Psychose (Seite 4/5)

Behandlung der Psychose nach Grunderkrankung

Je früher eine Diagnose gestellt und eine Therapie begonnen wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Wie eine Psychose behandelt werden kann, hängt von der Ursache und dem Stadium der Grunderkrankung ab. Es kann den Verlauf und die Heilungschancen einer Psychose verbessern, wenn frühzeitig eine Diagnose gestellt wird und mit einer entsprechenden Therapie begonnen wird. Abhängig von der Grunderkrankung wird medikamentös mit Antipsychotika, Stimmungsstabilisatoren wie Lithium oder Antidepressiva oder psychotherapeutisch behandelt.

Es kann mehrere Wochen oder Monate dauern, bis sich Betroffene von einer Psychose erholen. Die durchschnittliche Dauer einer Psychose liegt bei etwa sechs bis zwölf Monaten. Manchmal verschwinden psychotische Symptome aber auch sehr schnell von allein.

Im Folgenden finden Sie ein paar Beispiele, wie eine Psychose entsprechend der Grunderkankung in der Regel behandelt wird.

Alkoholpsychose

Eine durch Alkohol ausgelöste Psychose wird zunächst mit Antipsychotika behandelt. Ein erstes wichtiges Ziel der Therapie ist die Alkoholabstinenz. Um das zu erreichen, ist eine sogenannte qualifizierte Entzugsbehandlung nötig, also eine suchtpsychiatrische beziehungsweise suchtmedizinische Akutbehandlung, die über die reine körperliche Entgiftung hinausgeht.

In einer Alkoholentzugsklinik kann die körperliche Entgiftung durch Medikamente unterstützt werden, auch um die Entzugserscheinungen zu lindern. Dabei werden vor allem antipsychotische und sedierende Neuroleptika und bei affektiven Störungen auch Antidepressiva verabreicht. In der sogenannten Entwöhnungsphase werden gemeinsam mit dem Patienten die psychischen Ursachen der Alkoholsucht bearbeitet und ein umfassendes Nachsorgekonzept für das Leben nach dem Entzug festgelegt. Das ist besonders wichtig, um Rückfälle und das erneute Auftreten einer alkoholinduzierten Psychose zu verhindern.

Erfahren Sie mehr über das Störungsbild Alkoholsucht.

Demenzpsychose

Bei Demenzpatienten verändern sich Strukturen im Gehirn. Diese Veränderungen können psychotische Symptome auslösen. Typische Symptome einer Demenzpsychose sind beispielsweise starke Unruhe und Aufgewühltsein. Zirka ein Drittel der Alzheimer-Patienten entwickelt im Verlauf Wahnvorstellungen, etwa ein Sechstel ausgeprägte Halluzinationen. Bei einer Parkinsondemenz erlebt rund die Hälfte der Betroffenen psychotische Symptome, 15 Prozent der Parkinsonkranken ohne Demenz entwickeln Halluzinationen. Bei einer Lewykörperchendemenz (DLB) leiden sogar zirka 75 Prozent der Erkrankten an psychotischen Symptomen.

Menschen mit einer Demenz ängstigen sich häufig, denn sie erleben es täglich, dass sie mit scheinbar fremden Menschen oder Situationen zu tun haben, weil sie sich nicht mehr daran erinnern können, dass es beispielsweise der Sohn ist, der sie besucht oder das Wohnzimmer des Pflegeheims, in dem sie gerade sitzen.

Deshalb spielt bei demenzkranken Menschen mit Psychose die Einübung sozialer Fertigkeiten eine große Rolle. Dabei werden kognitiv-und verhaltenstherapeutische Methoden genutzt, um die Wahnvorstellungen in den Griff zu bekommen, das Sozialverhalten und die Fähigkeit, Probeme lösen zu können und Coping-Strategien zu vermitteln.

Ältere Menschen medikamentös zu behandeln, ist meist nicht so einfach, weil sie auf klassische Antipsychotika häufig mit Nebenwirkungen wie Herzprobleme, starke Müdigkeit und Benommenheit reagieren. Neuere Antipsychotika können zu einem sogenannten Metabolischen Syndrom, einer Kombination aus Bluthochdruck, Übergewicht und erhöhten Werten von Blutzucker und Blutfetten, führen. Deshalb werden diese Medikamente meist nur ergänzend zu Therapien mit Antidementiva eingesetzt und möglichst niedrig dosiert und kurz behandelt. Antidementiva sind Medikamente, die die Gedächtnisfunktionen und die Konzentrations-, Lern- sowie Denkfähigkeit verbessern können.

Erfahren Sie mehr über das Störungsbild Demenz.

Psychotische Depression

Eine schwere Depression kann mit einer Psychose einhergehen. Das heißt, dass neben einer tiefen Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit zeitweise psychotische Symptome wie Wahn oder Halluzinationen auftreten. Der Wahn entspricht in seiner Ausprägung dabei dem gedrückten Stimmungsbild, zum Beispiel Versündigungs- oder Schuldwahn, Verarmungs-, Verschuldungs- oder Verkleinerungswahn. Außerdem können Halluzinationen auftreten, meist Geruchshalluzinationen von Verwesung oder Gift. Ein depressiver Stupor, das ist eine extreme Antriebshemmung, sollte besonders alarmieren, weil die Selbstmordgefahr trotz der scheinbaren Bewegungsunfähigkeit besonders hoch ist.

Menschen mit einer psychotischen Depression werden meist zeitweise stationär behandelt. Eine schmerzlose Elektrokonvulsionstherapie, deren Wirksamkeit seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts wissenschaftlich belegt ist, kann in Kombination mit einer medikamentösen Behandlung mit Antipsychtika und Antidepressiva die Beschwerden deutlich lindern.

Erfahren Sie mehr über das Störungsbild Depression.

Psychotische Manie

Die Behandlung ist meist schwierig, weil die Erkrankten nicht immer eine Krankheitseinsicht oder nicht immer den Wunsch nach Heilung haben. Bei einer schwereren Form der manischen Psychose ist meistens eine stationäre Behandlung nötig. Medikamentös werden Antipsychotika und Lithium, ein Stimmungsstabilisator, verabreicht.

Erfahren Sie mehr über das Störungsbild Manie.

Schizophrenie

Die Schizophrenie ist die häufigste Störung aus dem Komplex der Psychosen. Die Therapie wird meist individuell auf die Patient*innen abgestimmt. Sie kann sich aus medikamentöser Therapie, Psychotherapie, psychosozialen Interventionen und anderen therapeutischen Verfahren zusammensetzen. Anfangs kann eine stationäre Behandlung wichtig sein, die dann ambulant weitergeführt wird.

Erfahren Sie mehr über das Störungsbild Schizophrenie.

Postpartale Psychose

Eine Wochenbett-Psychose bedeutet eine große Gefahr für das Leben von Mutter und Kind, weil die Mutter aufgrund von Wahnvorstellungen oder Halluzinationen die Realität nicht mehr angemessen einschätzen kann und sich und das Neugeborene gefährden kann. Die Betroffenen werden deshalb so schnell wie möglich meist stationär behandelt. Gegen die psychotischen Symptome werden in der Regel Antipsychotika verabreicht.