Psychische Erkrankungen bei Senioren häufiger unbehandelt als im Durchschnitt (Seite 6/10)

Schlafstörungen bei alten Menschen

Die Häufigkeit von Schlafstörungen steigt mit dem Alter

Schlafstörungen sind „über einen längeren Zeitraum anhaltende Abweichungen von der normalen Schlafqualität, Schlafdauer oder Schlafrhythmik, die zu einer spürbaren Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit führen.“

Am weitesten verbreitet ist die Schlaflosigkeit (Insomnie), die sich als Ein- oder Durchschlafstörungen oder als morgendliches Früherwachen äußert.

Eine andere Form ist ein krankhaft gesteigertes Schlafbedürfnis (Hypersomnie). Sie zeichnet sich aus durch verlängerte Schlafperioden, Schläfrigkeit und erhöhte Einschlafneigung am Tag.

Auch Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, Schlafapnoe, Narkolepsie/Kataplexie sowie Albträume oder Schlafwandeln beeinträchtigen die Schlafqualität (Parasomnie). (12)

Häufigkeit und Verlauf

Ungefähr jeder vierte Deutsche bräuchte eine Behandlung wegen einer Schlafstörung, ein Viertel aller Verkehrsunfälle ereignen sich aufgrund von Schläfrigkeit und knapp drei Millionen Bundesbürger nehmen regelmäßig Schlafmittel ein. Die Häufigkeit von Schlafstörungen steigt mit dem Alter. Etwa die Hälfte aller Menschen über 65 Jahre leidet an einer Schlafstörung. (12) Das hängt damit zusammen, dass der Schlaf mit zunehmendem Alter nicht mehr so tief ist und häufiger kurze Wachphasen auftreten.

Eine weitere Besonderheit im höheren Lebensalter ist, dass deutlich mehr Menschen ein verschreibungspflichtiges Schlafmittel (Hypnotikum) einnehmen. Bei den 20- bis 30-Jährigen, die an einer Schlafstörung leiden, sind dies etwa 10 Prozent, bei den über 70-Jährigen dagegen rund ein Drittel.

Arten von Schlafstörungen, ihre Symptome und Ursachen

Im Wesentlichen lassen sich im höheren Lebensalter die gleichen Störungsbilder und Symptome beobachten wie bei jüngeren Menschen. Die wichtigsten Schlafstörungen werden im Folgenden beschrieben:

Bei einer Insomnie kommt es zu Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen, zugleich wird der Schlaf als wenig erholsam erlebt. Tagsüber fühlen sich die Betroffenen oft müde und wenig leistungsfähig. Als wichtigste Ursache für die Entstehung einer Insomnie gelten emotionale Belastungen. So treten die Schlafprobleme oft zum ersten Mal in Stressphasen oder nach belastenden Ereignissen auf. Auch ungünstige Schlafgewohnheiten (zum Beispiel unregelmäßige Schlafenszeiten, Alkohol am Abend) können zur Entwicklung einer Insomnie beitragen. Sie kann aber auch ohne erkennbare Ursache auftreten und dann durch schlafhygienische Maßnahmen (z.B. Vermeiden von übermäßigem Alkohol-, Nikotin- und Koffeingenuss, Einüben von Schlafritualen oder Entspannungstechniken) bekämpft werden, oder sie kann auf Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Krankheiten, Schilddrüsenüberfunktion, Epilepsien oder Depressionen zurückgehen. Von einer primären Insomnie, für die sich keine körperliche oder psychische Erkrankung als Ursache finden lässt, sind etwa fünf bis sieben Prozent der älteren Erwachsenen betroffen. Bei älteren Menschen begünstigt außerdem der relativ flache Schlaf mit häufigen kurzen Wachphasen die Entstehung einer Insomnie.

An einem Schlafapnoe-Syndrom leiden etwa 40 Prozent der älteren Menschen – deutlich mehr als in jüngeren Jahren. Bei dieser Störung kommt es neben Schnarchen auch zu Atemaussetzern im Schlaf, die zu Müdigkeit und kognitiven Beeinträchtigungen am Tag führen.

Bei einem Schlafapnoe-Syndrom können unterschiedliche organische Ursachen zugrunde liegen. Am häufigsten ist die so genannte obstruktive Schlafapnoe. Hier führt eine zu starke Entspannung der Atemmuskulatur im Schlaf dazu, dass keine oder fast keine Luft mehr in die Lungen gelangen kann. Bei der selteneren Form der zentralen Schlafapnoe werden die Atemaussetzer durch Schädigungen im zentralen Nervensystem ausgelöst, die zum Beispiel bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen können.

