Musiktherapie (Seite 3/5)

Formen der Musiktherapie

Musiktherapie wird, um den unterschiedlichen Aufgaben gerecht zu werden, in verschiedenen Settings realisiert. Hier sollen formale Bedingungen musiktherapeutischer Settings genannt werden. Man unterscheidet die zwei Gruppen der rezeptiven und der aktiven Musiktherapie. Die rezeptive Musiktherapie wirkt therapeutisch durch das Hören bestimmter, bereits fertiger oder improvisierter Musikstücke. Kernstück der aktiven Musiktherapie ist die musiktherapeutische Improvisation, in der Klienten bzw. Patienten nach bestimmten Vorgaben oder frei improvisieren. Weiterhin ist die Einzelmusiktherapie von der Gruppenmusiktherapie zu unterscheiden. Die Gruppengröße ist auch aus pragmatischen Gründen unterschiedlich, sollte jedoch zehn Teilnehmer sicher nicht überschreiten.

Häufig werden Perkussionsinstrumente und solche aus dem Bereich der Orffschen Instrumente verwendet, manche Therapeuten arbeiten z. B. auch mit selbst hergestellten Instrumenten. Musiktherapie bedeutet nicht, daß ausschließlich musikalisch gearbeitet werden muß. Im Sinne einer Aufarbeitung musikalischer Inhalte einer Improvisation ist ein verbaler Teil in die musiktherapeutische Sitzung integriert. Die Sitzungsfrequenz ist ebenso wie die notwendige Dauer der Behandlung von der individuellen Problematik abhängig und im Rahmen eines Gesamttherapiekontextes zu sehen. Als Sitzungdauer empfiehlt sich ein Zeitraum zwischen 30 und 120 Minuten. Sämtliche Formen der Musiktherapie können sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich durchgeführt werden. In der folgenden Tabelle werden Formen, Einsatzbereiche und Zielsetzungen der Musiktherapie zusammenfassend dargestellt.

Medium / DurchführungEinsatz-/ BehandlungsbereicheZielsetzung
Aktive Musiktherapie
Musiktherapeutische Improvisation mit Stimme / Instrument, anschl. VerbalisierungPsychiatrie, Psychosomatik, Geriatrie, Somatische Medizin, Sonderpädagogik, SelbsterfahrungSupportiv, analytisch, symptomzentriert, persönlichkeitszentriert, funktional, kommunikationsfördernd
Rezeptive Musiktherapie
Musik hören von Tonträger / von Therapeut gespieltes Instrument, anschl. VerbalisierungPsychiatrie, Psychosomatik, Geriatrie, Somatische Medizin, Palliation, Sonderpädagogik, SelbsterfahrungAnalytisch, symptomzentriert, persönlichkeitszentriert
Animative Musiktherapie
Lieder singen nach Vorgabe, Instrumente spielen nach Vorgabe, selten VerbalisierungGeriatrie, Heil- und SonderpädagogikFunktional, kommunikationsfördernd

Für die Wirksamkeitsevaluation der Musiktherapie gibt es derzeit keine einheitlichen Standards, was in dem Standardwerk von Grawe (Grawe 1994) zu Recht bemängelt wird. Je nach Therapieform und Therapieschule gibt es jedoch spezifische Evaluationsmethoden, z. B. Ratingskalen zur Beurteilung des Therapiefortschritts. Das derzeit umfassendste Evaluationssystem ist das “Integrative Musiktherapie-Dokumentationssystem (IMDoS)”, das in Heidelberg angewandt wird. Zielsetzung ist hier die Standardevaluation der Musiktherapie, Qualitätssicherung und -management in der Musiktherapie und die Prozeßforschung zu Bedingungen und Gegebenheiten des musiktherapeutischen Effektes. Im stationären Bereich findet die Therapieevaluation im Gesamttherapiekontext statt.