Dauerhaft gestörter Schlaf (Seite 8/9)

Organische Schlafstörungen

(nach ICD-10)

Schlafapnoe (Atemaussetzer während des Schlafes)

Mann mit Atemmaske

Bei dieser Erkrankung kommt es zu Atemstillständen während des Schlafes. Dadurch kommt es zu einer geringeren Versorgung mit Sauerstoff während der Nacht und gleichzeitig zu wiederholten, kurzen Weckreaktionen, die die Betroffenen meist nicht wahrnehmen. Beide Faktoren führen zu einer ausgeprägten Müdigkeit am Tag und oft auch zu wiederholtem, kurzzeitigen Einschlafen. Durch den gestörten Schlaf und die Unterversorgung mit Sauerstoff kann es zu weiteren Symptomen wie Kopfschmerzen, Schwindel und Konzentrationsproblemen kommen. Häufige Folgeerkrankungen sind Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Depressionen. Die Erkrankung tritt oft bei Menschen auf, die schnarchen – beides kann aber auch unabhängig voneinander vorkommen.

Verschiedenen Angaben zufolge leiden etwa fünf bis 20 Prozent der Bevölkerung an einer Schlafapnoe. Allerdings wird die Erkrankung häufig nicht erkannt, so dass die tatsächliche Zahl der Erkrankten vermutlich höher liegt. Die Schlafapnoe beginnt meist im mittleren bis höheren Lebensalter, ältere Erwachsene (über 60 Jahre) sind am häufigsten betroffen. Männer erkranken deutlich häufiger an einer Schlafapnoe als Frauen.

Die Behandlung der Atemaussetzer im Schlaf richtet sich nach den Ursachen der Erkrankung. Wenn eine Behinderung der Atemwege vorliegt, kann eine Operation die Probleme häufig beheben. Viele Menschen mit Schlafapnoe leiden gleichzeitig an  Übergewicht, so dass hier die Gewichtsabnahme ein wichtiges Behandlungsziel ist. Weiterhin sollten die Betroffenen auf Alkohol und Nikotin verzichten. Lässt sich die Schlafapnoe mit diesen Maßnahmen nicht ausreichend verbessern, werden in vielen Fällen Beatmungsgeräte wie das CPAP (Continuous Positive Airway Pressure) oder BiPAP (Biphasic Positive Airway Pressure) eingesetzt, die dann dauerhaft verwendet werden müssen.

Ein- und Durchschlafstörungen

Hier lassen sich die Störungen beim Einschlafen oder beim Durchschlafen auf eine organische Ursache zurückführen. Ursache können eine Reihe körperlicher Krankheiten sein, z. B. Erkrankungen der Schilddrüse, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schmerzen oder Alterskrankheiten wie die Parkinson-Krankheit.

Typische organische Erkrankungen, die in der Regel nur beim Einschlafen oder im Schlaf auftreten, sind das Restless-Legs-Syndrom und das Syndrom der periodischen Beinbewegungen. Beide Erkrankungen kommen häufig gemeinsam vor und führen oft zu Müdigkeit und Schläfrigkeit am Tag. Sie werden meist mit Medikamenten behandelt, die den Botenstoff Dopamin enthalten, z. B. mit dem Wirkstoff Levodopa oder dopaminähnlich wirkenden Substanzen (Dopaminagonisten).

Restless-Legs-Syndrom

Beim Restless-Legs-Syndrom haben die Betroffenen abends und beim Einschlafen unangenehme, oft quälende Missempfindungen in den Beinen und teilweise auch in den Armen. Gleichzeitig haben sie den Drang, die betroffenen Gliedmaßen bewegen zu müssen. Diese Symptome führen häufig zu großen Problemen beim Einschlafen. Nach Schätzungen sind in Deutschland etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung von einem Restless-Legs-Syndrom betroffen. Allerdings sind die Symptome bei 80 Prozent nur schwach ausgeprägt, so dass keine spezielle Behandlung notwendig ist. Die Erkrankung beginnt in der Regel im Erwachsenenalter, wobei Männer häufiger betroffen sind als Frauen.

