Online-Therapie (Seite 5/7)

Zukunft der Online-Therapie

Qualität sicherstellen und Online-Therapien für viele Patienten verfügbar machen

Bisher wurden in Deutschland keine Qualitätsstandards entwickelt, mit denen die Qualität der Online-Therapie-Angebote überprüft werden kann. Außerdem gibt es bisher keine rechtlichen Rahmenbedingungen, um eine Psychotherapie per Internet zu einem Teil der regulären Gesundheitsversorgung zu machen. So ist es laut der Musterberufsordnung der Psychotherapeuten zwar nicht verboten, Online-Therapien durchzuführen. Eine Psychotherapie darf aber nur „in begründeten Ausnahmefällen und unter Beachtung besonderer Sorgfaltspflichten“ über elektronische Medien stattfinden. Dagegen gehören Psychotherapie-Angebote im Internet in anderen Ländern wie Großbritannien, den Niederlanden oder Schweden bereits zur regulären Gesundheitsversorgung und werden auch von den Krankenkassen erstattet.

Experten und Fachgesellschaften fordern deshalb, auch in Deutschland die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, damit Online-Therapien als Teil der regulären Gesundheitsversorgung angeboten und auch mit den Krankenkassen abgerechnet werden können.

Dabei sollten Internetangebote zur Behandlung oder Vorbeugung psychischer Erkrankungen bestimmte Gütekriterien erfüllen. So könnten die oben genannten Qualitätskriterien durch Experten, aber auch zusammen mit Patienten und Vertretern der Krankenkassen weiterentwickelt und daraus ein Gütesiegel entwickelt werden, das für eine verlässliche Qualität steht – ähnlich wie Gütesiegel für medizinische Webseiten. Anschließend sollten die einzelnen Online-Therapie-Programme von einer unabhängigen Institution überprüft werden, um das Gütesiegel zu erhalten. Angebote, die das Gütesiegel besitzen, sollten von Psychotherapeuten oder Fachärzten wie andere medizinische Leistungen verordnet und mit den Krankenkassen abgerechnet werden können.

Um eine hohe Qualität zu gewährleisten, sollte die Wirksamkeit des Angebots durch wissenschaftliche Studien belegt sein und es sollte von Fachleuten (approbierten Psychotherapeuten oder Fachärzten im Bereich Psychotherapie) durchgeführt werden. Weiterhin sollte bei einer Online-Therapie die gleiche Sorgfalt gelten wie bei einer Face-to-Face-Behandlung.

Die Diagnostik, die Aufklärung über die Behandlung und die Einwilligung des Patienten sollten in jedem Fall in einem persönlichen Gespräch stattfinden. Dabei sollte der Patient auch auf die Risiken der Datenübermittlung über elektronische Medien hingewiesen werden.

Weiterhin sollte jeder Behandler im Einzelfall überprüfen, ob eine Online-Therapie für den Patienten geeignet ist und wenn ja, welches Angebot sich am besten eignet. Gleichzeitig muss er eine kontinuierliche Begleitung und Überwachung der Therapie sicherstellen. Dabei sollte er vor allem auf mögliche Verschlechterungen oder Gefährdungen des Patienten achten und für diese Fälle eine entsprechende Unterstützung sicherstellen.

Schließlich ist es wichtig, dass eine Software, die Therapeuten regelmäßig im Arbeitsalltag zur Durchführung oder Ergänzung von Psychotherapien über elektronische Medien einsetzen, eine angemessen gute Übertragungs- und Gesprächsqualität sowie gleichzeitig einen hohen Datenschutz-Standard gewährleistet.

Wirksamkeit und Wirkfaktoren genauer untersuchen

Wichtig ist auch, weitere Studien zu Online-Therapien durchzuführen – zum einen, um ihre Wirksamkeit weiter zu belegen, zum anderen, um besser zu verstehen, wie sie wirken und unter welchen Bedingungen sie wirksam sind.

So sollte genauer untersucht werden, welche Online-Angebote für welche Patienten besonders geeignet bzw. nicht geeignet sind, wie intensiv der therapeutische Kontakt bei einzelnen Erkrankungen oder einzelnen Patienten sein sollte oder wie internetbasierte Ansätze am besten mit Face-to-Face-Therapien kombiniert werden können.

Außerdem ist es wichtig, herauszufinden, in welchen Fällen eine Online-Therapie nicht ausreichend ist und stattdessen eine Therapie in einer psychotherapeutischen Praxis oder einer psychiatrischen Klinik notwendig ist (zum Beispiel bei schwer ausgeprägten Störungsbildern).

Auch die Gründe, warum Patienten Online-Therapien abbrechen, sollten genauer untersucht werden, um die Angebote gezielt verbessern zu können. Schließlich sollte die langfristige Wirksamkeit von Online-Therapien (über das Ende der Therapie hinaus) in Zukunft weiter untersucht werden.