Psychische Störungen und Psychotherapie

Entstehung, Formen, Diagnose und Behandlung bei Kindern und Jugendlichen

10.04.2015von Dr. Christine Amrhein

  • Psychische Erkrankungen sind bei Kindern und Jugendlichen nicht selten: Sie betreffen etwa 20 Prozent der unter 18-Jährigen.
  • Vorübergehende, entwicklungsbedingte Auffälligkeiten müssen hier von behandlungsbedürftigen Erkrankungen abgegrenzt werden.
  • Eltern sollten sich an einen Spezialisten wenden, wenn die Auffälligkeiten plötzlich auftreten, stark ausgeprägt sind, über längere Zeit bestehen und wenn sie das Kind, den Jugendlichen oder seinen Bezugspersonen stark belasten.
  • Geeignete Ansprechpartner sind Psychologen, Kinder- und Jugend-Psychotherapeuten oder Kinder- und Jugendpsychiater.
  • Zur Therapie gehören eine umfassende, störungsbezogene Diagnostik und eine mehrere Bausteine umfassende Behandlung. Sie beinhaltet Psychotherapie, psychosoziale Maßnahmen und in einigen Fällen auch eine medikamentöse Behandlung.

Psychische Schwierigkeiten: Vorübergehender Teil der normalen Entwicklung oder behandlungsbedürftige Erkrankung

Psychische Probleme und Erkrankungen können auch schon Kinder und Jugendliche betreffen. Viele junge Menschen erleben im Lauf ihrer Entwicklung vorübergehend psychische Schwierigkeiten. Diese sind häufig leicht ausgeprägt und können Teil der normalen Entwicklung sein. Bei einigen Kindern und Jugendlichen halten die Probleme aber über längere Zeit an und sind so schwer ausgeprägt, dass sie eine Behandlung notwendig machen.

Dabei können die Schwierigkeiten  ganz unterschiedlicher Art sein: Sie können sich in Verhaltensauffälligkeiten, Störungen der Aufmerksamkeit, Beeinträchtigungen der Stimmung oder als körperliche Symptome oder Beeinträchtigungen zeigen.

Manche Erkrankungsbilder bei Kindern und Jugendlichen ähneln denen Erwachsener – sie äußern sich aber oft in etwas anderen Symptomen. So können auch junge Menschen unter Ängsten oder Depressionen leiden oder durch aggressives oder impulsives Verhalten auffallen. Andere Krankheitsbilder sind typisch für ein bestimmtes Lebensalter und kommen nur bei Kindern und Jugendlichen vor – zum Beispiel Schwierigkeiten bei der Entwicklung der Sprache oder ungewolltes Einnässen (Enuresis).

Vielfältige Faktoren tragen zur Entstehung solcher Störungen bei. Dazu gehören Belastungen und schwierige Beziehungen in der Familie, ein ungünstiges Erziehungsverhalten der Eltern, Schwierigkeiten in der Schule oder mit Gleichaltrigen, aber auch individuelle Merkmale wie die Persönlichkeit des Kindes oder genetische Eigenschaften, die die Entstehung einiger psychischer Störungen begünstigen können.

Warnsignale: Dann sollten Eltern professionelle Hilfe suchen

Fast alle Kinder und Jugendliche verhalten sich vorübergehend auffällig – oder ihre Entwicklung verläuft eine Zeit lang besorgniserregend für ihre Eltern. Oft sind die Auffälligkeiten nur vorübergehend oder lassen sich mit relativ einfachen Mitteln beheben.

Es gibt aber Warnsignale, die auf das Vorliegen eines tatsächlich schwerwiegenderen Problems hinweisen, bei dem es sinnvoll ist, sich professionelle Hilfe zu suchen. Dies ist z. B. der Fall, wenn ein Kind oder Jugendlicher sich plötzlich und ohne erkennbaren Grund deutlich verändert. Auch ein ungewöhnliches Verhalten oder Symptom, das phasenweise auftritt und für eine gewisse Zeit wieder verschwindet (z. B. ausgeprägte Lustlosigkeit und Niedergeschlagenheit), kann ein Hinweis auf eine behandlungsbedürftige Störung sein.

Problematisch ist auch, wenn die Symptome über mehrere Wochen anhalten, stark ausgeprägt sind und/oder sehr häufig auftreten. Wenn die Eltern feststellen, dass auch  Lehrer, Erzieher im Kindergarten oder die Großeltern über Auffälligkeiten berichten und sich Sorgen machen, ist das ein Hinweis darauf, dass die Probleme in vielen Situationen auftreten – und dass es sinnvoll sein kann, sich professionelle Unterstützung zu suchen. Dies ist auch der Fall, wenn sich das Kind und/oder die Eltern durch das Problem stark belastet fühlen.

Kompetente Unterstützung für Eltern

Gezielte Hilfe können Eltern bei einem Psychologen, Kinder- und Jugend-Psychotherapeuten oder Kinder- und Jugendpsychiater erhalten: Er kann einschätzen, ob die psychischen Auffälligkeiten eine Behandlung notwendig machen und welche Art von Therapie am geeignetsten ist. Auch der Kinder- und Jugendarzt bzw. der Hausarzt kann eine erste Anlaufstelle sein. Er kann sich ein Bild von der Problematik machen und das Kind oder den Jugendlichen, wenn notwendig, an einen Spezialisten überweisen.

Liegt eine psychische Erkrankung vor, wird in vielen Fällen eine so genannte multimodale Therapie durchgeführt: Hier werden unterschiedliche Therapiemaßnahmen miteinander kombiniert, um so möglichst gute Voraussetzungen für eine Besserung zu schaffen.

Im Mittelpunkt steht dabei eine psychotherapeutische Behandlung, die speziell auf die Probleme des Kindes oder Jugendlichen abgestimmt ist. Weitere Elementes sind die Aufklärung und Beratung der Eltern, familientherapeutische Maßnahmen (zum Beispiel Gespräche mit der ganzen Familie, Therapiemaßnahmen innerhalb der Familie), Maßnahmen im Kindergarten oder in der Schule und in einigen Fällen auch eine medikamentöse Behandlung.

Oft kann diese Therapie ambulant durchgeführt werden. Bei schwer ausgeprägten Problemen, oder wenn mehrere psychische Erkrankungen gleichzeitig bestehen, ist jedoch eine stationäre oder teilstationäre Behandlung in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Klinik sinnvoll.

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