Narzissmus und narzisstische Störungen (Seite 3/6)

Woran erkennt man Narzissmus?

Verletzlichkeit als wesentliches Merkmal

Diagnostisch wird bisher nur die narzisstische Persönlichkeitsstörung erfasst. Im DSM-5, dem Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen (DSM), dem dominierenden psychiatrischen Klassifikationssystem in den USA, wird die Narzisstische Persönlichkeitsstörung ausführlich beschrieben. Sie wird dem Cluster B, der die „launisch, dramatisch, emotionalen Persönlichkeitsstörungen umfasst, zugeordnet.

Um diese Diagnose stellen zu können, muss ein anhaltendes Muster von Grandiosität, Bewunderung und mangelndem Mitgefühl bestehen, das sich durch das Vorhandensein von mindestens fünf der folgenden Kriterien zeigt:

  • Ein übertriebenes, unbegründetes Gefühl der eigenen Bedeutung und Talente (Grandiosität)
  • Die Beschäftigung mit Phantasien von unbegrenzten Erfolgen, Einfluss, Macht, Intelligenz, Schönheit oder der vollkommenen Liebe
  • Der Glaube, dass sie speziell und einzigartig sind und sich nur mit den Menschen auf höchstem Niveau verbinden sollten
  • Der Wunsch, bedingungslos bewundert zu werden
  • Ein Gefühl des Anspruchs
  • Ausnutzung anderer, um ihre eigenen Ziele zu erreichen
  • Ein Mangel an Empathie
  • Neid auf andere und der Glaube, dass andere sie beneiden
  • Überheblichkeit und Hoffart

Die Symptome müssen spätestens im frühen Erwachsenenalter begonnen haben.

Sowohl das DSM-5 als auch die ICD-10 führen Verletzlichkeit nicht als diagnostisches Kriterium auf. Dabei bezeichnen viele Psychiater und Psychotherapeuten diese Verletzlichkeit als wesentliches Merkmal, das den Narzissmus zur Störung macht.

Narzissmus-Test

Begleiterkrankungen

Menschen, die an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leiden, entwickeln meist auch komorbide, also begleitende Störungen wie

  • Depression
  • Bipolare Störungen
  • Somatisierungsstörung
  • ADHS
  • Suchterkrankung
  • Essstörung
  • Andere Persönlichkeitsstörung: paranoide, dissoziale,  histrionische oder Borderline-Persönlichkeitsstörung

Vor allem, wenn die Störung als verletzlicher Narzissmus auftritt, kann sie mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung verwechselt werden, weil mit beiden Störungen ein labiles Selbstwertgefühl, konflikthafte zwischenmenschliche Bindungen und Verlassenheitsängste verbunden sind. Sie kann auch dann mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung verwechselt werden, wenn nahestehende Personen vom Betroffenen aggressiv für die eigenen Probleme verantwortlich gemacht werden. Denn bei beiden Störungen ist auch eine tyrannische Form bekannt.

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