mit anderen Behandlungsmethoden (z. B. Psychotherapie, kognitivem Training) zum Einsatz kommen. Zu Beginn der Behandlung findet eine sorgfältige Einstellung statt, bei der die notwendige Dosierung und die Wirkungsdauer des Medikaments bestimmt werden.

Nebenwirkungen treten vor allem in der Einstellungsphase auf und gehen anschließend meist wieder zurück. Häufige Nebenwirkungen sind Magenbeschwerden, Kopfschmerzen und Appetitminderung, selten kann es zu Schlafstörungen  und Ticstörungen kommen. Bei zu hoher Dosierung können Unruhe und innere Anspannung, aber auch einer verminderter Antrieb auftreten. Diese Nebenwirkungen können aber meist durch eine Anpassung der Dosis wieder rückgängig gemacht werden. Weiterhin kann es bei sehr hoher Dosierung zu einer Wachstumsverzögerung kommen. Diese wird nach dem Absetzen der Medikation meist wieder aufgeholt.

b. Atomoxetin

Atomoxetin gehört zur Gruppe der selektiven Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer und kann ebenfalls bei ADHS eingesetzt werden. Anders als bei den übrigen ADHS-Medikamenten tritt die Wirkung erst nach einigen Wochen ein. Atomoxetin führt nicht zu Abhängigkeit und unterliegt auch nicht dem Betäubungsmittelgesetz.

Das Medikament wird verordnet, wenn ein Kind oder Jugendlicher nicht auf Methylphenidat anspricht, wenn ein Substanzmissbrauch vorliegt oder wenn parallel zur ADHS eine Ticstörung oder Angststörung vorhanden ist.

Mögliche Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Müdigkeit und eine erhöhte Herzfrequenz. Allerdings wurde bei Kindern auch ein erhöhtes Auftreten von aggressivem Verhalten, Suizidgedanken und Suizidhandlungen beobachtet. Diese Symptome sollten, vor allem zu Beginn der Behandlung, sehr aufmerksam beobachtet werden. Beim Auftreten von Suizidgedanken sollte das Medikament abgesetzt werden.

c. Amphetaminpräparate

In Deutschland gibt es seit Dezember 2011 ein Medikament aus dieser Wirkstoffgruppe mit dem Wirkstoff Dexamfetamin, das für Kinder und Jugendliche zugelassen ist. Es sollte nur verschrieben werden, wenn andere ADHS-Medikamente keine ausreichende Wirksamkeit gezeigt haben.

Studien zufolge kommt es bei der bei ADHS üblichen, niedrigen Dosierung und Einnahme über den Mund nicht zur Abhängigkeitsentwicklung. Dennoch wird empfohlen, Dexamfetamin nicht als Langzeitmedikation zu verwenden und es bei Beendigung der Einnahme ausschleichend, also in mehreren Schritten, abzusetzen. Ähnlich wie Methylphenidat besitzt Dexamfetamin ein Abhängigkeitspotential, das heißt, dass es bei unsachgemäßer Anwendung zu einer Abhängigkeitsentwicklung kommen kann. Dexamfetamin unterliegt ebenfalls dem Betäubungsmittelgesetz.

Die Substanz kann verschrieben werden, wenn die Betroffenen auf Methylphenidat und Atomoxetin nicht ausreichend ansprechen oder wenn sie bei Methylphenidat depressive Verstimmungen oder Ticstörungen entwickeln. Auch wenn zusätzlich zur ADHS aggressive Verhaltensstörungen oder soziale Störungen vorliegen, wird häufig auf Amphetaminpräparate zurückgegriffen.

Es können ähnliche Nebenwirkungen auftreten wie bei Methylphenidat. Häufige Nebenwirkungen sind ein verminderter Appetit und Schlafstörungen. Bei zu hoher Dosierung kann es zu Herzrasen, Bluthochdruck, Schweißausbrüchen, Erregungszuständen und Aggressivität kommen. Ähnlich wie bei Methylphenidat können auch bei Dexamfetamin Wachstumsverzögerungen auftreten, die nach dem Absetzen der Medikation meist wieder aufgeholt werden.

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