Therapie und Beratung für ein liebevolleres Miteinander (Seite 2/4)

Begleitung von partnerschaftlichen Veränderungsprozessen

Charakteristisch für eine Paartherapie ist, dass sich der Behandler nicht als Experte sieht, der die Probleme des Paares löst. Stattdessen tritt er als Moderator auf, der den Veränderungsprozess in der Partnerschaft anleitet und begleitet. Dabei macht er deutlich, dass die Probleme in der Partnerschaft durch die wechselseitigen Beziehungsmuster entstehen und keinen der beiden Partner die Schuld an den Problemen trifft.

Der Therapeut bemüht sich aktiv, eine vertrauensvolle Beziehung zu den Partnern aufzubauen und einen Rahmen zu schaffen, in dem beide ihre Gefühle und Bedürfnisse ausdrücken können. Dabei nutzt er meist die Merkmale der klientenzentrierten Gesprächsführung nach Carl Rogers: Er bringt beiden Partnern Wertschätzung entgegen, fühlt sich in ihre Gefühle und Gedankenwelt ein (Empathie) und verhält sich so, wie er wirklich ist (Echtheit).

Ein wichtiges Ziel der Paartherapie ist, die Autonomie und Eigenverantwortung der Partner zu fördern, so dass sie langfristig in der Lage sind, ihre Probleme selbständig zu lösen und eine glücklichere Partnerschaft zu führen.

Dabei legt der Therapeut viel Wert auf die Ressourcen und Stärken der beiden Partner – zum Beispiel, was sie trotz aller Schwierigkeiten gut gemeistert haben. Er hebt auch kleine Veränderungen in eine positive Richtung hervor und lobt die Klienten dafür ausgiebig. Gleichzeitig kann er auch die positiven Aspekte von bisher negativ gesehenem Verhalten aufzeigen. Zum Beispiel kann der Vorwurf „Schon wieder hast Du unseren Hochzeitstag vergessen!“ auch interpretiert werden als: „Du bist mir wichtig. Deswegen wünsche ich mir, dass Du an unseren Hochzeitstag denkst. Schließlich liebe ich Dich immer noch.“

Die Vorteile einer Paartherapie

Mann und Frau, die einander den Rücken zukehren

Wenn sich zwei Partner in einer Krise befinden, sind viele, oft heftige Gefühle im Spiel: Wut, Enttäuschung, Verletzung, Traurigkeit. Die Therapeutin als „neutrale Dritte“ kann dazu beitragen, die problematischen Themen trotz dieses Gefühlswirrwarrs konstruktiv anzugehen. Sie ist diejenige, die im Gespräch Ruhe und Besonnenheit bewahrt und so einen konstruktiven Rahmen anbietet, in dem sich beide Partner begegnen können. Zudem kann sie das Gespräch durch bestimmte Gesprächstechniken gezielt in eine Richtung lenken, mehr Ruhe in ein emotional geladenes Gespräch bringen und den Klienten dabei helfen, ihre momentanen Gefühle klarer wahrzunehmen.

Dabei hat die Therapeutin als Außenstehende und als Expertin für zwischenmenschliche Beziehungen oft mehr Autorität, um den Gesprächsverlauf zu lenken und Veränderungen anzustoßen. Schließlich kann sie den Partnern Zuversicht vermitteln, wenn diese die Situation als ausweglos ansehen. So kann sie zum Beispiel nach einer Sitzung, die nicht gut lief, sagen: „Heute ging es nicht gut mit unserem Gespräch. Da sind viele Gefühle hochgekommen, auch viel Wut und Verletzung. Und dann ist man natürlich kaum in der Lage, Lösungen zu finden. Aber solche Gefühle sind mal mehr da und mal weniger. Ich bin sicher, dass es gute Chancen gibt, dass wir in den nächsten Sitzungen besser vorankommen werden.“

Bei folgenden Problemen ist eine Paartherapie sinnvoll

Typische Probleme, die in der Paartherapie behandelt werden, sind:

  • Konflikte und Krisen, in denen der Streit so weit eskaliert ist, dass beide keine Weg mehr sehen, wie es weitergehen könnte und nicht mehr in der Lage sind, gemeinsam konstruktiv nach Lösungen zu suchen
  • belastende Lebenssituationen, die sich auf die Partnerschaft auswirken (zum Beispiel Belastungen durch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Übergangssituationen wie Umzug oder Auszug der Kinder)
  • Umgang mit Untreue von einem oder beiden Partnern
  • Gewalt in der Partnerschaft
  • Umgang der Partner mit Trennung oder Scheidung
  • psychische oder körperliche Erkrankung bei einem der beiden Partner, die durch Beziehungsprobleme verstärkt wird und / oder die Partnerschaft stark belastet
  • wenn beide Partner sich emotional voneinander entfernt haben und nun nach Wegen suchen, um die Partnerschaft neu zu beleben

Erfolg einer Paartherapie hängt stark von den Paaren selbst ab

Viele Paare suchen eine Paartherapie oder Paarberatung erst dann auf, wenn ihre Konflikte schon relativ weit fortgeschritten sind. Deshalb hat die Paartherapie nur eine eingeschränkte Wirksamkeit. Dennoch haben Studien gezeigt, dass es bei etwa der Hälfte bis zwei Drittel der Paare, die an einer Paartherapie teilnahmen, zu deutlichen klinischen Verbesserungen kommt. Außerdem berichtete etwa die Hälfte der Paare über eine deutlich höhere Zufriedenheit mit der Partnerschaft.