Dauerhaft gestörter Schlaf (Seite 7/9)

Alpträume (Nightmare Disorder)

Parasomnien (Nicht-organische, vorwiegend psychische bedingte Schlafstörungen nach ICD-10)

Bei dieser Störung erleben die Betroffenen wiederholt lebhafte bedrohliche Träume, an die sie sich nach dem Aufwachen noch detailliert erinnern können. Inhalt der Träume ist oft eine Bedrohung der eigenen Sicherheit oder eine Bedrohung des Selbstwertgefühls. Oft haben Menschen mit Alpträumen auch nach dem Aufwachen noch starke Angst und können deshalb nicht wieder einschlafen. Die Störung tritt meist in der zweiten Hälfte der Nacht während des REM-Schlafes auf. Im Gegensatz zu Schlafwandeln und Pavor Nocturnus sind die Betroffenen nach dem Aufwachen nicht verwirrt und desorientiert, sondern schnell wach und orientiert. Der Schlafmangel und die starke Angst, die oft auch während des Tages anhält, führen dazu, dass Menschen mit Alpträumen in ihrer psychischen und sozialen Funktionsfähigkeit beeinträchtigt sind.

Häufigkeit und Verlauf

Alpträume treten vor allem bei Kindern häufig auf: 10 bis 50 Prozent der Kinder haben zeitweise Alpträume. Am häufigsten sind sie im Alter von drei bis sechs Jahren, anschließend hören sie mit zunehmendem Alter meist von alleine wieder auf. Bei anhaltendem, starkem psychischen Stress kann es aber auch über einen längeren Zeitraum zu Alpträumen kommen.

Auch viele Erwachsene haben hin und wieder Alpträume, nämlich etwa 50 Prozent. Allerdings sind bei jungen Erwachsenen nur etwa drei Prozent und bei den Erwachsenen insgesamt nur ein Prozent von wiederholten, länger anhaltenden Alpträumen betroffen. Bei diesen Menschen besteht die Störung meist chronisch, wobei die Alpträume immer wieder phasenweise auftreten. Frauen sind zwei bis vier Mal häufiger von Alpträumen betroffen als Männer.

Eine 25jährige Frau hat wiederholt einen Alptraum, bei dem sie sich in einer Wohnung befindet. Eigentlich fühlt sie sich hier wohl und sicher – aber draußen gibt es irgendetwas Bedrohliches, und sie hat große Angst davor, nach draußen zu gehen. Im Haus gibt es freundliche Wesen, die sie dazu bewegen wollen, die Tür aufzumachen und hinaus zu gehen. Doch immer, wenn sie die Tür aufmachen will, bekommt sie große Angst und wacht schweißgebadet auf. Diese Träume beschäftigen die Frau auch während des Tages, und ihre Stimmung ist oft den ganzen Tag gedrückt.

In einer Psychotherapie stellt sich heraus, dass die Patientin stark unter dem Konflikt mit ihren Eltern leidet, die in ihrer Kindheit sehr streng waren. Seit einiger Zeit hat sie den Kontakt abgebrochen, doch diese Situation belastet sie ebenfalls stark. In der Therapie wird die Patientin dazu bewegt, sich dem Konflikt mit ihren Eltern zu stellen und ihnen zu sagen, wie sie sich den Kontakt mit ihnen vorstellen würde. Danach gehen die Alpträume nach und nach zurück.

Ursachen und Erklärungsmodelle

Man geht davon aus, dass Alpträume durch Angst oder starken Stress ausgelöst werden.

Bei Kindern treten Alpträume häufig auf und sind meist kein Zeichen einer psychischen Störung. Vor allem kleine Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren können noch nicht gut zwischen der Realität und ihrer Phantasie unterscheiden. Sie glauben häufig, dass sich Monster oder Geister in ihrem Zimmer befinden würden und halten auch die erschreckenden Erlebnisse in den Alpträumen für real.

Bei Erwachsenen kommen Alpträume oft nach akuten psychischen Belastungen vor. Länger andauernde Phasen mit Alpträumen treten häufig im Rahmen einer anderen psychischen Erkrankung auf, z. B. einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) oder einer Angststörung.

Behandlungsansätze und Selbsthilfemöglichkeiten

Oft ist es möglich, die Alpträume ohne spezielle Therapie in den Griff zu bekommen. Bei Kindern reicht es häufig aus, sie nach dem Aufwachen aus einem Alptraum in den Arm zu nehmen und zu beruhigen. Hilfreich kann es auch sein, am nächsten Tag über den Alptraum zu sprechen oder den Traum malen zu lassen, da das Kind den Traum so besser verarbeiten kann. Manchmal geben die Themen des Traumes auch Hinweise auf dahinter stehenden Ängste oder Probleme – z. B. wenn das Kind immer wieder von einem „bösen Mann" träumt und sich herausstellt, dass es sich vor dem grimmig schauenden Nachbar fürchtet. Die Eltern können dann gemeinsam mit dem Kind nach Lösungen für das Problem suchen. 

Bei Erwachsenen, die wiederholt unter Alpträumen leiden, ist es häufig sinnvoll, den dahinter stehenden Stress bzw. die Ängste in den Griff zu bekommen – z. B. mithilfe von Stressbewältigungsstrategien. Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder das Autogene Training können dazu beitragen, Stress abzubauen und so auch abends oder nach dem Aufwachen in der Nacht besser einschlafen zu können.

Sind die Alpträume sehr anhaltend und die damit verbundenen Belastungen stark ausgeprägt, ist häufig eine Psychotherapie sinnvoll. Sie kann dazu beitragen, die hinter den Alpträumen stehenden Probleme zu erkennen und Stress und Ängste abzubauen. Gleichzeitig können typische, wiederkehrende Themen der Alpträume bearbeitet werden, bis die Alpträume schließlich nicht mehr oder nur noch selten auftreten.

Medikamentöse Therapie

Eine medikamentöse Behandlung ist bei Alpträumen meist nicht sinnvoll.