Syndrom der periodischen Beinbewegungen

Hierbei kommt es im Schlaf zu wiederholten Zuckungen oder Bewegungen der Beine und zum Teil auch der Arme. Dadurch wird das normale Schlafmuster gestört, das heißt, es kommt zu wiederholtem kurzen Erwachen, und es werden oft keine Tiefschlafphasen erreicht. Zur Häufigkeit der periodischen Beinbewegungen gibt es kaum aussagekräftige Studien. Es wird geschätzt, dass etwa fünf Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Die Störung beginnt ebenfalls im Erwachsenenalter und scheint bei älteren Erwachsenen (über 65 Jahre) deutlich häufiger vorzukommen als bei jüngeren

Organisch bedingtes krankhaft gesteigertes Schlafbedürfnis (idiopathische Hypersomnie)

Wie bei der nichtorganischen (vorwiegend psychisch bedingten) Hypersomnie sind die Symptome der organisch bedingten (idiopathischen) Insomnie eine erhöhte Schläfrigkeit und wiederholtes, unvermeidbares Einschlafen am Tag. Ein Teil der Betroffenen hat außerdem eine verlängerte Schlafenszeit (mehr als 10 Stunden pro Nacht) und Schwierigkeiten, nach dem Aufwachen richtig wach zu werden und sich zu orientieren (Schlaftrunkenheit). Bei einem anderen Teil der Betroffenen fehlen diese Symptome. Gleichzeitig ist die Schlafqualität gut, das heißt, der Schlaf in der Nacht ist nicht gestört.

Idiopathisch bedeutet, dass der Erkrankung keine erfassbare Ursache zugrunde liegt. Um die Diagnose stellen zu können, müssen daher andere mögliche Ursachen der erhöhten Schläfrigkeit ausgeschlossen werden (siehe Kapitel nichtorganische Hypersomnie).

Die Therapie entspricht der Behandlung bei der nichtorganischen Hypersomnie (siehe oben). Sie umfasst die Verminderung der Tagesschläfrigkeit mithilfe von Medikamenten, und Maßnahmen der Schlafhygiene, die die erhöhte Müdigkeit und Schläfrigkeit am Tag vermindern sollen.

Organisch bedingte Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus

Zu diesen Störungen gehört das Schlafphasen-Syndrom, die Schlaf-Wach-Störung bei Abweichung vom 24-Stunden-Rhythmus und das unregelmäßige Schlaf-Wach-Muster. Alle drei Störungsbilder werden von Ärzten häufig nicht erkannt und deshalb oft auch nicht angemessen behandelt. Genaue Daten zur Häufigkeit liegen nicht vor.

Schlafphasen-Syndrom

Beim Schlafphasen-Syndrom haben die Betroffenen Schwierigkeiten, zu „normalen“, sozial angemessenen Zeiten zu schlafen. Dabei unterscheidet man das Syndrom der verzögerten und das Syndrom der vorverlagerten Schlafphase. Menschen mit einem Syndrom der verzögerten Schlafphase können erst sehr spät (z. B. um 2 Uhr nachts) einschlafen und fühlen sich dann auch erst relativ spät (z. B. um 10 Uhr morgens) ausgeschlafen. Menschen mit einem Syndrom der vorverlagerten Schlafphase müssen dagegen schon am Nachmittag oder am frühen Abend schlafen gehen und sind entsprechend schon sehr früh am Morgen wach.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Menschen fällt es den Betroffenen schwer, ihren Rhythmus umzustellen und an die äußeren Gegebenheiten anzupassen. Wenn sie schlafen, ist ihre Schlafqualität jedoch gut – und solange sie ihrem natürlichen Rhythmus folgen können, fühlen sie sich nicht beeinträchtigt. Oft kommt es aber zu Problemen, weil sich der Schlafrhythmus nicht mit beruflichen und sozialen Verpflichtungen und Aktivitäten vereinbaren lässt.

Die Behandlung kann darin bestehen, die Schlafenszeiten allmählich an einen neuen Rhythmus anzupassen. Andere Betroffene entscheiden sich dafür, ihren Rhythmus beizubehalten und sich so gut wie möglich damit zu arrangieren – z. B. indem sie sich eine Arbeitstätigkeit suchen, die sich mit den verschobenen Schlafenszeiten vereinbaren lässt.

