Sucht und Missbrauch (Seite 4/7)

Diagnose von Alkoholmissbrauch und Alkoholsucht

Eine genaue Diagnostik des Alkoholproblems findet meist in zwei Fällen statt: Wenn jemand selbst Hilfe sucht – oder wenn er durch überhöhten Alkoholkonsum auffällig geworden ist (zum Beispiel im Straßenverkehr) und daraufhin eine Untersuchung angeordnet wird. In beiden Fällen wird der Untersucher (meist ein Arzt oder Psychologe) in der Regel verschiedene Untersuchungsmethoden miteinander kombinieren. Dies ist sinnvoll, weil viele Betroffene dazu neigen, das Alkoholproblem zu verleugnen oder (selbst wenn sie freiwillig zur Untersuchung kommen) den tatsächlichen Alkoholkonsum herunterzuspielen.

Diagnose von Alkoholmissbrauch und Alkoholabhaengigkeit kombiniert verschiedene Untersuchungsmethoden wie Fragebogen und koerperliche Laborwerte Zunächst werden meist allgemeine Fragen zum Alkoholkonsum gestellt, etwa wie häufig und wie viel in den letzten Wochen getrunken wurde und wann das problematische Trinken begonnen hat. Dabei wird der Untersucher auch das Verhalten des Betroffenen beobachten – zum Beispiel, ob er alkoholisiert zur Untersuchung kommt. Anschließend wird meist ein strukturiertes Interview durchgeführt. Hier wird nach der Entwicklung des Trinkverhaltens, der aktuellen Symptomatik (zum Beispiel nach ICD-10), nach Abstinenzphasen und deren Auslösern sowie nach möglichen anderen psychischen Problemen gefragt.

Ergänzend kann der Untersucher Fragebogen und Tests verwenden, mit denen die Symptomatik im Detail erfasst wird, zum Beispiel der Addiction Severity Index (ASI; Weiler et al., 2000) oder das Trierer Alkoholismus-Inventar (TAI, Funke et al, 1987). Der ASI erfasst verschiedene Probleme, die mit dem Alkoholkonsum zusammenhängen, mit dem TAI lassen sich die Entstehung des Alkoholproblems und die Motive für das Trinken erfassen. Diese Angaben geben oft bereits wichtige Anhaltspunkte für das Vorgehen in der Therapie.

Oft ist es auch sinnvoll, Angehörige und andere nahestehende Personen zu befragen, um ein genaueres Bild des Alkoholproblems zu bekommen. In manchen Fällen werden auch Informationen von Behörden herangezogen, um das Ausmaß des Alkoholproblems möglichst objektiv zu erfassen – zum Beispiel, ob es Führerscheinverluste oder gerichtliche Verurteilungen wegen Alkohols gab.

Bekannt ist auch die „Blutprobe“, die oft bei Verdacht auf ein Alkoholproblem genommen wird. Hierbei werden verschiedene Laborwerte bestimmt, um so die Menge des momentanen und vergangenen Alkoholkonsums abzuschätzen. So erlaubt der Wert CDT Rückschlüsse auf den Alkoholkonsum in den letzten drei Wochen. Die Werte Gamma-GT, AST und ALT geben Hinweise auf Schädigungen der Leber – erhöhte Werte weisen auf einen langfristig gesteigerten Alkoholkonsum hin.

Schließlich wird bei einer langjährigen, schwer ausgeprägten Alkoholproblematik auch untersucht, ob als Folge des Trinkens körperliche oder hirnorganische Erkrankungen vorliegen.