Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen (Seite 5/8)

Kinder- und Jugend-Psychotherapie und -Psychiatrie

Aufgaben und Möglichkeiten

Im Anschluss an die Diagnostik wird – insbesondere, wenn mehrere Problembereiche bestehen - der Behandlungsschwerpunkt festgelegt. Außerdem wird entschieden, welches Umfeld für die Behandlung am besten geeignet ist: Ist eine ambulante, teilstationäre oder stationäre Therapie am sinnvollsten?

Auch über die Intensität der Behandlung wird entschieden – zum Beispiel, ob die Stunden einmal oder mehrmals pro Woche stattfinden sollen. Im späteren Verlauf der Therapie können die Termine dann seltener (zum Beispiel nur noch einmal im Monat) stattfinden.

Auf Basis der diagnostischen Informationen werden außerdem geeignete Therapiemaßnahmen ausgewählt. Welche und wie viele Maßnahmen durchgeführt werden, hängt von der Art und Schwere der Erkrankung und von der konkreten Lebenssituation des Kindes oder Jugendlichen ab. Dabei werden zunächst die langfristigen Ziele der Therapie definiert (zum Beispiel Verringerung der sozialen Ängste, Abbau der Konflikte zwischen Eltern und Kind). Aus ihnen werden dann die einzelnen Therapiemaßnahmen und die zeitlichen Schritte der Therapie abgeleitet.

Durchführung der Therapie erfolgt häufig multimodal

Multimodale Therapie: Psychotherapie, psychosoziale Maßnahmen und, falls erforderlich, eine medikamentöse Behandlung werden miteinander kombiniert. Oft arbeiten bei der Behandlung verschiedene Berufsgruppen zusammen – insbesondere Kinder- und Jugendpsychotherapeuten, (Heil-)Pädagogen und Kinder- und Jugendpsychiater.

Medikamentöse Behandlung und weitere Maßnahmen

Die Psychotherapie kann durch eine medikamentöse Behandlung, andere ärztliche Behandlungen, pädagogische Maßnahmen oder spezielle Übungsbehandlungen ergänzt werden.

Medikamente sollten dabei nur von einem Spezialisten, also einem Kinder- und Jugendpsychiater, verordnet werden.

Er wird berücksichtigen, dass Arzneimittel bei Kindern und Jugendlichen deutlich anders wirken können als bei Erwachsenen, und kann die Art der Medikation und die Dosis gezielt anpassen.

Pädagogische Maßnahmen können gezielte Schritte zur Unterstützung des Kindes in der Schule oder im Kindergarten oder heilpädagogische Maßnahmen zur Förderung behinderter Kindern sein. Spezielle Übungsbehandlungen dienen dazu, einzelne Fähigkeiten wie die Sprachfähigkeit oder die Lese- und Rechtschreibfähigkeit gezielt zu trainieren. In manchen Fällen wird die Therapie auch durch Maßnahmen der Jugend- oder Familienhilfe ergänzt.

Psychotherapie

Der Schwerpunkt der Behandlung liegt meist bei der Psychotherapie. Sie kann mit dem Kind oder Jugendlichen alleine durchgeführt werden (Einzeltherapie). In diesem Fall wird sie meist durch beratende Gespräche mit den Eltern oder einzelne Sitzungen mit der ganzen Familie ergänzt. Die Therapie kann aber auch die ganze Familie einbeziehen und besteht dann aus Therapiegesprächen, an denen alle oder ein Teil der Familienmitglieder teilnehmen. Bei Übungsmaßnahmen wird oft auch das Umfeld in die Therapie einbezogen: bspw. werden die Eltern angeleitet, das Kind oder den Jugendlichen bei Trainingsmaßnahmen zu unterstützen.

Ziel der Therapie ist nicht nur, Lösungen für aktuelle Probleme zu entwickeln. Veränderungen sollen auch so in die Lebenswelt des Kindes oder Jugendlichen integriert werden, dass es zu einer langfristigen Besserung der Symptome bzw. Probleme kommt.

Zum Erfolg einer Psychotherapie tragen vor allem eine positive, unterstützende Beziehung zwischen dem Therapeuten und den Teilnehmern der Therapie sowie eine aktive Hilfe und Anleitungen bei der Bewältigung der Probleme bei.

Wichtig sind auch Unterstützung bei der gedanklichen und emotionalen Klärung der Probleme und die Aktivierung von Ressourcen – das heißt, an die positiven Fähigkeiten und Möglichkeiten des Patienten und seiner Familie anzuknüpfen.

Für den Therapieerfolg wesentlich ist darüber hinaus auch, dass die Probleme nicht nur besprochen, sondern direkt erfahrbar gemacht werden – zum Beispiel durch Rollenspiele, in denen den Teilnehmern ihre eigenen Gefühle, aber auch die Sichtweisen der anderen Familienmitglieder bewusster werden.

Kinder- und Jugendpsychotherapeuten werden sich deshalb darum bemühen, diese Aspekte in der Therapie zu berücksichtigen.

In Abständen wird der Therapeut mit der Familie über die erreichten Veränderungen und Verbesserungen sprechen und mit ihr gemeinsam die nächsten Therapieschritte planen. Auf diese Weise wird der Verlauf der Therapie für das Kind und seine Eltern überschaubar, und sie können selbst auf das weitere Vorgehen Einfluss nehmen.

Seite 5/8