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Psychotherapie

Unbehandelte Störungen führen zu einem Leben mit Behinderung

Bei der Hälfte der Kinder, die psychische Auffälligkeiten entwickeln, bleiben diese über zwei Jahre bestehen. Ein Drittel ist auch sechs Jahre später noch psychisch auffällig. Je schwerer und langwieriger psychische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter werden, desto aufwendiger und teurer ist die Behandlung.

Früherkennung

Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen werden leider häufig viel zu spät erkannt, nur jeder 20. unter 18-Jährige ist in einer psychotherapeutischen Praxis in Behandlung. Nicht behandelte Ängste und Depressionen im Kindes- und Jugendalter erhöhen das Risiko, im Erwachsenenalter erneut psychisch zu erkranken.

Psychische Erkrankungen führen bereits bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu einem Leben mit Behinderung. Häufigster Grund dafür sind Depressionen, Schizophrenie, bipolare Störungen, Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit sowie selbstverletzendes Verhalten. 

Psychotherapie

Eine Psychotherapie ist dringend geraten, wenn Kinder unter psychischen Beschwerden leiden, die sich in psychischen und körperlichen Symptomen, in auffälligem Verhalten oder zwischenmenschlichen Konflikten äußern.

Die psychischen Probleme von Kindern und Jugendlichen haben häufig ganz andere Ursachen als die von Erwachsenen. Deshalb ist eine besondere Qualifikation für die Behandlung notwendig, um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden. Die Psychotherapie für Kinder und Jugendliche unter 21 Jahren wird deshalb von speziellen Kinder- und Jugend-Psychotherapeutinnen und Therapeuten durchgeführt.

Psychotherapie hilft den Betroffenen, psychische Probleme wie Ängste, Depressionen, Schwierigkeiten in der Schule, familiäre Konflikten oder traumatische Erlebnisse zu verarbeiten.

Vor Beginn der eigentlichen Therapie finden probatorische Sitzungen statt, meist zwei bis sechs. Bei diesen Probesitzungen geht es darum, dass Jugendlicher und Therapeut:in herausfinden können, ob es möglich ist, eine tragfähige Beziehung zueinander aufzubauen. Außerdem kann der Psychotherapeut in dieser Zeit die Diagnose sichern.

Bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen kann es notwendig werden, relevante Bezugspersonen aus dem sozialen Umfeld einzubeziehen. Der Therapeut oder die Therapeutin erklärt Ihnen im Rahmen der Therapieplanung die Voraussetzungen und Möglichkeiten. Regelmäßige Gespräche mit den Eltern sind oft fester Bestandteil der Therapie, um neue funktionalere Strategien im konkreten Umfeld des Jugendlichen umzusetzen.

Jugendliche können ab dem Alter von 15 Jahren eine Psychotherapie beginnen, ohne dass die Eltern involviert sein müssen. Ab dann steht auch der Psychotherapeut in der Schweigepflicht gegenüber dem Jugendlichen. Das bedeutet, dass er über Gespräche mit dem Jugendlichen nicht die Eltern informiert, es sei denn, der Jugendliche stimmt zu.

Gängige Therapieverfahren

In der Psychotherapie mit Jugendlichen stehen verschiedene Therapieformen zur Verfügung, die auch in der Therapie von Erwachsenen eingesetzt werden:

Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) konzentriert sich auf die Veränderung negativer Denkmuster und Verhaltensweisen. In der Arbeit mit Jugendlichen wird sie oft spielerisch und kreativ gestaltet.

Die Dialektisch-Behaviorale Therapie von Marsha Linehan ist eine Form der Verhaltenstherapie, die den Fokus auf Emotionsregulation legt und mittels verschiedener Module dazu beiträgt, dass der Betroffene zum Beispiel in akuten Krisen schnell stabilisiert und die Gefahr von Suizid abgewendet werden kann.

Die Interpersonelle Therapie (IPT) ist eine Kurzzeittherapie, die sich auf die Verbesserung zwischenmenschlicher Beziehungen konzentriert, um depressive Symptome zu behandeln. Sie geht davon aus, dass psychische Probleme oft im Kontext von Beziehungen entstehen, zum Beispiel Rollenwechseln, Konflikten oder sozialen Defiziten.

Kreative Therapien wie Kunst-, Spiel- oder Musiktherapie helfen den Jugendlichen, ihre Gefühle auszudrücken und zu lernen, Stress auf sichere Weise zu verarbeiten.

Die Systemische Therapie bietet Unterstützung in einem therapeutischen Umfeld, bei dem auch Eltern oder andere Bezugspersonen einbezogen werden können.

Vor Beginn jeder Psychotherapie mit Jugendlichen sollten die Therapeut:innen die Sorgeberechtigten und die minderjährigen Klient:innen und über die Rahmenbedingungen, in der die Behandlung stattfinden wird, aufklären. Dazu gehören unter anderem die Notwendigkeit und Dringlichkeit der Diagnostik und Behandlung, die Erfolgsaussichten, aber auch mögliche Behandlungsrisiken und natürlich auch Behandlungsalternativen. Letzteres ist wichtig, wenn mehrere medizinisch gleichermaßen naheliegende und übliche Methoden zu wesentlich unterschiedlichen Belastungen, Risiken oder Heilungschancen führen können.

Die Anzahl möglicher Stunden in den verschiedenen Therapieverfahren und -abschnitten unterscheidet sich bei Kindern und bei Jugendlichen von denen bei Erwachsenen. Wie viele Stunden konkret erforderlich sind, hängt wesentlich vom Behandlungsplan des Therapeuten oder der Therapeutin ab. Sprechen Sie mit dem Therapeuten oder der Therapeutin darüber, wie viele Stunden er oder sie für erforderlich hält.

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