Kontrovers diskutiert: Therapieform oder „Lebenshilfe“? (Seite 4/5)

Forschungen zur Aufstellungsarbeit

Seit Mitte der 1990er Jahre wurden verschiedene Forschungsarbeiten zu den Wirkungen von Familienaufstellungen durchgeführt. Dabei ging es zum Beispiel um das Erleben der Teilnehmer während der Aufstellung, subjektive Veränderungen und Veränderungen in Partnerschaften und Familiensystemen. Bei den meisten Untersuchungen handelt es sich um so genannte qualitative Studien, bei denen Einzelfälle oder relativ kleine Untersuchungsgruppen betrachtet wurden. Solche Studien können zwar interessante Zusammenhänge aufdecken, erlauben aber noch keine zuverlässigen Aussagen über allgemein wirksame Effekte.

Eine erste systematische Untersuchung zu den Effekten von Systemaufstellungen wurde von Diplom-Ingenieur Peter Schlötter von der Privaten Universität Witten-Herdecke durchgeführt. In seiner Studie stellte er reale Beratungsfälle mit lebensgroßen Holzfiguren nach. Die insgesamt 250 Probanden sollten Schritt für Schritt die Positionen der einzelnen Figuren einnehmen und sich jeweils in deren Positionen hineinfühlen. In jeder Position wurden sie nach ihren Gefühlen, Körperempfindungen und ihrer – subjektiv empfundenen – Beziehung zu den anderen Figuren befragt.

Dabei zeigte sich, dass eine Systemaufstellung die Beziehungen zwischen den beteiligten Personen wie eine Art symbolische, nicht-verbale Sprache wiedergibt. Diese Symbolik wird von verschiedenen Personen sehr ähnlich verstanden. So wird zum Beispiel eine Figur, die weiter hinten steht als alle anderen, als „jemand, der nichts zu sagen hat und nicht dazugehört“ wahrgenommen, während eine Figur, der sich die meisten anderen Personen zuwenden, als „jemand, von dem Wichtiges erwartet wird“ eingeschätzt wird. Gleichzeitig ergab die Auswertung auch, dass sich aus der Aufstellung keine eindeutigen Aussagen über die Charaktereigenschaften der einzelnen Personen machen lassen.

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