Von periodischen Beinbewegungen im Schlaf sind etwa 30 Prozent der älteren Erwachsenen betroffen. Hier kommt es zu wiederkehrenden Bewegungen der Beine im Schlaf, die die Erholsamkeit des Schlafes vermindern können.

Beim Restless-Legs-Syndrom treten unangenehme Empfindungen in den Beinen auf, die durch Bewegung reduziert werden können. Von der Störung sind etwa 10 Prozent der älteren Menschen betroffen. Die Ursachen des Restless-Legs-Syndroms und der periodischen Beinbewegungen im Schlaf sind auch heute noch nicht eindeutig geklärt. Bei beiden Erkrankungen scheint der Botenstoff Dopamin eine Rolle zu spielen. Dass beide Erkrankungen im höheren Lebensalter häufiger vorkommen, könnte damit zusammenhängen, dass der Botenstoff Dopamin und die Rezeptoren (Andockstellen) für Dopamin im Gehirn im höheren Alter abnehmen.

Diagnosestellung

Für die Diagnose einer Schlafstörung werden die Symptome und die Krankengeschichte im Gespräch mit dem Arzt oder Therapeuten erfasst. Weiterhin wird häufig ein Schlaftagebuch eingesetzt, in dem der Patient ein bis zwei Wochen lang Schlafzeiten, Schlafdauer und die Befindlichkeit am Tag festhält. Um körperliche Auffälligkeiten im Schlaf wie Atemaussetzer oder periodische Beinbewegungen zu erkennen, wird bei der Diagnostik auch eine Untersuchung im Schlaflabor (Polysomnographie) durchgeführt. Dabei werden verschiedene körperliche Messwerte mithilfe von Elektroden aufgezeichnet.

Vor allem im höheren Lebensalter ist es wichtig, mögliche körperliche Erkrankungen zu erfassen, die eine Schlafstörung auslösen können oder durch die Schlafstörung bedingt sind. So können zum Beispiel eine Niereninsuffizienz oder eine Schilddrüsenfunktionsstörung die Symptome eines Restless-Legs-Syndroms hervorrufen. Auf der anderen Seite kann eine Schlafapnoe einen erhöhten Blutdruck und Herzrhythmusstörungen nach sich ziehen.

Schließlich muss auch geprüft werden, ob andere psychische Erkrankungen vorliegen, die die Schlafprobleme erklären könnten. So treten Schlafstörungen häufig im Rahmen einer Depression oder einer Demenz auf.

Therapie bei Insomnie

Psychotherapie

Die Behandlung einer Insomnie läuft bei älteren Menschen ähnlich ab wie bei jüngeren. Es werden vor allem kognitiv-verhaltenstherapeutische Methoden und Maßnahmen der Schlafhygiene (zum Beispiel regelmäßige Schlafzeiten einhalten, die Schlafumgebung angenehm gestalten, abends auf Alkohol verzichten) angewandt. Weiterhin kommen häufig Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelrelaxation und das autogene Training zum Einsatz.

Behandlung mit Psychopharmaka

Bei der Behandlung einer Insomnie werden von Ärzten häufig Benzodiazepine verschrieben. Gerade ältere Menschen nehmen diese Medikamente jedoch oft über Monate oder sogar Jahre ein. Problematisch ist hierbei die Gefahr, eine Abhängigkeit zu entwickeln. Außerdem haben Benzodiazepine relativ viele Nebenwirkungen (zum Beispiel Müdigkeit am Tag, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme), gleichzeitig nimmt die erwünschte Wirkung im Lauf der Zeit ab. Bei einem abrupten Absetzen kann es außerdem zu Entzugssymptomen kommen. Alternativ werden häufig benzodiazepin-ähnliche Substanzen (zum Beispiel Zopiclon, Zolpidem) verschrieben. Diese können jedoch ähnliche unerwünschte Wirkungen haben wie die Benzodiazepine. ( Psychopharmaka/Schlafmittel)

Andere Medikamente, die zur Behandlung einer Insomnie eingesetzt werden und nicht zu Abhängigkeit führen, sind beruhigende Antidepressiva und niedrig dosierte Neuroleptika. Als milde Schlafmittel können außerdem Naturprodukte wie Baldrian, Melisse oder Hopfen verwendet werden.