Somatoform: Beschwerden ohne klare organische Ursachen (Seite 3/6)

Arten von somatoformen Störungen

Nach ICD-10 lassen sich mehrere Unterformen der somatoformen Störung unterscheiden:

Somatisierungsstörung

Hierbei treten immer wieder unterschiedliche, häufig wechselnde körperliche Symptome auf, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Sie bestehen über mindestens zwei Jahre und können sich auf jeden Teil des Körpers beziehen. So kann jemand zum Beispiel eine Zeitlang unter starken Kopfschmerzen, später unter Bauchschmerzen und Durchfällen und dann wiederum unter Engegefühl in der Brust und Atembeschwerden leiden – ohne, dass sich eine organische Ursache nachweisen lässt.

Die Betroffenen haben meist eine lange Krankengeschichte hinter sich, bei der sie in verschiedenen medizinischen Spezialeinrichtungen behandelt wurden. Sie haben sich vielen Untersuchungen und Operationen unterzogen, die ohne Befund geblieben sind bzw. keine nennenswerten Erfolge gebracht haben. Dabei akzeptieren die Patienten nicht oder höchstens kurzzeitig, dass die Symptome keine körperliche Ursache haben.
Weiterhin lassen sich oft anhaltende Probleme in der Familie oder in anderen sozialen Beziehungen beobachten.

Undifferenzierte Somatisierungsstörung

Dieses Erkrankungsbild ähnelt der Somatisierungsstörung, ist aber weniger schwer ausgeprägt. Es treten ebenfalls zahlreiche, unterschiedliche körperliche Beschwerden auf, die über mindestens sechs Monate anhalten. Sie erfüllen jedoch nicht das vollständige Bild einer Somatisierungsstörung.

Hypochondrische Störung

Von einer hypochondrischen Störung spricht man, wenn jemand sich seit mindestens sechs Monaten ständig mit dem Gedanken beschäftigt, an einer oder mehreren schweren oder fortschreitenden körperlichen Erkrankungen zu leiden. Dabei halten die Betroffenen auch an dieser Überzeugung fest, wenn ärztliche Befunde das Gegenteil gezeigt haben.

Die Patienten haben entweder anhaltende körperliche Beschwerden oder beschäftigen sich ständig mit ihrem Körper. Dabei interpretieren sie normale, harmlose Körperempfindungen oder Symptome (zum Beispiel kurzfristige Atemlosigkeit oder vorübergehende Kopfschmerzen) als unnormal und als mögliche Anzeichen einer schweren Erkrankung. Das führt dazu, dass sie häufig Ärzte aufsuchen.
Im Unterschied zur Somatisierungsstörung erleben die Betroffenen die Beschwerden nur in einem oder zwei Organsystemen (z. B. Magen-Darm-Trakt oder Herz) – oder sie richten ihre Aufmerksamkeit nur auf ein oder zwei Organsysteme.

Somatoforme autonome Funktionsstörung

Hierbei berichten die Betroffenen über Symptome, die scheinbar auf eine körperliche Erkrankung eines bestimmten Organsystems bzw. des vegetativen Nervensystems hindeuten. Dies können zum Beispiel Symptome des Herz-Kreislauf-Systems, des oberen oder unteren Verdauungstrakts, des Atmungssystems oder der Harn- oder Geschlechtsorgane sein.

Dabei lassen sich zwei Arten von Symptomen beobachten: Zum einen Symptome, die auf einer tatsächlichen Reaktion des vegetativen Nervensystems beruhen – etwa Herzklopfen, Schwitzen, Erröten oder Zittern. Zum anderen unspezifische, wechselnde Symptome – zum Beispiel kurzfristige Schmerzen oder Schwere- oder Engegefühle, die von dem Betroffenen einem bestimmten Organ oder Organsystem zugeordnet werden.

Anhaltende Schmerzstörung

Hierbei treten mindestens sechs Monate lang schwere und anhaltende Schmerzen auf, die vermutlich ganz oder teilweise psychische Ursachen haben. Sie führen zu bedeutsamem Leiden und Beeinträchtigungen im persönlichen, sozialen oder beruflichen Bereich. Es werden zwei Arten der anhaltenden Schmerzstörung unterschieden:

Anhaltende somatoforme Schmerzstörung

Bei dieser Unterform bestehen anhaltende, schwere und belastende Schmerzen, die sich nicht durch eine körperliche Störung oder physiologische Prozesse erklären lassen. Die Schmerzen treten vor allem in Zusammenhang mit emotionalen Konflikten und psychischen Belastungen auf. Diese können auch erklären, warum die Schmerzen begonnen haben, über lange Zeit bestehen oder warum sie sich phasenweise verstärken. Wegen der Schmerzen wird meist viel persönliche und medizinische Unterstützung benötigt.

Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren

Hier treten die Schmerzen in einer oder mehreren anatomischen Regionen des Körpers auf und lassen sich durch eine körperliche Störung oder einen physiologischen Prozess erklären. Man geht allerdings davon aus, dass psychische Faktoren bei der Aufrechterhaltung, der Schwere der Schmerzen und einer phasenweisen Verschlechterung eine wichtige Rolle spielen.  Weitere Informationen zu chronischen Schmerzen finden Sie im Bereich chronische Schmerzen.

Sonstige somatoforme Störungen

Diese Diagnose wird bei allen anderen Störungen der Wahrnehmung oder der körperlichen Funktionen verwendet, die nicht durch das vegetative Nervensystem vermittelt sind. Die Störungen beziehen sich dabei auf bestimmte Teile oder Systeme des Körpers und stehen in enger Verbindung zu belastenden Ereignissen oder Problemen.