Psychotherapie und Onkologie (Seite 5/8)

Bessere Krankheitsverarbeitung und Erhaltung der Lebensqualität

Das wichtigste Ziel aller Behandlungsmaßnahmen in der Psychoonkologie ist die (Wieder-) Herstellung einer optimalen Lebensqualität. Die Bedeutung von Art und Weise, wie die Krebskranken ihren Gesundheitszustand wahrnehmen, steigt stetig an.

Bei und nach der Diagnose stehen Krankheitsverlauf und –bewältigung im Vordergrund. In dieser Phase kann Lebensqualität als Zufriedenheit mit den gegebenen Umständen definiert werden. Psychoonkologische Maßnahmen, die Patienten dabei unterstützen, den Umgang mit Verlusten zu erlernen und den Blick für das Mögliche zu bewahren, halten die Lebensqualität hoch.

Krankheitsverarbeitung: Selbstheilungs-Ressourcen aktivieren

Im Rahmen einer Krebserkrankung wird eine Krankheitsverarbeitung erforderlich, weil hier das weit verbreitete „Maschinenmodell vom Menschen“ versagt. Der Austausch eines defekten (Körper-)Teils reicht nun nicht mehr aus.

Die familiäre und professionelle Unterstützung von Krebskranken sollte eher begleitend und unterstützend eingreifen. Nur so können die Patienten ihre Selbstheilungsressourcen mobilisieren. Bei Erkrankten könnte eine Depression oder Angststörung vorliegen, wenn sich die Selbstheilungskräfte trotz der empfohlenen Zurückhaltung der Unterstützenden gar nicht entfalten.

Die Freiheit der Tumorpatienten kann nicht nur durch die Erkrankung selbst, sondern auch durch typische Interaktionsmuster eingeschränkt werden. Bei positivem Verlauf ist das Zusammenwirken der Onkologen, Psychotherapeuten und sozialen Unterstützer wie z.B. des (Ehe-) Partners und anderer nahe stehender Personen eine gemeinsame Anstrengung eine Bündelung im Interesse des Patienten. Im ungünstigen Fall wird seine Freiheit weiter eingeschränkt, z. B. durch überfürsorgliches Dominieren oder Abwerten der Coping-Leistung des Patienten. Somit ergibt sich die Reihenfolge:

  1. Coping
  2. Soziale Unterstützung (nachfolgend zu Coping)
  3. Psychotherapie (nachfolgend zur Sozialen Unterstützung)

Zusammenfassend geht es hier also um die Fähigkeit, wieder gesund zu werden sowie trotz und mit der Krankheit das eigene Leben zu gestalten. Das gilt insbesondere für die Gruppe der Patienten, die lange leben.

Aufrechterhaltung und Verbesserung der Lebensqualität

Den Alltag selbständig zu meistern, gehört zur Lebensqualität jedes Menschen. Im weiteren Verlauf der Krankheit sind daher Therapien, die dem Patienten größtmögliche Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit bewahren, wesentlich für die Erhaltung der Lebensqualität. Er fühlt sich dadurch frei und unabhängig.

Neben der Freiheit von tumor- und behandlungsabhängigen Einschränkungen geht es dabei vor allem um die Freiheit des Patienten, für sich eigene und gemeinsame Zeiten sowie Erlebnisse zu gestalten (Familie, Beziehungen, Beruf, Sport, Freizeit, Sexualität, Hobbys usw.).

Die im Laufe der Erkrankung häufig auftretenden Ängste vor Schmerzen oder Ersticken schränken die Lebensqualität ein. Ihnen lässt sich effektiv mittels Atemtherapie, Entspannungstechniken und kreativen Verfahren begegnen.

Sehr wichtig für die Lebensqualität sind Spiritualität, das Gefühl der Sinnhaftigkeit und die Aufrechterhaltung von Hoffnung.  Die Hoffnung nimmt verschiedene Stationen:

  • Zu Beginn besteht noch die Hoffnung, dass sich die Krebsdiagnose nicht bewahrheitet.
  • Dann hoffen die Patienten, dass die Therapie den Krebs vernichtet.
  • Falls keine Heilung eintritt, hat man später die Hoffnung, dass die Krankheit möglichst langsam voranschreitet und man selbst nicht allzu sehr unter den Symptomen leidet.
  • Zuletzt bleibt die Hoffnung, in seiner letzten Stunde nicht alleine zu sein.

Eine Befragung von gut 1600 Krebs- oder AIDS-Patienten in New York/USA zeigte einen deutlich positiven Zusammenhang zwischen dem spirituellen Wohlbefinden und der allgemeinen Lebensqualität.