Psychische Erkrankungen bei Senioren häufiger unbehandelt als im Durchschnitt (Seite 9/10)

Delir, Schizophrenie, Manie

und verwandte psychische Störungen

Delir

Das Delir ist ein Verwirrtheitszustand, bei dem es zu Störungen des Bewusstseins, der Aufmerksamkeit, der Orientierung und des Gedächtnisses kommt. Dabei kann das Bewusstsein entweder vermindert oder verändert sein. Beim verminderten Bewusstsein ist die Wachheit des Betroffenen herabgesetzt, so dass Denken, Handeln und die Verarbeitung von Reizen eingeschränkt sind. Beim veränderten Bewusstsein sind Denken und Handeln verwirrt oder auf einen Teilaspekt des Erlebens eingeschränkt. Außerdem können Schlafstörungen und Störungen der Bewegungsabläufe auftreten. Die Symptome sind auf eine organische Ursache oder auf die Einwirkung einer Substanz – wie Alkohol oder bestimmte Medikamente – zurückzuführen.

Ein Delir kann in jedem Alter auftreten, ist bei älteren Menschen jedoch deutlich häufiger zu beobachten. So beträgt die Häufigkeit eines Delirs bei älteren Menschen etwa ein bis 16 Prozent. Ein Grund dafür ist, dass ältere Menschen oft unter vielfältigen Krankheiten leiden, die zur Entwicklung eines Delirs beitragen können. Außerdem kann es bei ihnen nach einer Operation, während einer internistischen Behandlung oder durch Mangelernährung und zu geringe Flüssigkeitsaufnahme zu einem Delir kommen.

Um ein Delir zu behandeln, ist es vor allem wichtig, die Ursache der Verwirrtheitssymptome herauszufinden und entsprechend zu behandeln. Gleichzeitig werden Neuroleptika oder Benzodiazepinen eingesetzt, um die Verwirrtheits-Symptomatik zu lindern.

Schizophrenie und wahnhafte Störungen

Schizophrene Erkrankungen treten nach dem 60. Lebensjahr nur selten zum ersten Mal auf. Dabei lassen sich solche späten Erkrankungsformen bei Frauen häufiger als bei Männern.

Die Symptome einer Schizophrenie sind im höheren Lebensalter ähnlich wie in jüngeren Jahren. Wichtig ist bei älteren Menschen jedoch, mögliche organische Erkrankungen und Medikamente als Ursache eines Wahns oder anderer schizophrener Symptome auszuschließen. So können die Symptome auch im Rahmen einer Demenz, eines Delirs, einer anderen organischen Erkrankung des Gehirns oder des Nervensystems (zum Beispiel Schlaganfall, Hirntumor) oder bei einer internistischen Erkrankung (zum Beispiel Herzinfarkt, Schilddrüsenfunktionsstörung) auftreten. Zu den Medikamenten, die schizophrenie-ähnliche Symptome auslösen können, gehören Antiepileptika, Parkinson-Medikamente und Bluthochdruck-Medikamente.

Auch im höheren Lebensalter gelten Neuroleptika bei einer Schizophrenie oder wahnhaften Störung als Medikamente erster Wahl. Dabei muss sorgfältig geprüft werden, ob körperliche Risikofaktoren vorliegen, die die Einnahme dieser Medikamente problematisch machen. So können sowohl die so genannten älteren als auch die neueren Neuroleptika das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen. Liegen Risikofaktoren vor, müssen Nutzen und Risiko der Medikation sorgfältig abgewogen und die Einnahme engmaschig überwacht werden.

Nach dem Abklingen der akuten Symptome können psychotherapeutische und soziotherapeutische Maßnahmen dazu beitragen, die Symptomatik weiter zu stabilisieren. Ähnlich wie bei jüngeren Patienten, geht es in der Therapie darum, dem Patienten durch Gespräche Unterstützung und Entlastung zu bieten, ihn zum regelmäßigen Einnehmen der Medikation zu motivieren und ihn dabei zu unterstützen, seinen Alltag zu strukturieren. Angepasst an das Alter und die Möglichkeiten des Patienten wird außerdem versucht, Aktivitäten aufzubauen und soziale Fähigkeiten zu verbessern. 

Manien und bipolare Störungen

Manische Episoden – also Phasen mit extrem gehobener oder gereizter Stimmung und stark gesteigertem Antrieb – treten im höheren Lebensalter selten auf. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand im Rahmen einer bipolaren Störung im höheren Alter erstmals eine Manie entwickelt, liegt bei weniger als einem Prozent.

Zu beachten ist bei älteren Menschen, dass häufig körperliche Erkrankungen oder Medikamente die Auslöser für manische Symptome sein können. Wenn eine Manie auftritt, kann es bei älteren Menschen schnell zu Komplikationen kommen. Manische Zustände führen oft zu einem geringeren Schlafbedürfnis und zu einer geringeren Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme – Faktoren, die bei älteren Menschen schnell zu schweren körperlichen Störungen führen können.

Die Behandlung einer manischen Episode wird in der Regel stationär durchgeführt, wobei die Symptome mit Psychopharmaka behandelt werden. Gleichzeitig müssen bei der Therapie körperliche Erkrankungen und Medikamente, die die Manie ausgelöst haben könnten, mit behandelt werden.

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