Schlaf-Wach-Störung bei Abweichung vom 24-Stunden-Rhythmus

Bei dieser Störung haben die Betroffenen einen Schlaf-Wach-Rhythmus, der länger oder kürzer als 24 Stunden ist. Daher schlafen sie jeden Tag zu einer anderen Uhrzeit ein und haben deshalb Schwierigkeiten, beruflichen und sozialen Verpflichtungen nachzukommen. Die Störung tritt häufig bei Blinden auf, bei denen Licht als äußeres Signal für einen 24-Stunden-Rhythmus fehlt.

Unregelmäßiges Schlaf-Wach-Muster

Menschen mit dieser Störung haben ein unvorhersehbares Muster aus Schlaf- und Wachphasen während eines 24-Stunden-Tages. Die Störung tritt besonders bei Patienten mit Demenz oder hirnorganischen Störungen auf, kann aber auch schon von Kindheit an vorhanden sein.

Narkolepsie und Kataplexie

Die Narkolepsie ist eine genetisch bedingte Erkrankung, bei der am Tag eine stark erhöhte Schläfrigkeit auftritt. Gleichzeitig kommt es bei bestimmten Auslösereizen (z. B. Lachen) zu einem plötzlichen Verlust der Kontrolle über die Muskulatur, den so genannten Kataplexien. Häufig haben die Betroffenen beim Einschlafen visuelle Halluzinationen, bei denen sie sich gleichzeitig nicht bewegen können, was man auch als Schlaflähmung bezeichnet. Zusätzlich lässt sich eine veränderte Schlafstruktur während der Nacht beobachten.

Von einer Narkolepsie sind weniger als 0,1 Prozent der Bevölkerung in Deutschland betroffen. Dabei tritt die Störung bei Männern häufiger auf als bei Frauen. Meist beginnt sie in der Jugend bzw. im frühen Erwachsenenalter, bei einem Teil der Betroffenen aber auch erst im mittleren Erwachsenenalter.

Zur Behandlung der Tagesmüdigkeit werden häufig Stimulanzien (insbesondere Modafinil) eingesetzt, die Kataplexien und die Schlaflähmung werden oft mit Antidepressiva behandelt. Parallel können verhaltensändernde Maßnahmen dazu beitragen, die Symptome besser zu bewältigen. So können die Betroffenen lernen, den Auslösesituationen für Kataplexien aus dem Weg zu gehen, und dafür sorgen, dass sie ausreichend und regelmäßig schlafen.

Sonstige Schlafstörungen

REM-Schlaf-Verhaltensstörung (Schenk-Syndrom)

Hierbei handelt es sich um eine seltene Schlafstörung, bei der die Muskulatur während des REM-Schlafes nicht erschlafft. Dadurch machen die Betroffenen Bewegungen und Laute, die mit dem Inhalt ihrer Träume zusammenhängen. Oft kommt es zu heftigen Bewegungen, so dass der Betroffene sich selbst und andere gefährden kann.

Die Störung betrifft etwa 0,5 Prozent der Bevölkerung und tritt ab dem 50. Lebensjahr häufiger auf. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen. In manchen Fällen besteht die Störung nur vorübergehend und hängt dann häufig mit der Einnahme oder mit dem Entzug bestimmter Substanzen (wie Alkohol, Drogen oder bestimmten Medikamenten) zusammen. Wenn die REM-Schlaf-Verhaltensstörung längerfristig besteht, hängt sie oft mit einer Schädigung des zentralen Nervensystems zusammen. Die Betroffenen entwickeln später häufig ein Parkinson-Syndrom oder eine Demenz.

Kleine-Levin-Syndrom

Bei dieser sehr seltenen Schlafstörung haben die Betroffenen in Phasen, die mehrere Tage oder Wochen anhalten können, ein extrem gesteigertes Schlafbedürfnis. Sie sind dann oft nur einige Stunden am Tag wach. Gleichzeitig treten in diesen Phasen Heißhungerattacken und ein gesteigertes sexuelles Verhalten auf. Außerhalb der Krankheitsphasen sind keine auffälligen Symptome vorhanden.

Die Störung kommt bei Männern häufiger vor als bei Frauen. Als Ursache werden genetische Faktoren und Einflüsse bestimmter Erkrankungen (z. B. Infektionen, Schädel-Hirn-Traumata) vermutet.

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