Musiktherapie (Seite 4/5)

Einsatzbereiche und Indikationen

Die Musiktherapie wird in allen Bereichen der Psychiatrie eingesetzt: in der allgemeinen Psychiatrie, in der Gerontopsychiatrie und der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Weitere Behandlungsschwerpunkte findet man in der Psychosomatik, in der Geriatrie als psychosoziale Rehabilitationsmaßnahme und in der Heil- und Sonderpädagogik. Die Indikation zur Musiktherapie ergibt sich nicht im Wesentlichen aus einer Diagnose, sondern aus der psychischen Befindlichkeit, den Kommunikationsmöglichkeiten und der Introspektionsfähigkeit der jeweiligen Patienten.

Zu Beginn dieses Jahrhunderts wurde vor allem bei schizophrenen Erkrankungen (ICD 10: F2) Musiktherapie durchgeführt. Zunächst wurde hier aber eher im Sinne einer Beschäftigungstherapie z. B. gemeinsam gesungen. Bei schizophrenen Erkrankungen ist Musiktherapie außerhalb von akut psychotischen Zuständen weiter indiziert. Der mit zunehmender Etablierung der Musiktherapie als eigenständiges psychotherapeutisches Verfahren mit theoretischem Bezug auf unterschiedliche psychologische Ansätze eingetretene Wandel hat auch einen Wandel der behandelten Klientel bewirkt. So nennt WHEELER Indikationen für das als „insight music therapy“ bezeichnete Verfahren, das die Patienten in Kontakt mit ihren Emotionen bringen soll und so Spannungen, Ängste, emotionale Konflikte, destruktives Verhalten, Irrationalität und Probleme in interpersonellen Beziehungen fokussieren will.

Nach der internationalen Klassifikation sind dies folgende Störungen: Persönlichkeitsstörungen (ICD 10: F6) , affektive Störungen (ICD 10: F3) , neurotische und Angststörungen (ICD 10: F4) , Anpassungs- und Belastungsreaktionen (ICD 10: F4) und Suchterkrankungen (ICD 10: F1) (Wheeler in Bruscia 1989). STROBEL sieht die Indikation der Musiktherapie in Abhängigkeit von psychotherapeutischen Vorbedingungen. Bei Patienten, denen sprachliche Kommunikation erschwert oder unmöglich ist, bei Patienten mit reduzierter Verbalisierungsfähigkeit und bei autistischen und mutistischen Patienten (ICD 10: F8) hält er die Musiktherapie für besonders indiziert (Strobel 1990). Bei stationären Patienten wird die Indikation im Rahmen eines Behandlungsplanes und bei allen Patienten unter Berücksichtigung der Bereitschaft des Patienten zur Therapieteilnahme (meist nach einer Probestunde) gestellt.