Jugendliche (Seite 7/15)
Depressionen
Gefahr von Selbstverletzung und Suizid
Jennifer war in der Kindheit eher zurückhaltend und schüchtern. Sie hatte jedoch immer Freundinnen, mit denen sie sich gut verstand. Und sie interessierte sich sehr für Pferde, Musik und Gitarre. In der Schule war sie stets gewissenhaft und fleißig.
Nach der Trennung ihrer Eltern und einem Umzug hat sie jedoch große Schwierigkeiten, in der neuen Schule Anschluss zu finden.
Ihre beiden besten und einzigen Freundinnen begeistern sich mittlerweile für Mode, Disco und Jungen – Dinge, mit denen sie nicht viel anfangen kann. Jennifer fühlt sich von ihren Freundinnen gekränkt. Sie erlebt sich als unattraktiv und langweilig.
Sie ist einsam, traurig, fühlt sich auch von der Mutter nicht verstanden. Immer häufiger zieht sie sich in ihr Zimmer zurück. In der Schule kann sie sich nicht konzentrieren, fehlt wegen Bauch- oder Kopfschmerzen, und ihre Noten werden schlechter, obwohl sie sich weiter bemüht.
Die 15-Jährige isst immer weniger. Abends kann sie nicht einschlafen und grübelt darüber nach, warum in ihrem Leben alles schief läuft. Sie denkt, dass sie nie wieder richtig glücklich sein wird.*
Leichte depressive Verstimmungen bis hin zu schweren depressiven Störungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Aktuell erkranken etwa drei bis zehn Prozent aller Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren an einer Depression.
Bei Kindern und Jugendlichen kommt es häufig vor, dass die Depression mit weiteren psychischen Erkrankungen, zum Beispiel Angststörungen, ADHS oder Essstörungen einhergeht.
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Ursachen
Die Ursachen einer Depression liegen meist im Zusammenspiel verschiedener Faktoren, so sind meist genetische, biologische und auch psychosoziale Faktoren daran beteiligt. Eine Veranlagung kann genetisch bedingt sein, aber auch aufgrund traumatischer Erlebnisse entstanden sein. Je nach Ausprägung dieser Veranlagung kann sich die Vulnerabilität, also die Verletzlichkeit, des Betroffenen erhöhen. Wenn ein Jugendlicher mit einer erhöhten Vulnerabilität in der Schule wegen eines erforderlichen Notendurchschnitts oder aufgrund von Mobbing seitens seiner Mitschüler sehr unter Druck steht, besteht die Gefahr, dass er eine Depressiion entwickelt. Ist die Vulnerabilität eines Jugendlichen ohnehin sehr hoch, kann eine Depression auch ohne äußere Auslöser entstehen.
Lesen Sie mehr über die Ursachen von Depressionen.
Symptome
Jugendliche, die unter einer Depression leiden, neigen unter Wertlosigkeitsgefühlen, Freudlosigkeit, Interessenverlust, Rückzug, Schlaf- und Appetitstörungen, Libidoverlust, Selbstverletzungen und Suizidgedanken. Sie erscheinen teilnahmslos oder ängstlich, können sich schwer konzentrieren, die schulischen Leistungen nehmen ab, unter Umständen treten unerklärliche körperliche Symptome auf. Eine Gewichtsabnahme oder -zunahme können ein weiteres Anzeichen sein.
Häufige Symptome
- depressive Symptome laut Diagnosekriterien: Antriebsminderung, Interessensverlust und gedrückte Stimmung
- vermindertes Selbstvertrauen
- Ängste, Konzentrationsschwierigkeiten, Gleichgültigkeit
- Leistungsstörungen
- tageszeitabhängige Schwankungen des Befindens
- psychosomatische Beschwerden wie Kopfschmerzen
- Suizidgedanken oder -handlungen
Die Ursachen einer Depression sind sowohl biologischer als auch psychosozialer Natur. Zunächst liegt eine Veranlagung vor, die genetisch bedingt sein kann oder beispielsweise durch traumatische Erfahrungen in der frühen Kindheit erworben werden kann.
Diese Veranlagung führt zu einer erhöhten Vulnerabilität, das heißt zu einem Risiko, an einer Depression zu erkranken. Konkrete Auslöser der Erkrankung können dann zum Beispiel Stress durch Schule, Konflikte mit Freunden und der Familie sein. Aufgrund einer Veranlagung kann man aber auch ohne äußere Gründe eine Depression entwickeln.
Auslöser einer Depression können sein
- Tod von Mutter oder Vater oder von Geschwistern
- Sucht und Depression der Eltern
- Missbrauch
- Vernachlässigung
Nicht jeder Jugendlicher, der einschneidende Lebensereignisse zu verkraften hat, erkrankt an einer Depression. Insgesamt sind Kinder seelisch und körperlich verletzlicher als Erwachsene. Ein Jugendlicher, der bereits viel erlebt hat, ist möglicherweise bei der nächsten großen Herausforderung überlastet.
Psychotherapie
Besonders bei jungen Menschen sollten psychische Störungen sehr bald behandelt werden. Denn Jugendliche, die unter einer Depression leiden, laufen Gefahr, dass die Störung einerseits chronisch wird und sie andererseits im Erwachsenenalter wieder auftreten kann.
Für die Behandlung von Psychotherapie stehen sehr viele verschiedene Therapieverfahren zur Verfügung. Neben Kognitiver Verhaltenstherapie und den psychoanalytischen oder tiefenpsychologischen Verfahren sind das auch die Dialektisch-Behaviorale Methode oder das Metakognitive Training. Die Therapie kann im Einzel- oder Gruppensetting stattfinden. Meist tragen ergänzende Maßnahmen wie Entspannungs- und Achtsamkeitsverfahren zu einem schnelleren Erfolg bei.
Die Psychotherapie bei Jugendlichen findet meist ähnlich wie bei Erwachsenen in den Praxen von niedergelassenen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten statt. Der Jugendliche wird zunächst alters- bzw. entwicklungsgerecht aufgeklärt. Die Eltern und gegebenenfalls auch Geschwister werden häufig in die Behandlung einbezogen.
*Fallbeispiel: Aus der Broschüre der Psychotherapeutenkammer NRW: "Depressive Kinder und Jugendliche"